Silke Theiss wohnte direkt an einem Acker. Gegen ein wenig „Landluft“ hat sie nichts, aber richtig stinken muss es auch nicht. © Holger Bergmann
Geruchsbelästigung

Anfang März stinkt es: Die Felder bekommen die erste Gülle

Die Sonne scheint, die Blumen sprießen, die Vögel singen – der Frühling ist da. Aber diese Zeit hat auch immer einen Haken. Silke Theiss aus Kirchlinde macht lieber schon mal das Fenster zu.

„Eigentlich habe ich ja nichts gegen ein bisschen Landluft“, sagt Silke Theiss. Aber sie weiß, dass jetzt irgendwann die Tage kommen, an denen man das Schlafzimmer nicht zu lange lüften darf.

Manfred Budde (78), Landwirt aus Westerfilde, weiß genau, wann es los geht: „In der nächsten Woche“. Dann werden die Bauern im Dortmunder Westen die Wintergetreide düngen, dann kommt die Gülle aufs Feld. In der kommenden Woche wird es stinken.

Reste aus Biogasanlagen

Budde nimmt es mit Humor: „Das sind die Tage, an denen wir Bauern nur wenige Freunde haben.“ Auf die Felder kommt tierischer Dreck in den Formen Festmist (mit Stroh), Gülle (flüssig) und Gärsubstrat (die Reste aus Biogasanlagen).

Für das Ausbringen des Düngers gibt es keinen festen Termin. Es müssen aber gewisse Voraussetzungen erfüllt sein. Zum Beispiel darf es keinen Frost mehr geben, die Böden müssen die Gülle aufnehmen können, nicht zu trocken sein. „Grob Ende Februar“, sagt Budde. Dieses Jahr wird es Anfang März sein.

Direkt neben einem Acker

Damit bekommen die noch kleinen Pflanzen die erste Ladung Stickstoff, Phosphor und Kali für ein gutes Wachstum. Und die Menschen bekommen dicke Luft zu amten. „Hoffentlich dauert es nicht so lange“, sagt Silke Theiss, die direkt neben einem Acker wohnt.

Manfred Budde meint aber, dass es gar nicht mehr so schlimm stinken kann wie früher. Früher wurde die stinkende Brühe im sogenannten „Breitwurf“ ausgebracht, im hohen Bogen, fein zerstäubt. „Das hat gestunken“, so Budde.

Gülle kommt aus dem Schlauch

Heute werde die Gülle mit sogenannten Schleppschläuchen aufgebracht. Schläuche in 5 bis 10 Zentimetern Höhe geben die Gülle ab. Das soll den Gestank einschränken. Vermeiden kann man ihn nicht.

Wenn ein Bauer seine Gülle verteilt, hat er heutzutage bereits viel Arbeit hinter sich gebracht. Denn die Menge an Gülle, die auf ein Feld gebracht werden darf, wird bemerkenswert genau dosiert. Dafür sorgt die Düngemittelverordnung.

Wieviel Gülle kommt in den Boden

Mit Hilfe eines Computerprogramms werden sowohl die Böden als auch die Gülle analysiert und dann entschieden, wieviel Dünger der Boden jeweils bekommt.

Damit wird erreicht, dass der Boden nur soviel Phosphor bekommt, wie die Pflanzen auch aufnehmen können. Denn überschüssiges Phosphor würde dann ins Grundwasser gelangen.

Kein Phosphor ins Grundwasser

So gelangt Phosphor (Phosphat) in Gewässer, sorgt für eine Überdüngung, das führt zu Sauerstoffmangel und das schadet allen Lebewesen im Wasser.

Wenn der Boden dann mal weniger Gülle braucht, als der Bauer loswerden möchte, kann er seine Gülle verkaufen. Auf einem Güllemarkt.

Die Herkunft der Gülle ist Silke Theiss egal: „Wichtig ist nur, dass ich gefahrlos lüften kann.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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