Geschäftsleiterin Claudia Haskic: Seit vielen Jahren ist sie in der Vox-Reihe „Zwischen Tüll und Tränen" zu sehen. Gedreht wird auch derzeit, das Geschäft aber ist geschlossen. © Britta Linnhoff
Corona-Krise

Zwischen Tüll und Tränen: Wenn ein Fernsehteam der einzige „Kunde“ ist

Die einzigen „Kunden“, die sich in diesen Tagen im Geschäft von Claudia Haskic einfanden, waren Männer eines Fernsehteams. Sie haben gedreht, nichts gekauft. Das hat schon länger niemand.

Seit Mitte Dezember ist das Geschäft von Claudia Haskic an der Harkortstraße wie andere auch geschlossen. Claudia Haskic verkauft mit Leib und Seele und auch nach vielen Jahren immer noch mit großer Begeisterung Brautmoden.

Das kann man sehen – nicht real, weil sie ja gerade nichts verkaufen darf – aber im Fernsehen: „Zwischen Tüll und Tränen“ heißt die Serie, die regelmäßig auf Vox läuft. Zu sehen ist die 40-Jährige das nächste Mal in der Folge am 23. Februar.

Das Geschäft Lavie Sposa an der Harkortstraße 88 ist wegen der Corona--Bestimmungen derzeit geschlossen. Für Claudia Haskic ein Ärgernis, weil die Regelungen in anderen Bundesländern eine Öffnung zuließen.
Das Geschäft „Lavie Sposa“ an der Harkortstraße 88 ist wegen der Corona-Bestimmungen derzeit geschlossen. Für Claudia Haskic ein Ärgernis, weil die Regelungen in anderen Bundesländern eine Öffnung zuließen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Zwei bis sechs Mal im Monat schaue das Kamerateam in Hombruch vorbei, berichtet Claudia Haskic. Beim letzten Besuch musste das Team erst einmal Schnee schippen, bevor der Bulli an der Harkortstraße 88 bei Claudia Haskic und ihrem Geschäft „Lavie Sposa Brautmode“ einparken und das Equipment ausladen konnte. Bis das zu sehen ist, was aktuell gedreht wurde, dauere es aber Monate, so Haskic.

„Wir haben auch jetzt immer was zu tun, nur Geld verdienen kann man damit nicht“

Claudia Haskic

Seit fünf Jahren schon ist der Hombrucher Laden im TV-Geschäft

Vor der Kamera ist die 40-Jährige inzwischen ein „alter Hase“: Seit fünf Jahren schon ist sie bei „Zwischen Tüll und Tränen“ dabei. Gemeinsam mit vielen anderen Brautmodengeschäften aus dem ganzen Bundesgebiet.

Probleme, vor der Kamera zu stehen, habe sie keine, sagt sie. Dass sie jetzt in der Corona-Krise überhaupt drehen dürfen, das gehe nur mit frischem Corona-Test für alle Beteiligten. Wenn es mal wieder soweit ist, fährt Claudia Haskic wieder nach Bochum-Wattenscheid zum Drive-In für den Corona-Test.

„Verkaufen dürfen wir den Frauen, die die Kleider beim Dreh anprobieren, nicht“, sagt Claudia Haskic. „Die müssen sie dann online bestellen.“ Womit sie bei der Corona-Schutzverordnung und ihrer Auslegung ist. Und damit hat die 40-Jährige so ihre Probleme. Vor allem, weil die Regeln nicht überall die gleichen seien.

Anderswo dürften die Geschäfte öffnen. „Die Frauen, die ein Brautkleid brauchen, fahren dafür dann eben auch bis nach Berlin“, sagt die 40-Jährige. „Die Bräute kommen in der Regel so acht bis zwölf Monate vor ihrer Hochzeit.“ Oft haben die Kleider eine Lieferzeit von bis zu sechs Monaten. Wer also in einem Jahr heiraten wolle, müsse jetzt anfangen, sich zu kümmern.

Diese Situation hält die Geschäftsführerin für „untragbar“, „entweder alle oder keiner“, sagt sie. Die Landesregierung sehe ein Brautmodengeschäft als Einzelhandel, nicht als Dienstleistung. Dabei gehe es ohnehin nur mit Termin, hier gibt es keine Laufkundschaft.

„Wir können hier problemlos Abstände einhalten, tragen FFFP-2 Masken und geben diese auch an Kundinnen aus.“ Und wenn diese jemanden mitbringe, der ihr zum Beispiel beim Zumachen des Kleides helfen, dann sei das alles kein Problem. Claudia Haskic hat inzwischen mehrfach mit dem Gesundheitsministerium des Landes NRW und dem städtischen Ordnungsamt korrespondiert. Der eine schiebe es auf den anderen, ändern tue sich nichts. „Zu tun haben wir hier immer“, sagt die 40-Jährige, „aber mit dieser Arbeit verdienen wir kein Geld.“

Die Modelle im Schaufenster tragen derzeit Schwarz.
Die Modelle im Schaufenster tragen derzeit Schwarz. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Im Schaufenster hängen derzeit nur schwarze Kleider – aus Protest

Seit 14 Jahren verkauft sie Brautmode. Immer noch mit dem gleichen Enthusiasmus. Ihre Schwester betreibt in Bochum ebenfalls ein Geschäft für Brautmoden. Aber so langsam werde es ernst. Um auf die schwierige Lage aufmerksam zu machen, hat sie in den letzten Tagen ihr Schaufenster ausschließlich mit schwarzen Kleidern dekoriert.

Drinnen warten auf knapp 500 Quadratmetern 760 Brautkleider und 400 Abendkleider. „Davon haben wir letztes Jahr genau zwei verkauft“, resümiert Claudia Haskic. Wer habe in diesem Corona-Jahr schon ein Abendkleid gebraucht?

Aus irgendwelchen Fördertöpfen habe sie bisher kein Geld erhalten. So schreitet die 40-Jährige zwischen viel Tüll ein wenig frustriert im Laden umher. Tränen gibt es zum Glück bisher nur im Fernsehen: bei den Bräuten und im Titel der Sendung. Aber die Sorge wächst.

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Britta Linnhoff

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