Am Montag (23.11.) war bei den Werkstätten Gottessegen noch alles ruhig. Ab Dezember sollen die Beschäftigten wiederkommen, wenn es nach ihrem Wunsch und dem der Verantwortlichen geht. © Carolin West
Werkstätten Gottessegen

Nach Corona-Schließung: Werkstätten Gottessegen hoffen auf den Dezember

Ein Großteil der Beschäftigten der Werkstätten Gottessegen muss seit Wochen zu Hause bleiben. Alle warten auf die erlösende Nachricht, dass es bald wieder losgehen kann.

In den Werkstätten Gottessegen ist es derzeit ungewöhnlich ruhig. Deutlich weniger Kunden-Verkehr, keine ankommenden Busse, keine Beschäftigten, die die Werkstatt-Gebäude mit Leben füllen.

Nur die Verwaltung, die Gruppenleiter und die FSJ-ler (Absolventen eines Freiwilligen Sozialen Jahres) arbeiten noch auf dem Gelände an der Kobbendelle 40. Die Beschäftigten mit Unterstützungsbedarf sowie Beschäftigte mit und ohne Unterstützungsbedarf, die Corona-positiv oder in Quarantäne sind, müssen seit dem 9. November zu Hause bleiben.

Die Werkstätten, auch die in Mengede, sind bis Ende des Monats geschlossen. Die Mitarbeiter auf dem Gelände kümmern sich um Aufträge, die nicht liegen bleiben können, oder versorgen die Daheimbleibenden mit Aufgaben. Es ist bereits das zweite Mal, dass die Behindertenwerkstätten von einem Lockdown betroffen sind.

Lockdown trifft die Werkstätten hart

„Nach dem ersten Lockdown war die Freude groß, als alle nach und nach in die Werkstätten zurückkehren konnten. Die Menschen sind gerne hier und stolz auf ihre Arbeit“, sagt Geschäftsführer Martin Körber. Theoretisch hätten die Werkstätten im derzeitigen Teil-Lockdown sogar geöffnet bleiben können.

„Aber die Schließung war nötig“, erklärt Martin Körber. „Es ist irgendwann schwieriger geworden, Infektionsketten nachzuvollziehen, was anfangs gut gelungen ist. In Absprache mit dem Gesundheitsamt haben wir uns deshalb für eine Schließung entschieden.“

Die Werkstätten Gottessegen sind auf dem ehemaligen Zechengelände in Kirchhörde entstanden.
Die Werkstätten Gottessegen sind auf dem ehemaligen Zechengelände in Kirchhörde entstanden. © Carolin West © Carolin West

In den Werkstätten hatte es im November insgesamt 13 Corona-Fälle gegeben. Und obwohl das die Schließung mehr als rechtfertige, treffe sie alle Beteiligten hart. „Die Beschäftigten möchten lieber heute als morgen wieder hierherkommen und sind deshalb auch dankbar für jede Heimarbeit.“

Zudem haben die Werkstätten Gottessegen, die als eigenständige GmbH aus dem Christopherus-Haus e.V. hervorgegangen sind, hohe Umsatzeinbußen von mehreren 100.000 Euro. „Wir finanzieren uns zu 90 Prozent über unseren Kostenträger, den Landschaftsverband Westfalen-Lippe, und die Arbeitsagentur, die die Ausbildung und die Arbeit unserer Beschäftigten bezahlen“, sagt Geschäftsführer Jens Geerdes.

Hoffnung auf den Dezember

Die übrigen zehn Prozent werden über die Umsätze der Werkstätten getragen. „Wir haben das Glück, dass der LWL und die Arbeitsagentur weiter zahlen, sonst könnten wir nicht überleben. Außerdem werden so die Löhne weiter bezahlt“, sagt Jens Geerdes.

Dennoch liege die Hoffnung aller Beteiligten auf dem Dezember. „Wir sind alle nicht zufrieden mit der Schließung und hoffen auf das „Go“ vom Gesundheitsamt, dass wir wieder öffnen dürfen“, sagt Martin Körber. Um eine Wiedereröffnung zum 1. Dezember zu ermöglichen, müsste die Entscheidung spätestens am Mittwoch (25.11.) fallen.

„Schließlich müssen wir die Wiedereingliederung der Beschäftigten und ihren Transport hierher gut organisieren und auch mit den Wohnheimen besprechen, wer wieder herkommen darf“, sagt Anke Gerwing als Pressesprecherin der Werkstätten Gottessegen.

Ganz so wie vorher werde die Organisation aber ohnehin nicht ablaufen. Es gibt zwei Stellschrauben, an denen die Verantwortlichen drehen möchten. „Wir legen unser Augenmerk auf die Beförderung der Mitarbeiter, möchten den Fahrdienst entzerren, die Durchmischung der Arbeitsbereiche und Wohnheime in den Bussen minimieren, vielleicht auch mehr Fahrzeuge einsetzen“, sagt Martin Körber.

Schnelltests sollen helfen

Zudem sollen möglicherweise die Eltern eingebunden werden, um so die Zahl der Busfahrgäste möglichst klein zu halten. Auch das Lüftungskonzept der Busse soll noch einmal verbessert werden.

„Der zweite Punkt ist unser neues Test-Konzept, auf dessen Genehmigung wir noch warten“, sagt Martin Körber. Da das Gesundheitsamt der Stadt Bochum, wo es Zweig-Werkstätten gibt, es bereits abgenickt habe, rechne er aber auch in Dortmund zeitnah mit guten Neuigkeiten.

„Wir möchten unseren Mitarbeitern alle vier Wochen Schnelltests anbieten und diese auch im Falle von einzelnen Infektionsfällen nutzen“, sagt Körber. „Ich bin mir damit eigentlich sicher, dass wir noch vor Weihnachten wieder öffnen dürfen.“

Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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