„Vida at home“ bietet edle Küche ohne Kochen für einen besonderen Abend zuhause. © Janis Büse
Abhol- und Lieferdienst-Check

„Vida at home“: Funktioniert Essen vom Edel-Restaurant auch zuhause?

Im Lockdown bieten Dortmunder Edel-Restaurants „Essen to go“ an - auch das Vida von Sternekoch Michael Dyllong und Ciro de Luca. Funktionieren die Gerichte auch zum Mitnehmen? Ein Test.

Wer im Vida Essen bestellt, der löffelt es kaum in Jogginghose vor dem Fernseher aus der Aluschachtel. „Schaumsuppe von Karotte & Ingwer mit Garnele“, „Herforder Rind mit Rotweinjus“ und „Käseauswahl mit Feigensenf“ klingt eher nach weißer Tischdecke und einem Abend, an dem das Essen die Haupt- und nicht eine Nebenrolle einnimmt.

Die Bestellung

Unser Gourmet-Erlebnis beginnt mit einem Missverständnis: Wir können nicht wie geplant die Weekend-Box der Edel-Restaurants Vida und Iuma bestellen. Das beliebte Gemeinschafts-Menü muss Tage zuvor geordert werden.

Um das abzuklären, hatten wir zwar extra frühzeitig angerufen, aber leider nicht ausdrücklich nach der Box gefragt, sondern nur allgemein nach der Deadline für die Wochenend-Bestellung. So waren wir dann am Samstag zu spät dran für die vier Gänge „Vida meets Iuma“ (64 € pro Person).

Kein Problem, auch die reguläre „Vida at home“-Karte enthält Verlockendes. Wir entscheiden uns für zwei Vorspeisen, zwei Hauptgerichte und ein Dessert zum Teilen. Für diese Gerichte wäre auch eine Bestellung am selben Tag möglich gewesen, sagt Ciro de Luca, untröstlich wegen des Missverständnisses mit der Weekend-Box. De Luca führt die Restaurants Vida und das japanisch ausgerichtete Iuma gemeinsam mit Sternekoch Michael Dyllong.

Im Eingang des Vida versperrt ein Tisch den weiteren Zugang, das Essen wird kontaktlos überreicht.
Im Eingang des Vida versperrt ein Tisch den weiteren Zugang, das Essen wird kontaktlos überreicht. © Susanne Riese © Susanne Riese

Wie vereinbart pünktlich um 19.30 Uhr stehe ich Sonntag am Eingang des im halbdunklen Lockdown-Schlaf liegenden Restaurants. Ein Stehtisch versperrt den Zugang, Desinfektionsmittel steht bereit.

Unsere Bestellung kommt sofort, der Chef persönlich reicht sie in zwei Tüten über den Tisch. Das Hygienekonzept für die Übergabe ist sehr durchdacht, es gibt sogar Einmal-Stäbchen für die Pin-Eingabe am Kartenlesegerät.

Das Essen wird in diversen Schalen und Schachteln ausgegeben.
Das Essen wird in diversen Schalen und Schachteln ausgegeben. © Janis Büse © Janis Büse

Die Verpackung

Wenn es um die Verpackung geht, hat auch das Edel-Restaurant das Rad nicht neu erfunden. Alu-Schachteln, Styropor-Behälter, Karton, Pergament und Plastik kommen zum Einsatz, alle mit himbeerfarbenem Vida-Aufkleber. All das lässt nicht nur eine mittelgroße Tüte mit Müll zurück, sondern auch ein schlechtes Gewissen.

Aber was wäre die Alternative? Da das Einfüllen in mitgebrachte Behälter derzeit allein aus Hygienegründen nicht funktioniert, ist ein Umweltkonzept hier nicht so einfach. Denn das Essen sollte warm und unversehrt zuhause ankommen.

Schwierig ist das ohnehin, denn edles Essen lebt auch von der Optik, und die leidet unausweichlich unter Eintuppern und Transport. Und nicht jedes Essen kann das Verpacken vertragen. „Das ist eine Herausforderung“, bestätigt Ciro de Luca, nicht alles sei möglich. „Aber wir haben inzwischen ja schon Übung.“

Info

Bestellung bei Vida

  • Auf der Homepage vida-dortmund.com gibt es einen Menüpunkt „Takeaway/Abholservice“ mit der Karte.
  • Aktuell bietet das Vida, Hagener Straße 231, den Außer-Haus-Verkauf von Donnerstag bis Sonntag, 14 bis 20.30 Uhr.
  • Die Vida Weekend-Box mit 4-Gänge-Menü kann von Montag bis Donnerstag vorbestellt und am Samstag oder Sonntag von 13 bis 17 Uhr im Vida abgeholt werden.
  • Bestellungen unter Tel. (0231) 95 00 99 40 oder an contact@vida-dortmund.com

Das Essen

Die Vorspeisen gefallen uns ausgezeichnet: Der Salat mit Avocado, Granatapfel, confierter Tomate, Edamame und warmer (dank Styroporschachtel!) Maispoularde (14 €) schmeckt spannend und durch das milde Limonendressing auch sehr frisch. Das Dressing kam im eigenen Schälchen, was wir zu schätzen wissen, denn sonst hätte es die zarten Pflücksalatblättchen schon auf dem Weg nach Hause matschig werden lassen.

Die warme Poularde und das Dressing werden erst zuhause mit dem Salat angerichtet.
Die warme Poularde und das Dressing werden erst zuhause auf dem Salat angerichtet. © Janis Büse © Janis Büse

Die andere Vorspeise, Pastrami vom Kalb „Vitello Tonnato“ (16 €), erweist sich als fein abgestimmtes Gedicht aus Oliven, Thunfischcreme und Kalbfleisch.

Schon bei den Vorspeisen wird uns ein Vorteil der Take-away-Küche bewusst: Die Portionen sind eindeutig größer als vor Ort. Manche Haute-Cuisine-Variante würde in den Behältnissen sonst wohl allzu verloren aussehen. Der Salat jedenfalls reichte locker für zwei Personen oder für eine – nicht allzu hungrige – Person als Hauptgericht.

Dafür muss man bei Deko und Präsentation ein paar Abstriche machen. Der frische Rucola auf der „Pasta á la Norma“ (19 €) mit Filetspitzen, Aubergine, Tomatensugo und Ricotta lässt natürlich nach dem Transport in der Alubox etwas die Ohren hängen. Dafür findet das Nudelgericht genau die richtige Balance zwischen bissfesten Nudeln, Fleisch, Gemüsestückchen und cremiger Soße aus Tomate und Ricotta.

Die Rotzunge mit Spinat und Kartoffelwürfelchen hat den Transport sehr gut überstanden.
Die Rotzunge mit Spinat und Kartoffelwürfelchen hat den Transport sehr gut überstanden; von den Beilagen gab es noch mehr. © Janis Büse © Janis Büse

Besonders gut ist der Fisch: Die „Mediterrane Rotzunge“ hat den Weg vollkommen unbeschadet überstanden und kommt appetitlich mit feiner Olivensalsa auf den Teller. Die zwei Rotzungenfilets schmecken sehr fein, das Fleisch ist hell und fest. Dazu gibt es Babyspinat – der uns etwas dunkel und zu stark gewürzt ist – und angebratene Mini-Kartoffelwürfelchen (zusammen 21 €). Rissoleé-Kartoffeln heißen die in der Karte.

Nach all dem sind wir froh, nur ein Dessert bestellt zu haben. „Eton Mess mit Waldfrucht, weißer Schokolade & Baiser“ (9 €), ist eine üppige Portion mit weißer Schoko-Mousse, einer Art Karamell, Beerenkompott und Baisertupfen. Lecker.

„Eton Mess
„Eton Mess“ ist ein Kunstwerk aus Mousse, Baiser und Waldfrucht mit einem Minzeblatt. © Janis Büse © Janis Büse

Die Preise

79 Euro für die Gesamtbestellung finden wir sehr fair. Da keine teuren Getränke hinzukommen, ist Essen vom Sternekoch als Take-away durchaus bezahlbar.

Fazit

Ein gutes und aufwendiges Essen wie dieses fertig zubereitet kredenzt zu bekommen, ist etwas Besonderes und in diesen Zeiten ein wunderbarer Ausgleich für ausfallende Veranstaltungen und Restaurantbesuche.

„Vida at home“ hat uns einen schönen Abend beschert, an dem wir es uns bewusst nett gemacht haben. Das alles ist uns ein paar Euro mehr wert, deshalb werden wir sicher auch die „Weekend-Box“ noch probieren.

Noch ein Tipp: Zum Valentinstag am 14. Februar gibt es ein spezielles Menüangebot für zwei.

Netzstimmen

Bei Tripadvisor bekommt das Vida 4,5 von 5 Punkten. Unter den 99 Bewertungen sind 69 „ausgezeichnet“ und 15 „sehr gut“.

Info

So funktioniert der Abhol- und Lieferdienst-Check

Wir bestellen ohne Vorankündigung als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die die verschiedenen Möglichkeiten, sich mit gutem Essen zu versorgen, ausprobieren möchten. Wir beschreiben Service und Essen so, wie wir es auch unseren Freunden gegenüber tun würden. Mit Schwächen und Stärken. Ehrlich.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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