Im Mode-Laden von Gabi Bayer gehen die Kunden ein und aus und geben Pakete ab. Doch etwas ist komisch. © Jörg Bauerfeld
Corona-Krise

Pakete annehmen ist erlaubt, Kleidung verkaufen nicht: „Das bricht mir das Herz“

Gabi Bayer (70) führt einen Modeladen in Dortmund. Der ist zeitgleich auch ein Hermes-Paketshop. Kunden gehen deshalb ein und aus, kaufen dürfen sie aber nichts. Die 70-Jährige verzweifelt.

Das große Hermes-Banner weht im Wind an der Berghofer Straße. Platziert ist es genau vor dem kleinen Modeladen von Gabi Bayer (70). Der ist logischerweise geöffnet, denn durch eine geschlossene Ladentür lassen sich schlecht Pakete annehmen.

Ein weißer Stuhl steht im vorderen Bereich des Ladens. „Nur Hermes-Pakete“ steht auf einem Zettel, der an der Lehne befestigt ist. Ein Scanner liegt daneben. Gabi Bayer lebt seit 1986 in Berghofen. Zunächst hatten die Bayers ein Baugeschäft, dann machte die heute 70-Jährige ihr eigenes Geschäft auf.

Viele Stammkunden helfen der Berghoferin

Erst da, wo jetzt Bruno seine Eisdiele hat. Und ein paar Jahre später folgte der Umzug auf die gegenüberliegende Seite. „Das war hier mal ein Second-Hand-Laden. Als der frei wurde, bin ich hier rübergegangen“, sagt Gabi Bayer. Und der Laden läuft. „Ich habe tolle Kunden, viele Stammkunden. Hier kaufen Leute zwischen 10 und fast 100 ein.“

Manche Kunden geben die Pakete schon vor der Tür ab, manche kommen aber auch in das kleine Geschäft.
Manche Kunden geben die Pakete schon vor der Tür ab, manche kommen aber auch in das kleine Geschäft. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Eigentlich wollte sie gar nicht so lange arbeiten. Aber ihre Rente ist nicht gerade die höchste. „Also muss ich noch ein wenig dazu verdienen“, sagt die Berghoferin. Dann kam die Corona-Pandemie. Ein Desaster für Gabi Bayer. Die zugesagten Hilfsgelder sind noch nicht angekommen, das letzte Bekleidungsstück hat sie im Dezember 2020 verkauft.

Aber wie geht das, der Laden ist doch geöffnet und es herrscht Kundenbetrieb? „Ich darf nichts verkaufen, nur Pakete annehmen“, sagt Gabi Bayer, der es fast das Herz bricht, wenn sie ihren Kunden nichts verkaufen kann.

Selbst Ausnahmen sind nicht drin beim Verkauf von Textilien

So wie der alten Dame vor einer Woche. Die brauchte einen schwarzen Pullover für eine Beerdigung. „Sie hat geweint, aber ich konnte ihr nichts verkaufen“, erzählt Gabi Bayer. Aber warum nicht? Sogar bei Aldi gibt es Textilien zu kaufen. Verboten kann dies also doch nicht sein, zumal das Geschäft ohnehin geöffnet hat – oder doch?

„Bei einer Boutique liegt der Schwerpunkt des Sortiments beim Verkauf von Bekleidung. Somit dürfen nur die privilegierten Waren oder Dienstleistungen – hier: Poststelle – angeboten werden“, sagt Maximilian Löchter, Pressesprecher der Stadt Dortmund.

Es liegt an der Corona-Schutzverordnung

Die Corona-Schutzverordnung besagt: Wenn beispielsweise hauptsächlich Lebensmittel verkauft werden, darf das Geschäft auch sein übriges Sortiment, wie Textilien, im direkten Verkauf anbieten.

Heißt: Supermärkte wie Aldi dürfen auch Kleidung verkaufen, Modegeschäfte wie das von Gabi Bayer dürfen ihre Waren höchstens online oder per telefonischer Vorbestellung zur Abholung im Laden anbieten. Ein Vorort-Verkauf oder -Anprobieren ist derzeit verboten.

Gabi Bayer hofft dennoch, dass sie bald wieder ihre Mode verkaufen kann. „Und wenn wir immer nur einen Kunden in den Laden lassen dürfen. Hauptsache ich habe bald wieder die Möglichkeit, Geld zu verdienen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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Jörg Bauerfeld

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