Über eine Drehleiter wurden die Frau und ihre drei Hunde aus dem Brand-Haus gerettet. © Feuerwehr/Olaf Tampier
Kellerbrände

Brandserie: Staatsanwältin über die Psyche des Tatverdächtigen und ein Gerücht

Die Dortmunder Kellerbrand-Serie pausiert, seit ein Verdächtiger in U-Haft ist. Die Staatsanwältin offenbart erstmals Details zum mutmaßlichen Brandstifter und antwortet auf eine viel diskutierte Frage.

Diese Nachricht hat vor allem im Dortmunder Westen für große Erleichterung gesorgt: Am 13. November konnte die Polizei einen 34-jährigen Mann im Zusammenhang mit der Kellerbrand-Serie festnehmen. Seit März 2020 hatte der Feuerteufel sein Unwesen getrieben und für Angst und Schrecken gesorgt.

Wie die zuständige Staatsanwältin Sandra Lücke auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte, können dem Tatverdächtigen mittlerweile mehrere Taten nachgewiesen werden. Einzelne Tatorte wolle sie aber nicht nennen.

Bekannt ist bislang nur, dass der Kellerbrand am 16. Oktober in einem Mehrfamilienhaus an der Borussiastraße in Oespel auf das Konto des mutmaßlichen Brandstifters gehen soll. Zeugenaussagen und Spuren am Tatort führten laut Staatsanwaltschaft zur Festnahme des Tatverdächtigen.

Der 34-Jährige befindet sich seit dem 13. November in Untersuchungshaft. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft hatte das Amtsgericht Dortmund an diesem Tag einen Haftbefehl wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchter schwerer Brandstiftung erlassen.

Der Beschuldigte schweigt

Zu den Tatvorwürfen schweige der Beschuldigte bislang. Vertreten werde er durch einen Rechtsanwalt, so Sandra Lücke. Details wie etwa den Beruf oder Familienstand des Tatverdächtigen möchte sie nicht nennen: „Weil sie für die Tat nicht relevant sind und weil ihm das Persönlichkeitsrecht zusteht“, sagt sie.

Zumindest eines ließ sich die Juristin entlocken: „Der Beschuldigte ist kein Feuerwehrmann.“ Vor allem in den sozialen Netzwerken wurde häufig der Verdacht geäußert, dass der Feuerteufel, der über Monate unerkannt blieb, aus den Reihen der Feuerwehr stammen müsse.

Der Autor einer Studie von der Ruhr-Uni Bochum, die dazu Untersuchungen angestellt hat, schätzt, dass es unter den rund 1,3 Millionen aktiven Mitgliedern in Freiwilligen Feuerwehren Deutschlands 3000 Brandstifter geben könnte. Die Motivlage sei dabei oft Drang nach Sensationen oder nach Anerkennung. Hier ist das auszuschließen.

An der Werner Straße in Lütgendortmund löschte die Feuerwehr einen Kellerbrand.
An der Werner Straße in Lütgendortmund löschte die Feuerwehr einen Kellerbrand. © Helmut Kaczmarek © Helmut Kaczmarek

Auch die Frage, ob der Tatverdächtige möglicherweise psychisch krank ist, beantwortete Sandra Lücke: „Dafür gibt es bislang keine Anzeichen.“ Sie weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Ermittlungen noch ganz am Anfang stünden.

Tatverdächtiger bleibt weiterhin in U-Haft

Bis zur Anklageerhebung werde der Mann in U-Haft bleiben, sofern er keinen Haftprüfungsantrag stellt oder eine Haftbeschwerde einlegt, so Lücke. Wie lange das dauert? „Bis zur Anklageerhebung sind zwei bis drei Monate realistisch.“

Man versuche, in dieser Zeit die Ermittlungen abzuschließen, damit die Gerichte ausreichend Zeit für die Sichtung der Beweismittel haben. „Denn die Hauptverhandlung muss per Gesetzgebung sechs Monate nach der Festnahme beginnen“, so Lücke.

Das sagt die Staatsanwältin zum möglichen Strafmaß

Wie das Urteil ausfallen wird, dem will Sandra Lücke nicht vorgreifen: „Für schwere Brandstiftung liegt der Strafrahmen bei 1 bis 15 Jahren Haft, für Mord gibt es eine lebenslange Freiheitsstrafe“, erklärt sie. Natürlich werde eine Gesamtstrafe verhängt, zudem laute der Haftbefehl auf versuchten Mord.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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