Zigarettenkippen sind nicht nur nicht schön, sondern mit ihren Inhaltsstoffen auch schädlich für die Umwelt. In Hombruch ist jetzt ein Pilotprojekt in Dortmund gestartet. © picture alliance/dpa
Recycling

Stadtteil wird Pilotprojekt fürs Zigarettensammeln – und wiederverwerten

Früher gab es an jeder Ecke Zigarettenautomaten. Im Dortmunder Süden gibt es jetzt stattdessen eine spezielle Sammelkiste für Zigarettenkippen. Aus dem Abfall entsteht Sinnvolles.

Die Tannenstraße in Hombruch ist ein bisschen berühmt geworden, wegen ihres Bienenfutterautomaten, der hier hängt. Inzwischen hat es diese Idee bis nach Berlin geschafft, wo vor kurzem der 100. Automat aufgebaut wurde.

Jetzt gibt es in der kleinen Straße am Rande der Fußgängerzone schon wieder eine Premiere, zumindest für Dortmund: Denn hier hängen zwei ganz besondere Sammelbehälter für Zigarettenkippen. Es geht dabei nicht einfach nur darum, die mit Schadstoffen belasteten Stummel von der Straße zu kriegen, sondern um viel mehr.

Der Kölner gemeinnützige Verein „Tobacycle“ hat sich zum Ziel gemacht, Zigarettenkippen als Problemabfall möglichst komplett aus der Umwelt zu verbannen. Dies realisieren die Vereinsmitglieder rund um den Gründer Mario Merella über den Aufbau eines Sammelsystems und der damit möglichen separaten Sammlung der Zigarettenreste.

Aschenbecher entstehen aus Granulat

Aus denen entsteht dann durch die Beimischung anderer Stoffe ein Granulat und aus diesem wiederum neue Dinge: Im Online-Shop finden sich unter anderem diverse In- und Outdoor-Aschenbecher sowie personalisierbare Ascher für unterwegs oder im Auto. „Kippen für Kippen“, so beschreibt Mario Merella, Vorstand des Kölner Vereins, das Prinzip des Vereins.

Zumindest in der Tannenstraße liegen seit kurzem nicht mehr so viele Kippen auf der Straße: Hier hängen jetzt zwei Sammelbehälter, die die Wiederverwertung der Stummel möglich machen.
Zumindest in der Tannenstraße liegen seit kurzem nicht mehr so viele Kippen auf der Straße: Hier hängen jetzt zwei Sammelbehälter, die die Wiederverwertung der Stummel möglich machen. © dpa © dpa

Angefangen hat diese Geschichte vor drei Jahren. „Irgendwie bin ich darauf gestoßen worden“, erinnert sich Mario Merella. Zigarettenkippen verursachten einen immensen Schaden in der Umwelt. 4,3 Milliarden Zigarettenkippen fielen jährlich weltweit an und 80 Prozent davon landen in der Umwelt.

Bereits ein kleiner Regen genüge, um die enthaltenen Giftstoffe auszuwaschen und in das Grundwasser zu leiten. Die restlichen Prozente landeten über den Restmüll in Verbrennungsanlagen. Auch das sei nicht optimal, weil die Zigarettenkippe größtenteils aus Kunststoff bestehe. Bei der Verbrennung würden Emissionen frei und die Rohstoffe könnten nicht mehr genutzt werden.

Aus der ersten Idee ist inzwischen eine Art Lebensaufgabe geworden

Inzwischen bezeichnet Merella das Vorhaben für sich als eine Art Lebensaufgabe. 50 bis 100 Anfragen erreichten den Verein täglich. Das erste Jahr des Vereins sei mit viel organisatorischer Arbeit verbunden gewesen. In den beiden folgenden Jahren habe der Verein rund 30.000 Kilo Kippen gesammelt.

Inzwischen agiert man bundesweit. Akquise gebe es keine, berichtet Merella. „Die Leute kommen auf uns zu“, sagt er. So wie auch Sebastian Everding aus Hombruch.

Sebastian Everding neben dem kleinen grauen Kästchen, in dem die Zigarettenstummel zur Wiederverwertung gesammelt werden. In der Hand hält er einen der größeren Eimer, in denen die Kippen schließlich von dem Kölner Verein abgeholt werden. © Everding © Everding

Everding arbeitet als Hausverwalter für die beiden Häuser mit den Nummer 1 und 3 in der Tannenstraße, an denen die Sammelbehälter angebracht sind. Hier gibt es Arztpraxen und häufig, so berichtet Everding, hätten hier zahlreiche Kippen vor dem Eingang auf der Straße gelegen. Eine Nachbarin habe sogar zwischenzeitlich ein „Tellerchen“ aufgestellt, um die Situation zu verbessern.

Initiator Everding gehört selbst zu den Nichtrauchern

Everding sagt, er sei zufällig im Netz auf den Kölner Verein gestoßen. „Und ich fand das irgendwie spannend.“ Obwohl er gar nicht zu den Rauchern gehört. Aber er habe schon länger ein großes Interesse daran, der Umwelt Gutes zu tun, wie zum Beispiel auch mit den Bienenfutterautomaten. Auch das war seine Idee. Ob die Leute rauchen oder nicht, was sie mit ihrer Gesundheit machen, das ist nicht sein Thema.

Seit zwei Wochen nun hängen die eher unscheinbaren kleinen Behälter mit der großen Wirkung in der Tannenstraße. Everding ist zufrieden: Der Bürgersteig sei seitdem deutlich sauberer. Noch sind die Behälter nicht voll. Sollten sie es sein, würde Sebastian Everding den Inhalt in seinen Sammeleimer kippen, der dann irgendwann von den Kölnern abgeholt wird. Sollte das kleine Hombrucher Pilotprojekt zufriedenstellend verlaufen, dann will Sebastian Everding ausloten, ob das nicht auch für ganz Dortmund machbar ist.

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Britta Linnhoff

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