Der alte Bauernhof: Ob Teile davon zu retten sind, könnte eine Klage klären. © Jörg Bauerfeld
„Bauwut“

Neubauklotz zerstört Ortskern: Dorfgemeinschaft kämpft und will klagen

Es passiert immer öfter. Alte, gewachsene Strukturen werden durch große Neubauten zerstört. So soll es im Dortmunder Süden wieder einmal geschehen. Doch diesmal wehren sich die Anwohner.

Die großen Sorgen begannen im März 2020. Damals wurde bekannt, dass zwei historische Gebäude im Berghofer Ortskern abgerissen werden sollen. In der alten Mitte, dort, wo noch ein paar wenige Bauernhäuser zu finden sind. Und da, wo das historische Feuerwehrgerätehaus steht, das zu einem Kulturzentrum ausgebaut wird.

Ein Aufschrei ging durch das Dorf

Was folgte, war ein Aufschrei im Dorf. Anwohner und Politiker gingen auf die Barrikaden. Mitarbeiter der Stadt Dortmund waren in der Bezirksvertretung in Aplerbeck zu Gast. Sie sollten eine Möglichkeit erläutern, wie der alte Dorfkern noch zu retten sei.

Links steht ein älteres Haus an der Kneebuschstraße 14, daneben könnte der neue Baukörper entstehen.
Links steht ein älteres Haus an der Kneebuschstraße 14, daneben könnte der neue Baukörper entstehen. © Grafik Ruhr Nachrichten © Grafik Ruhr Nachrichten

Aber auch sie machten wenig Hoffnung: Die Gebäude, ein altes Fachwerkhaus, das die Gaststätte „Zum Steigerturm“ und den Awo-Treff beherbergt, und ein benachbarter Bauernhof stehen nicht unter Denkmalschutz. Ein Abriss ist unausweichlich.

Aber was nun? „Wir werden noch einmal mit dem Architekten das Gespräch suchen, damit der geplante Neubau in das Ortsbild passt. Es muss doch möglich sein, dass Elemente von den bestehenden Gebäuden mit übernommen werden“, sagt Winfried Liebig. Er ist Vorsitzender des Vereins „Unsere Mitte Steigerturm“, der sich unter anderem für die Erhaltung bestehender Ortszentren stark macht.

Diese Häuser sollen weichen. Das gelbe im Hintergrund ist ein altes Fachwerkhaus.
Diese Häuser sollen weichen. Das gelbe im Hintergrund ist ein altes Fachwerkhaus. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Es gäbe doch sicher die Möglichkeit, einzelne Gebäudeteile, wie einen Stall oder einen Teil eines Fachwerkhauses, zu integrieren, so Liebig. Es sei zu einfach, immer einen seelenlosen Betonklotz dort hinzusetzen, wo vorher einzelne Gebäude standen.

Man will sehen, wie die Klage begründet werden kann

Die Berghofer wollen sich so einen Neubau nicht gefallen lassen. Zusammen mit Bauexperten werde man sich die Gegebenheiten noch einmal anschauen. „Wir wollen sehen, was zu machen ist, um am Ende eine Klage zu begründen“, sagt Winfried Liebig.

Die Berghofer machen also Ernst. Zumal für den geplanten Neubau schon ein positiver Bauentscheid vorliegt. „Der geplante Neubau wird den noch vorhandenen dörflichen Charakter zerstören. Der positive Vorbescheid vom 11. Dezember 2020 wird die Motivation zum weiteren Engagement für Berghofen stark beeinträchtigen“, erklärt Winfried Liebig.

Winfried Liebig ist Vorsitzender des Vereins
Winfried Liebig ist Vorsitzender des Vereins „Unsere Mitte Steigerturm“. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Ein Mehrfamilienhauses mit 14 Wohneinheiten und Tiefgarage sollen an der Kneebuschstraße 10 bis 12 errichtet werden. Die letzte Chance, das zu verhindern oder zu beeinflussen, ist jetzt die Klage. Eine Anwohnerin wird als Klägerin auftreten. Der Verein „Unsere Mitte Steigerturm“ das Ganze finanziell unterstützen.

Und es wird Zeit, denn bis spätestens zum 15. Februar 2021 muss die Klage erhoben sein – ansonsten gibt es den schmucklosen Neubau und ein weiteres gewachsenes Dorfzentrum wird verschwinden.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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