Stumme Zeugen der Flutung: Seitdem liegen die Sandsäcke am Stortsweg. © Britta Linnhoff
Untersuchung

Mehrfache Überflutung in der Kita: „Schwerwiegende Fehler bei Entwässerung“

Jetzt scheint klar, warum die Kita Maulwurf gleich mehrere Male von Wassermassen geflutet wurde. Einfach Pech war das nicht, es wurden offenbar gravierende Fehler gemacht.

Seit Sommer 2020 liegen sie da, die Sandsäcke vor der Kita Maulwurf am Stortsweg. Sie liegen da, um Schlimmeres zum wiederholten Mal zu verhindern.

Bereits zwei Mal wurde die schöne neue Kita von Wassermassen geflutet. Das erste Mal passierte das im September 2019. Damals hatte sich das Wasser vor der Tür der Kita gestaut und war schließlich ins Gebäude eingedrungen – und das während des laufenden Kita-Betriebs.

Erneut musste sich die Kita Maulwurf gegen Wassermassen stemmen, die Zweifel an dem Kanalisationssystem vor Ort aufkommen lassen. Ein erneuter Umzug der Kita ist nicht ausgeschlossen.
Erneut musste sich die Kita Maulwurf gegen Wassermassen stemmen, die Zweifel an dem Kanalisationssystem vor Ort aufkommen lassen. Ein erneuter Umzug der Kita ist nicht ausgeschlossen. © Sonja Jacobs © Sonja Jacobs

Nun im Januar, ein halbes Jahr nach der zweiten Flutung im vergangenen Sommer 2020, ist ein Fortschritt insofern erkennbar, dass man nun weiß, warum das Unheil jedes Mal droht. Wie das passieren konnte, warum das beim Bau der Kita nicht auffiel, diese Frage allerdings bleibt derzeit offen.

Private Entwässerung ist fehlerhaft

Auf Anfrage teilt die Stadt mit: „Die Prüfung der Entwässerungssituation vor Ort hat ergeben, dass schwerwiegende Fehler in der privaten Entwässerung der Kita vorhanden sind.“

So seien Vorgaben bei der Genehmigung des Kanalanschlusses, wie ein Notüberlauf bei starken Regenereignissen und ein sachgerechter Überflutungsschutz, nicht umgesetzt worden. Aufgefallen ist das seinerzeit offenbar niemandem. Ob es Versäumnisse bei der Baukontrolle gab, ist offen.

Ein Foto aus 2020: Das Wasser staut sich vor den Sandsäcken, die als Barrieren aufgebaut worden waren.
Ein Foto aus 2020: Das Wasser staut sich vor den Sandsäcken, die als Barrieren aufgebaut worden waren. © Kita © Kita

Inzwischen aber sei der Eigentümer dabei, diese Fehler zu beheben. Dabei werde er durch die Stadtentwässerung „beraten und unterstützt“. Die Überprüfung des öffentlichen Teils des Entwässerungssystem habe dagegen keine Probleme offenbart: Die „Funktionsfähigkeit zur Ableitung des Abwassers

ist gewährleistet“.

Elternvorstand zeigt sich skeptisch

„Wir finden es überraschend, dass sich bei stärkeren Regengüssen wie von Zauberhand Wassermassen von der Straße über unsere Eingangstreppen in die Kita ergießen. Es ist aus unserer Sicht nicht kompatibel mit einer funktionierenden Straßenentwässerung“, sagt der Vorstand der Elterninitiative, auch wenn man natürlich fachfremd sei und nur begrenzt Einsicht in Pläne habe.

Zweifel an der Aussage der Stadt hat auch Rudolf Herbst, seit 2018 Eigentümer des Gebäudes: „Wieso steht dann immer ein See vor dem Gebäude und der Bürgersteig ist dermaßen überflutet, dass die Eltern und ihre Kinder den gar nicht benutzen können?“, fragt er sich.

Auch Anlieger des Stortswegs hätten ihm über Probleme mit Wasser auf den Straßen berichtet. Herbst fragt sich, warum man das Gebäude nicht einfach ein bisschen auf höherem Grund gebaut hat.

Das Wasser lief 2020 von der Straße die Stufen hinunter zum Kita-Eingang.
Das Wasser lief 2020 von der Straße die Stufen hinunter zum Kita-Eingang. © Kita © Kita

Eigentümer spricht von vielen, weiteren Problemen

Für das, was beim Bau der Kita seinerzeit im Jahr 2017 offenbar schief gelaufen ist, kann er rein gar nichts. Dass er das Gebäude überhaupt gekauft hat, ist für ihn heute eine Strafe. Er habe schon jede Menge Geld reingesteckt, sagt der Mediziner im Ruhestand.

Der Voreigentümer nehme sich nichts an und es werde wohl auf eine Klage hinauslaufen. Es gehe nicht nur um den Wasserschaden, es gebe darüber hinaus sehr viele Probleme mit dem Haus, sagt Rudolf Herbst. Er spricht von fehlenden Bodenabdichtungen in der Küche, über teilweise nicht funktionierende Fußbodenheizung in der Turnhalle bis zu einer Heizungsanlage, die ständig ausgefallen sei.

„Am liebsten würde ich wieder verkaufen“

Das alles habe er sich so nicht vorstellen können. Er resümiert: „Beim Kauf damals habe ich wohl von der Schönheit des Gebäudes und von dem bunten Leben mit den Kindern verleiten lassen.“ Am liebsten sagt er, würde er verkaufen. Nur haben wolle das Gebäude so natürlich niemand.

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Britta Linnhoff

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