Toni und Riccardo Pace wollen mit ihrer Luftreinhaltungsanalge (in der Kiste oben links) ihren Gästen einen unbeschwerten Abend in „Tonis Gusto Italiano“ bescheren. © Susanne Riese
Tonis Gusto Italiano

Neuartiger Virenkiller soll Restaurant-Gäste vor Corona schützen

Um Innenräume möglichst virenfrei zu halten, setzen viele auf technische Anlagen. In Dortmund arbeiten Gastronome in ihrem neuen Restaurant mit einem innovativen System.

Exzessives Lüften, moderne Klimaautomatik oder leistungsfähige Luftfilter: Gegen das Coronavirus in der Raumluft ist jedes Mittel recht. Wie gut sie jeweils funktionieren, ist aber wenig untersucht.

Eine Dortmunder Firma setzt auf eine innovative Technik mit Ozon und Ionisierung. Das erstaunlich kleine Gerät der Sauerländer Quality Water (SQW) GmbH & Co. KG lässt sich in einem etwas größeren Schuhkarton unterbringen und soll ganze Räume keimfrei halten.

Uwe Kühling von der Firma SQW ist überzeugt von der Technik.
Uwe Kühling von der Firma SQW ist überzeugt von der Technik. © Susanne Riese © Susanne Riese

Ionisation und Ozonbehandlung seien grundsätzlich dazu geeignet, Keime zu beseitigen, bestätigt Dr. Frank Hünger, Direktor am Institut für Krankenhaushygiene und Klinische Mikrobiologie am Klinikum Dortmund.

Die Theorie: Die Teilchen in der Luft bekommen eine andere Ladung, heften sich an Oberflächen an und die Viren werden durch maßvollen Ozoneinsatz zerstört.

Ob das im Einzelfall die gewünschte Wirkung erreicht, sei aber nicht sicher, so Hünger.

Wie schnell und wie umfangreich arbeitet das Gerät? Viele Kriterien müssten beurteilt werden. Außerdem seien auch Aufwand und Nutzen gegeneinander abzuwiegen. Letztlich sei der Effekt nicht wirklich belegt.

Oberflächen ließen sich gut und wahrscheinlich kostengünstiger mit einem Lappen reinigen. Bei der Luftreinhaltung sei vor allem eine gute Belüftung ratsam.

Die an zwei Stellen im Lokal in Weinkisten versteckte Anlage fällt kaum auf.
Die an zwei Stellen im Lokal in Weinkisten versteckte Anlage fällt kaum auf. © Susanne Riese © Susanne Riese

Die Gastronomen Toni und Riccardo Pace setzen in ihrem neuen Restaurant Tonis Gusto Italiano am Phoenix-See die neue Technik ein. Versteckt in zwei Weinkisten arbeiten zwei Geräte der SQW geräuschlos vor sich hin. Die Gäste sollen sich durch die Maßnahme auch im Innenbereich ohne Angst vor Ansteckung aufhalten können. „Die Sicherheit unserer Gäste ist das Wichtigste“, sagt Toni Pace. „Sie sollen sich wohlfühlen.“

Die Maskenpflicht kann allerdings auch die SQW-Anlage dem italienischen Restaurant nicht ersparen. Zumal bislang keine zuverlässigen Erhebungen zur Wirkung von Ionisator und Ozon vorliegen.

System nutzt die Natur als Vorbild

Mikrobiologe Frank Hünger ist mit seinem Urteil vorsichtig. Der Entwickler des Systems hingegen kann nicht verstehen, warum es nicht viel verbreiteter ist. Es reinige Luft filterfrei mit weniger Energie als etablierte Anlagen und basiere auf natürlichen Reaktionen. Eine Nachrüstung sei ohne größeren technischen Aufwand möglich.

Die Technik arbeite wie die Natur, „in der wir alle die klare, reine Luft loben“, so beschreibt es Uwe Kühling von der Firma SQW. Durch einen nicht spür- oder riechbaren Prozess würden die Viren durch physikalisch-chemische Effekte vernichtet und Oberflächen desinfiziert.

Schulen und Seniorenheime interessierten sich mittlerweile für das System, sagt Uwe Kühling. Tonis Gusto Italiano ist das erste Restaurant in Dortmund, das mit der Technik arbeitet.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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