Bilder von Familie und Freunden, die im Restaurant hängen, sind mit Ruß bedeckt. © Alexandra Wachelau

Restaurant in Schutt und Asche: Inhaber-Familie verliert auch die eigene Wohnung

Am 1. Mai brannte die Küche von „Emas Pfeffermühle“ aus, der Betrieb erlitt einen Totalschaden. Die Wohnungen darüber mussten geräumt werden. So geht es der Inhaber-Familie jetzt.

Für Emir Seperovic ist der 1. Mai einer der liebsten Feiertage. Seine Töchter – eine studiert in Berlin, die andere in Münster – waren für den Feiertag wieder nach Dortmund gereist, er selbst hatte einen Lammspieß für Samstag vorbereitet.

Am 30. April (Freitag) saß die Familie abends zu dritt vor dem Fernseher, aß Eis und genoss den Feierabend. Die älteste Tochter war noch bei ihrem Onkel und wollte danach zu ihnen stoßen. Doch dann roch die jüngste Tochter Rauch.

Nachbar klettert auf das Vordach, um der Familie zu helfen

„Etwas später dachte ich dann, dass der Strom ausgefallen ist“, sagt Sara Seperovic. Zu dem Zeitpunkt stand die Küche des Restaurants, drei Stockwerke unter der Wohnung der Familie, bereits in Flammen. Das Feuer brach bei einem der Gefrierschränke aus. Der Rauch drang durch die Fenster der Wohnung, bedeckte alles und nahm der Familie das Licht – und die Luft zum Atmen.

Eine Schadenssumme kann noch nicht genannt werden.
Eine Schadenssumme kann noch nicht genannt werden. © David Münzberg © David Münzberg

„Wir konnten uns nicht mehr gegenseitig sehen, das ging wirklich sekundenschnell“, sagt Sara Seperovic. Die Feuermelder gingen los, sie und ihr Vater gingen ins Treppenhaus. Dort warnten sie die Nachbarn und schnell wurde klar, dass die Restaurantküche im Erdgeschoss lichterloh in Flammen stand.

„Wir sind dann schnell wieder hoch, um unsere Mutter zu holen“, sagt Sara Seperovic. Doch bis dahin hatte sich der Rauch schon so stark verdichtet, dass die Familie nicht mehr zurück konnte. Die drei flüchten in die Kinderzimmer und riefen aus den Fenstern um Hilfe.

Währenddessen fing auf der anderen Seite des Hauses die Außenverkleidung Feuer. Rauch, Hitze und Flammen schlugen immer höher. Der Rettungsdienst brauchte ein paar Minuten, doch die Luft, so schildert es die Familie, wurde selbst am offenen Fenster immer schlechter.

Ganz schön hoch: Der Nachbar von den Seperovics kletterte am Abend des 30. April mit einer Standleiter auf das Vordach des Restaurants. So entkommt die Familie der verrauchten Wohnung.
Ganz schön hoch: Der Nachbar von den Seperovics kletterte am Abend des 30. April mit einer Standleiter auf das Vordach des Restaurants. So entkommt die Familie der verrauchten Wohnung. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

„Unser Nachbar hat uns dann gerettet“, sagt Merima Seperovic, die Ehefrau von Emir. Der Nachbar kletterte auf das Vordach des Restaurants und erreichte das Fenster, an dem die Familie stand, mithilfe einer Anstellleiter. Nach und nach konnten sich Tochter, Mutter und zuletzt der Vater auf das Vordach retten, der Hund wurde vom Nachbarn heruntergetragen. Wenig später traf die Feuerwehr ein. Eine Rauchvergiftung hat glücklicherweise niemand in der Familie erlitten.

Schadens-Ursache steht noch nicht fest

Drei Tage nach dem Brand betritt die Familie nun erstmals wieder das Restaurant (4.5.). Die Polizei hat eine Brandstiftung bereits ausgeschlossen und das Siegel gelöst. Die Ursache ist dabei noch nicht geklärt – der Schaden jedoch immens: Wandverkleidung liegt auf dem Boden, gemischt mit Asche und Löschwasser. Ein Telefon im Flur ist von der Wand geschmolzen, bei den Wein- und Likörflaschen wurden aufgrund der Hitze die Korken herausgedrückt.

Alles ist mit einer dicken Schicht Asche überzogen und schwarz, auch die Fotowand im Restaurant, auf der Familie und Freunde abgebildet sind. „Das ist für mich die traurigste Ecke“, sagt Merima Seperovic. Die ganze Familie ist sichtbar erschüttert beim Anblick des Restaurants. Auch ihre Wohnung muss grundgereinigt werden: Alles riecht nach Rauch und ist mit Asche bedeckt.

Seit 1998 betreiben die Seperovics die Pfeffermühle in Hombruch. 2008 sind sie mit ihrem Restaurant von Eichlinghofen an die Menglinghauser Straße gezogen. Vorher war dort die Dorfschänke ansässig. „Es hat hier schon einmal gebrannt, vor ungefähr 20 Jahren“, sagt Emir Seperovic. Damals sei sogar der Restaurantinhaber ums Leben gekommen, habe der Hauseigentümer der Familie erzählt.

Die Hitze hat unter anderem die Korken aus den Getränkeflaschen gedrückt.
Die Hitze hat unter anderem die Korken aus den Getränkeflaschen gedrückt. © David Münzberg © David Münzberg

Schon wegen der Corona-Pandemie allein war der Restaurantbetrieb zuletzt nicht leicht. „Aber wir haben die Hoffnung ja nie aufgegeben, wir waren ja ein paar Stunden vor dem Brand noch im Betrieb“, sagt Emir Seperovic. Nun lässt sich im Restaurant kein Essen mehr zubereiten, das gesamte Haus ist unbewohnbar geworden.

Familie Seperovic vor der zerstörten Außenfassade im Biergarten. Von links: Merima Seperovic, Inhaber Emir Seperovic, David Münzberg und Ema Seperovic.
Familie Seperovic vor der zerstörten Außenfassade im Biergarten. Von links: Merima Seperovic, Inhaber Emir Seperovic, David Münzberg und Ema Seperovic. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Spendenaktion hat bereits über 9000 Euro erreicht

Alle sind erleichtert, dass ihnen und den Nachbarn nichts passiert ist. „Generell haben wir so viele liebe Nachrichten und Hilfe bekommen, das hätten wir alle nicht erwartet“, sagt Ema Seperovic, die ältere Tochter. Regelmäßig klingelt bei allen das Telefon, Bekannte und Freunde erkundigen sich. Die Seperovics sind bei einer befreundeten Familie untergekommen. Deren Sohn, David Münzberg, hat bereits am 1. Mai eine Sammelaktion gestartet.

Ziel der Spendenkampagne waren 5000 Euro. 24 Stunden später war dieses Ziel bereits erreicht, momentan (Stand 4.5.) liegt die gesammelte Summe bei über 9000 Euro.

„Ich bin sprachlos“, sagt Emir Seperovic. Niemand hätte mit dieser Resonanz gerechnet. „Die Spenden kommen auch teilweise aus Australien, aus England“, sagt David Münzberg, der zusammen mit Ema Seperovic die Spenden organisiert. Die Restaurantbesitzer haben überall Bekannte – das wird auch auf Facebook deutlich.

Das gesamte Haus ist nicht mehr bewohnbar und muss noch von Statikern und Gutachtern geprüft werden.
Das gesamte Haus ist nicht mehr bewohnbar und muss noch von Statikern und Gutachtern geprüft werden. © David Münzberg © David Münzberg

„Das motiviert uns total, wieder anzufangen. Viele unserer Freunde wären sofort bereit, mit der Renovierung anzufangen, wir werden schon die ganze Zeit gefragt, ob wir schon Hilfe brauchen“, sagt Ema Seperovic. Doch momentan kann die Familie nur auf die Gutachten warten. Eine Schadenssumme ist noch nicht bekannt.