Zwischen Grüngürtel am Emscherufer und der PraeBau-Siedlung verläuft die enge Anliegerstraße. Manch Autofahrer nutzt sie als Schleichweg, wenn sich der Verkehr an der großen Kreuzung staut. © RVR 2020 / aerowest
Tiefbauamt versus Politik

Ärger um Einbahnstraße: „Trifft Polizei jetzt die Entscheidungen?“

Ein Anwohner schlägt eine Einbahnstraßenregelung vor. Zu eng ist der Straßenraum. Die Bezirksvertreter fassen einen Beschluss – und haben die Rechnung ohne das Dortmunder Tiefbauamt gemacht.

Ein Anwohner ist genervt. Die kleine Straße entlang der Wohnsiedlung ist eng. Autos parken am Straßenrand. Wenn sich zwei Wagen entgegenkommen, ist kein Vorbeikommen. Die Lösung wäre eine Einbahnstraße.

Mit diesem konkreten Vorschlag wendet er sich im September 2020 an die Bezirksvertretung Mengede. Die Politiker können die Situation nachvollziehen. Der Vorschlag erscheint so sinnvoll, dass sie die Einbahnstraßenregelung einstimmig beschließen.

Im konkreten Fall des Anwohners geht es um die Goslarstraße. Sie führt vom Burgring zwischen PraeBau-Siedlung und Emscherwiese zur Strünkedestraße. Manchem Autofahrer dient sie beim Umfahren der Kreuzung Strünkedestraße/Burgring als Schleichweg.

Anlieger und Radfahrer frei

Es ist kein Prüfauftrag an die Verwaltung, sondern ein Beschluss. Einen solchen haben sie schon mehrfach gefasst, zuletzt auch 2021 für den Kallenrott. 13 Monate nach der Entscheidung zur Goslarstraße antwortet das Tiefbauamt mit einem Abschlussbericht.

„Tatsächlich wird von den Anwohnern die südliche Straßenseite als Parkraum genutzt“, heißt es. Der Fahrbahnquerschnitt erlaube in diesem Fall kein gleichzeitiges Befahren in beide Fahrtrichtungen. Und es gebe insgesamt drei Kurven, „welche in Verbindung mit der Parksituation zu Verkehrsbehinderungen führen können, insbesondere für Fahrzeuge der Straßenreinigung und Müllentsorgung.“

Das Tiefbauamt verweist darauf, dass das Befahren der Straße ohnehin nur für Anlieger und Radfahrer erlaubt sei. Ferner: Die zuständige Polizeiinspektion könne „nicht bestätigen, dass der Abschnitt als Schleichweg in FR Castrop-Rauxel genutzt wird.“

Politiker sind fassungslos

Die Schlussfolgerung: Das Tiefbauamt setzt den BV-Beschluss nicht um. Schließlich: „Wird eine Straße zu einer Einbahnstraße ausgewiesen, so ist zu beachten, dass dann auch das Parken auf beiden Straßenseiten erlaubt ist“, heißt es. „Dadurch könnte es für den fließenden Verkehr noch unübersichtlicher und letztlich auch gefährlicher werden.

Die Lösungen seien Parkverbotszonen „in gebührendem Abstand vor und hinter den Kurven“, schreibt die Verkehrsbehörde. „Die Polizei Dortmund teilt diese Einschätzung.“ Darum ordnet das Stadtamt das Parkverbot und die Erneuerung der Verbotsschilder für den Durchgangsverkehr an.

Die Mengeder Bezirksvertreter vernahmen den Abschlussbericht mit einer Mischung aus Fassungslosigkeit und Ärger. „Trifft die Polizei jetzt die Entscheidungen?“, grummelte Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann. Beendet ist das Thema noch nicht.

In einem gemeinsamen Antrag zur nächsten BV-Sitzung (1.12.) erneuern die Fraktionen ihren Beschluss. Sie fordern eine Parkregelung für eine Seite. Dann wäre auch der Bürgersteig frei von parkenden Autos.

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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