Ein Mehrfamilienhaus entsteht an der Stelle, an der einmal ein bekanntes Restaurant stand. © Jörg Bauerfeld
Neubauten in Dortmund

Mehrfamilienklotz statt historisches Gasthaus: „Bauwut“ im Dortmunder Süden

Im Dortmunder Süden wird geklotzt statt gekleckert – zumindest was die Neubauten angeht. Jede sich bietende Lücke wird zugebaut. Auch dort, wo einmal ein Sternerestaurant stand.

In Kirchhörde ist schon lange der Frust groß bei den Anwohnern. In dem südlichen Ortsteil wird jedes sich bietende Fleckchen zugebaut. Klar, bei bester Wohnlage lässt sich auch gutes Geld verdienen. Nur fragen sich die Anwohner langsam, ob es nicht zu viel wird mit den neuen Häusern.

Immer mehr Wohnungen bedeuten immer mehr Autos

Denn die fallen mitunter ganz schön mächtig aus. Und mit mehr Wohnraum steigt die Zahl der Anwohner und mit den Anwohnern die Zahl der Autos. Ein gutes Beispiel dafür wächst gerade an der Hohlen Eiche Ecke Klöcknerstraße in die Höhe.

Das Hinweisschild zur Dimberger Glocke hängt immer noch.
Das Hinweisschild zur Dimberger Glocke hängt immer noch. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Ein mächtiger Neubau an der Stelle, wo einmal das weit über Dortmunds Grenzen hinaus bekannte Restaurant „Dimberger Glocke“ stand. Mehr als 140 Jahre lang stand das historische Gebäude dort. Erst als Veranstaltungslokal, dann als Gaststätte und später als Sternerestaurant.

In dem Jahr, in dem der damalige Pächter und Koch, Urs Bischof, mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Die Glocke, die an der Fassade angebracht war, war immer das Markenzeichen des Traditionshauses, das 2017 seine Türen für immer schloss.

Langes Rätselraten, wie es weitergeht

Darüber, was mit dem Gebäude oder dem Grundstück geschehen würde rätselten Anwohner und die kommunale Politik lange vor sich hin. Noch im Sommer 2020 herrschte großes Rätselraten. Da gab es das alte Gebäude schon nicht mehr. Im März 2020 rückten Bagger an und legten das historische Gebäude, das im Übrigen nicht unter Denkmalschutz stand, in Schutt und Asche.

Eine Anfrage der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Hombruch an die Stadt Dortmund, was an Ort und Stelle entstehen solle, wurde dann auch von der Stadt beantwortet. Aber erst zur Sitzung am 8. Dezember 2020. Da stand an der Hohlen Eiche schon der Rohbau eines Mehrfamilienhauses.

Schon 2019 eine Baugenehmigung für den Neubau

Dabei kam auch heraus, dass schon im Dezember 2019 eine Baugenehmigung durch die Stadt Dortmund vorlag: für ein Wohngebäude mit 18 Wohneinheiten plus einer Tiefgarage.

„Eine Zustimmung der Bezirksvertretung war aufgrund der Regelungen im Zuständigkeitsverzeichnis der Ausschüsse des Rates der Stadt Dortmund nicht erforderlich“, so hieß es in dem offiziellen Antwortschreiben der Stadt Dortmund.

Jetzt kann man in Kirchhörde nur noch zuschauen, wie das neue Gebäude in die Höhe und in die Breite wächst. Und das Einzige, was noch an die alte Dimberger Glocke erinnert, ist ein Hinweisschild an der Hagener Straße. Wieder ein Restaurant-Standort weniger im Dortmunder Süden – und ein Wohnklotz mehr in Kirchhörde.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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Jörg Bauerfeld

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