Der junge Brauer bei der Arbeit in einer kleinen Brauerei in Osnabrück, in die er sich für einen Tag eingemietet hat. © privat
Bier-Kultur

Neues Dortmunder Bier: „Tremonia Export“ aus der Kuckucksbrauerei

Ein neues Bier namens Tremonia? Das kann nur aus Dortmund sein. Es stammt aus einer kleinen Brauwerkstatt in Hörde, produziert wird es aber in einer Kuckucksbrauerei außerhalb.

Ein neues Bier, ganz nach eigenem Geschmack. Diesen Wunsch hat sich Daniel Lessig erfüllt, nach jahrelanger Auseinandersetzung mit den Themen Bier und Brauen. Schon immer habe beides in seinem Leben eine Rolle gespielt, sagt der 32-Jährige. Der Großvater hat bei einer der großen Brauereien in Dortmund gearbeitet, dadurch bekam er früh etwas mit von den Geheimnissen des Gerstensafts.

Das Brauen und Ausprobieren neuer Bier-Rezepte war zunächst ein Hobby. Weil aber immer mehr Freunde an Nachschub interessiert waren, wuchs das Hobby zu einer kleinen Nebentätigkeit. Im Keller richtete sich der gelernte Zweirad-Mechaniker eine kleine Brauwerkstatt ein, die mehr aussieht wie ein kleines Labor. „Dort probiere ich neue Rezepte aus und lasse sie verkosten.“ Mittlerweile verfügt er über eine eigene Rezept-Datenbank.

Seit Januar hat er nun seine eigene Firma, „Lessig’s Brauwerkstatt“. Zum Brauen im größeren Stil fehlen ihm allerdings die Möglichkeiten. Deshalb ist er als Kuckucks-Brauer unterwegs: Er braut sein Bier in fremden Brauanlagen. „Das ist ein gängiges Konzept und gibt dem Ganzen ein bestimmtes Flair.“

Tremonia-Export heißt das erste Bier aus dem Hause Lessig. Die Etiketten gestaltet Daniel Lessig selbst.
Tremonia Export heißt das erste Bier aus dem Hause Lessig. Die Etiketten gestaltet Daniel Lessig selbst. © Lessig © Lessig

Viele Craft-Biere entstünden auf diese Weise, die auch Gypsy-Brewing genannt wird. So reifte in einer kleinen Privatbrauerei am Dümmersee in der Nähe von Osnabrück der erst Lessig-Sud „Tremonia Export“. „Das ist im Verhältnis zum Pils malziger und hopfiger“, goldgelb und süffig.

„Ich wollte ein Bier machen, mit dem man sich identifizieren kann.“ Ein typisches Dortmunder Bier eben, das an die große Braukunst der Stadt anknüpft. Daher auch der Name Tremonia (lat. für Dortmund).

Rezepte aus seiner Brauwerkstatt setzt Daniel Lessig in der fremden Brauerei um.
Rezepte aus seiner Brauwerkstatt setzt Daniel Lessig in der fremden Brauerei um. © Lessig © Lessig

Die Idee ging offensichtlich auf, die ersten 200 Liter waren schneller weg, als der Brauer gedacht hat. Auch ein kräftiges Doppelbock-Bier, dunkel und malzig, ist fast ausverkauft. Eichenholzspäne simulieren die Reifung im Whiskey-Fass, 9,9 Prozent machen es gehaltvoll.

Deshalb gärt jetzt bereits der zweite Tremonia-Sud am Dümmersee. In ein paar Wochen kann Daniel Lessig das frische Bier abfüllen. Rund 500 Flaschen wird er dann per Hand etikettieren und über den Shop auf seiner Website anbieten.


Auch für die warme Jahreszeit plant der Hörder Brauer bereits ein passendes Bier. Das Summer-Ale soll obergärig, frisch und fruchtig sein.

Nicht weit von seiner Brauwerkstatt an der Waldenburgstraße 24, wo es zukünftig auch einen Hofverkauf geben soll, steht mit der Bergmann-Brauerei ein erfolgreicher Vorreiter. „Das ist für mich eine Inspiration“, sagt Lessig, als Konkurrenz sehe er sich nicht. Natürlich habe er im Hinterkopf, das Bierbrauen irgendwann einmal hauptberuflich zu betreiben. „Aber das Ganze muss organisch wachsen“, meint er. „Erst einmal mache ich das aus Leidenschaft.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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