Selbst für Kinder in höheren Klassen ist es oft schwierig, im Homeschooling den Aufgaben zu folgen. An Grundschulen sind es jedoch nicht nur technische Grundlagen, die zu Problemen führen können. © picture alliance/dpa
Distanzunterricht

„Sorgen machen mir die Erstklässler“: Digitalunterricht an Grundschulen

Seit Montag (11.1.) gibt es wieder Digitalunterricht. Wie läuft das an den Grundschulen? Zwei Schulleiterinnen aus Hörde geben Einblicke in den Alltag der Lehrer, Eltern und Kinder.

In NRW sind die verlängerten Weihnachtsferien um. Am 11. Januar (Montag) hat die Schule wieder begonnen – doch erneut nicht in den Klassenzimmern, sondern zu Hause. Der sogenannte „Distanzunterricht“ soll vorerst bis zum 31. Januar (Sonntag) fortgeführt werden. Wie läuft dieses Prinzip an Hörder Grundschulen?

Digitale Angebote erreichen nicht alle

Jutta Portugall, Schulleiterin der Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen, räumt gleich ein: „Es hakt, immer wieder, an der ein oder anderen Stelle.“ Die Lieberfeld-Grundschule stellt, wie andere Grundschulen auch, für den Heimunterricht verschiedene Kanäle zur Verfügung. Vor allem auf der Plattform IServ werden Arbeitsmaterialen hochgeladen.

Abgesehen davon, dass viele IServ-Server gleich zu Beginn des Homeschoolings am Montag abstürzten: Die Gründe, warum die digitalen Angebote von manchen Familien nicht genutzt werden können, sind vielfältig.

„Das fängt damit an, dass die Papiere in manchen Haushalten nicht ausgedruckt werden können, oder die Kinder kein digitales Arbeitsgerät besitzen oder sich eins mit dem Geschwisterkind teilen müssen – teilweise auch, weil die Eltern im Homeoffice an dem einzigen Endgerät im Haushalt arbeiten müssen“, zählt Portugall auf. Auch WLAN oder technische Kenntnisse seien in manchen Haushalten einfach nicht vorhanden.

Jutta Portugall leitet die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen.
Jutta Portugall leitet die Lieberfeld-Grundschule in Wellinghofen. © Michael Nickel © Michael Nickel

„Wenn man es nicht als Allheilmittel sieht, geht es aber“, sagt sie. Insgesamt sei der Start in das Homeschooling geglückt. Für Kinder, deren Haushalt nicht für die digitalen Angebote ausgestattet ist, bietet die Schule ausgedruckte Arbeitspapiere zum Abholen an. „Natürlich nur draußen und auf Distanz“, sagt die Schulleiterin.

Mehraufwand für Lehrer und Eltern

Dennoch blieben manche Kinder auf der Strecke. „Wir erreichen manche Eltern schlicht nicht, weder per Mail noch telefonisch“, sagt Jutta Portugall. Heißt: Bei manchen Kindern werden die Arbeitsblätter weder abgeholt noch heruntergeladen.

Das Kollegium versuche dabei alles, um den abgebrochenen Kontakt mit solchen Familien wieder aufzunehmen – ein starker Mehraufwand für ihre Kollegen, wie die Schulleiterin betont.

„Klar ist es für die Eltern momentan schwierig und anstrengend, aber ich finde, dass der Aufwand, den die Lehrer in diesen Zeiten betreiben müssen, manchmal übersehen wird“, sagt sie. Wenn jede Kontaktaufnahme ins Leere läuft, müsse irgendwann das Jugendamt eingeschaltet werden.

Fehlende Infrastruktur in kleinen Stadtteilen

Stephanie Klein ist die Leiterin der Wichlinghofer Grundschule, einer vergleichsweise kleinen Schule. Hier läuft der digitale Unterricht „ganz gut“, wie die Schulleiterin sagt: „Von den Eltern haben wir bisher sehr positive Rückmeldungen bekommen.“

Das dringendste Problem in Wichlinghofen sei jedoch die schlechte Infrastruktur: „Das Internet läuft hier wirklich sehr langsam. Obwohl wir für die Kinder vor Ort PC-Arbeitsplätze haben, können wir meistens keine digitalen Inhalte bereitstellen“, sagt Stephanie Klein.

Auch die Eltern im Bezirk hätten häufig mit langsamen Internet zu kämpfen, daher werden auch hier die ausgedruckten Papiere dankend angenommen. Stephanie Klein betreut momentan eine Klasse der Jahrgangsstufe eins und organisiert momentan ein erstes Zoom-Meeting.

Die Kinder sind einsam

„Noch nicht einmal für die Lerninhalte, sondern einfach, um zu erzählen, wie es einem gerade geht“, sagt Stephanie Klein. Sie selbst habe gehört, dass einige der Kinder momentan ein bisschen einsam sind: „Es fehlen natürlich besonders die Besuche bei Freunden oder bei den Großeltern.“

Auch Jutta Portugall hofft, dass die Schüler nicht unter diesen widrigen Umständen leiden. „Am meisten Sorgen machen mir die Erstklässler, die wirklich noch sehr jung sind“, sagt sie. Schon nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 habe das Kollegium der Lieberfeld-Grundschule die Auswirkungen des Distanzunterrichts bei den Kindern bemerkt.

„Da gibt es auch kein Zaubermittel“, sagt Jutta Portugall. Obwohl sie der Meinung sei, dass der digitale Unterricht die Chancengleichheit ihrer Schüler nicht aushebele, sehe sie nur in der Schule ein effektives Lernumfeld.

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