Die Firma Dometec beispielsweise wird von einem Arzt geleitet. Hier kommen nur die besten Tests zur Anwendung. © Jörg Bauerfeld
Corona-Schnelltests

„Nicht in jeder Pommesbude testen lassen“: Arzt kritisiert Test-Management

Wer betrügerisch mit einem Corona-Schnelltest umgeht, streicht nicht nur Gewinne auf Kosten anderer ein, sondern spielt auch mit deren Gesundheit – beispielsweise mit „Billigtests“.

Erst war es nur Ärzten vorbehalten, die Corona-Schnelltests durchzuführen. Dann kamen Apotheken und andere im weitesten Sinne medizinische Einrichtungen hinzu. Inzwischen kann eigentlich jeder ein Testzentrum eröffnen, der einem Besucher das Wattestäbchen halbwegs gerade in die Nase bohren kann. Was man dazu braucht?

Lediglich vernünftige Räumlichkeiten, eine geeignete Infrastruktur, Hygienepläne und personelle Voraussetzungen. Dann beim Gesundheitsamt melden und los geht‘s. Kein Wunder also, dass nicht alles Gold ist, was glänzt und jetzt sogar einige der Testzentren unter Betrugsverdacht stehen.

Neben Testzentren organisiert Dr. Oliver Heine auch Impfzentren.
Neben Testzentren organisiert Dr. Oliver Heine auch Impfzentren. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Transparenz fehlt

Aber wie bewertet ein Arzt die Situation, der zu den ersten in Dortmund zählte, die Corona-Schnelltests in einem Testzentrum anboten, und der mit der DOMETEC GmbH (Arbeitsmedizin und Betriebssicherheit) neben vier Testzentren auch Impfzentren betreibt?

„Jeder, der eine Pommesbude oder Eisdiele hat, kann ja mittlerweile ein Testzentrum aufbauen“, sagt Dr. Oliver Heine, der mit Dr. Carsten Späth im Aplerbecker Ortskern eine Gemeinschaftspraxis betreibt. „Das Problem bei manchen Anbietern ist, dass die nicht gläsern arbeiten“, erklärt Oliver Heine. Ein Problem sei schon die ganze Sache mit irgendwelchen Apps. „Wenn wir am Tag 500 Tests machen, dann haben wir auch 500 Zettel mit 500 Unterschriften der Leute, die hier waren.“

Bisher noch überhaupt keine Kontrollen

Diese Unterlagen könnte man immer als Nachweis nutzen, dass die Menge an Test auch gemacht wurden. Das Problem bisher sei aber gewesen, dass noch niemand nachgefragt habe. Dadurch seien auch nicht vertrauenswürdige Anbieter durchgekommen. „Eine Kontrolle fehlt tatsächlich. Und das kann ein Schlupfloch für Leute sein, die nur auf den Gewinn abzielen“, sagt Oliver Heine.

Vielleicht sei das Problem auch hausgemacht, denn die Vorgabe der Politik war, dass pro Testkit sechs Euro abgerechnet werden. „Egal, wie teuer das ist. Ein gutes von Roche kostet eben auch diese sechs Euro. Aber es gibt halt auch welche zum Preis von 1,99 Euro. Dass die Müll sind, da brauchen wir uns nicht drüber zu unterhalten“, sagt Oliver Heine.

Unterlagen müssen eigentlich bis 2024 aufbewahrt werden

Neben der mangelnden Qualität der Tests sei vielerorts auch die Tatsache problematisch, dass die getesteten Personen sofort wieder gehen können, ohne das Ergebnis abwarten zu müssen. „Das gibt es dann auf einer App. Wenn ich aber positiv bin, kann ich dann schon wieder jemanden angesteckt haben.“

Aber wie soll überhaupt kontrolliert werden? Anbieter müssen die Unterlagen bis 2024 aufbewahren, um nachweisen zu können, wie viele Tests derjenige denn nun abgerechnet hat. „Leute mit betrügerischer Absicht wird man dann wohl nicht mehr antreffen“, vermutet Oliver Heine.

Dahin gehen, wo man sich gut aufgehoben fühlt

Es sei unschön, dass jetzt alle Testzentren in einen schlechten Ruf geraten. „Man kann durchaus den Zentren vertrauen, hinter denen ein medizinischer Betrieb steckt“, sagt Oliver Heine. Man müsse auch selbst dahinter stehen und eben auch selbst kontrollieren. „Das kann ich nicht machen, wenn ich 200 Teststellen in ganz Deutschland habe.“

Und was hat der Arzt aus Aplerbeck für einen Tipp? „Dahin gehen, wo man sich gut aufgehoben fühlt und Vertrauen hat. Und sich nicht in jeder Pommesbude testen lassen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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Jörg Bauerfeld

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