Ein weiteres Traditionsgasthaus wird im Dortmunder Süden verschwinden. © Jörg Bauerfeld
Gaststättensterben

Seit 147 Jahren Gaststätte: Jetzt droht dem Traditionshaus der Abriss

Das Gaststätten- und Kneipensterben im Dortmunder Süden geht weiter. Noch in diesem Jahr wird das nächste Traditionshaus verschwinden und einem Neubau Platz machen.

Die Kündigung kam fristgerecht. Ende April 2021 ist Schluss. Da kann auch die derzeitige Pächterin der nichts an dem Aus der Gaststätte ändern. „Wenn wir die Möglichkeit haben und es die Pandemie es zulässt, wollen wir noch eine große Abschiedsfeier machen“, sagt Renate Karbowniczek.

Vermutlich gar nicht mehr eröffnen

Doch, ob das noch klappt? „Ich bin mir nicht sicher, ob wir überhaupt noch einmal aufmachen können“, sagt die Pächterin der Gasstätte „Zur Taube“ an der Ostkirchstraße. Das alte Gasthaus sei verkauft, so Renate Karbowniczek. Schon vor einigen Jahren habe man die „Taube“ abreißen wollen. Jetzt sei es wohl so weit.

Was passiert mit der gewaltigen Kastanie vor dem Haus?
Was passiert mit der gewaltigen Kastanie vor dem Haus? © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Mit dem 147 Jahre alten Gasthaus, das viele Aplerbecker noch unter dem Namen Herdickerhoff kennen, verschwindet eines der traditionsreichsten Gasthäuser im Stadtbezirk von der Bildfläche.

Ein Ort, wo sich die Nachbarschaft im Biergarten getroffen hat, ein Ort, wo Kommunionen und Konfirmationen gefeiert wurden und wo in dem großen Saal regelmäßige Taubenausstellungen stattfanden. Auch Vereine trafen sich dort. So wie der SGV Aplerbeck, der in der „Taube“ seine Versammlungen abhielt.

Die Aplerbecker mochten ihre „Taube“

Natürlich ist das Gasthaus in die Jahre gekommen, im Inneren erwartet den Gast ein wenig der Charme der 70er- und 80er-Jahre. Aber die Aplerbecker mochten ihre „Taube“. Seit neun Jahren führt hier Renate Karbowniczek das Regiment. Im Moment ist die „Taube“ geschlossen: Der Lockdown hat auch hier zugeschlagen.

Die Taube kennen viele noch als Herdieckerhoff.
Die Taube kennen viele noch als Herdieckerhoff. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

„Gefeiert wurde hier immer noch viel“, sagt die Pächterin. Auch für die nächsten Wochen sei noch etwas geplant gewesen. Die Corona-Pandemie stoppte diese Pläne aber. „Hier in der Umgebung stirbt dann alles aus“, sagt Renate Karbowniczek.

Orte, die man erst so richtig in der Corona-Pandemie schätzen gelernt hat, werden verschwinden. Die Kneipe „Zum Steigerturm“ in Berghofen wird bald nicht mehr da sein, die „Taube“ wird folgen. Und noch etwas, was die Jahrhunderte überdauert hat, ist gefährdet.

Was geschieht mit dem über 100 Jahre alten Baum?

Vor der Gaststätte „Zur Taube“, direkt an der Ostkirchstraße steht noch eine gewaltige Kastanie. Die ist ebenfalls über 140 Jahre alt. Ein mächtiger Baum, der für kühlen Schatten im Biergarten sorgte. Was aus ihm wird? Das wird sich wohl erst zeigen, wenn die Bagger anrollen.

Aber noch ist ein wenig Zeit – und vielleicht gibt es sie ja dann doch noch. Die große Abschiedsfeier für eine 147 Jahre alte Gaststätte. Nach deren Abriss soll das Grundstück neu bebaut werden. Wie genau, ist noch unklar.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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