Die Eiseskälte ist weg, die Kröten sind startklar – die menschlichen Helfer beim Überqueren der Straßen auch. In Kruckel wird am Samstag (20.2.) der Zaun aufgebaut. © picture-alliance / dpa/dpaweb
Hilfsaktion startet

Krötenschutz unter Corona-Bedingungen: Es geht wieder los am Zaun

Die Kröten kommen: Fleißige Helfer sorgen jedes Mal im Frühjahr dafür, dass die Tiere nicht in Massen totgefahren werden. Helfen unter Corona-Bedingungen will allerdings gut geplant sein.

Wie in jedem Frühjahr machen sich die Kröten wieder auf den Weg: Die Tiere wandern zu ihren Laichgründen, um dort ihre Eier abzulegen. Und jedes Jahr aufs Neue machen sich Menschen auf die Socken, um den Tieren dabei zu helfen. Im Klartext: Um zu vermeiden, dass sie auf den Straßen totgefahren werden.

Auch in Kruckel sind sie alle längst bereit, Kröten und Menschen. Aber es gibt in diesem Jahr noch mehr zu bedenken als nur das Wohl der Tiere. Denn schließlich sollen ja auch die Menschen die Hilfsaktion während der Corona-Pandemie schadlos überstehen.

Eine Erdkröte ist nicht besonders schnell: Sie lässt sich leicht einfangen.
Eine Erdkröte ist nicht besonders schnell. Sie lässt sich leicht einfangen. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Stephanie Wetzold-Schubert ist Vorsitzende der Agard in Dortmund, der

Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Dortmund. Am Samstag (20.2.) soll ab 10 Uhr der Zaun an der Kruckeler Straße aufgebaut werden. In normalen Zeiten hätte man einfach zum Treffpunkt kommen können.

Telefonische Anmeldung ist nötig

In diesem Jahr bittet Stephanie Wetzold-Schubert um eine telefonische Anmeldung unter Tel. (0231) 25 25 20. „Familiengruppen“ zum Beispiel könnten eine gute Möglichkeit sein, Ansteckungsgefahren, die im Freien ohnehin nicht so groß sind, weiter zu minimieren. Das übliche Picknick nach getaner Arbeit müsse allerdings in diesem Jahr entfallen, betont die Vorsitzende.

Ein Foto aus den vergangenen Jahren: Ein Junge hält eine Erdkröte in der Hand.
Ein Foto aus den vergangenen Jahren: Ein Junge hält eine Erdkröte in der Hand. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Das Aufstellen des Zauns ist die eine Sache. Die andere ist, dass die Tiere morgens und abends aus den aufgestellten Eimern am Zaun befreit werden müssen. Stephanie Wetzold-Schubert: „Wir gehen einmal morgens ab 7 Uhr los, das andere Mal abends gegen 22 Uhr.“

Warum ausgerechnet dann? Die Vorsitzende erklärt: „Die Kröten laufen den Tag über nicht, die rennen im Dunklen los. Also sammeln wir morgens die ein, die in der Nacht losgelaufen sind, am Abend dann die, die in der Dämmerung gestartet sind.“ Das Ziel: Die Tiere sollen nicht tagsüber in den Eimern sein: Sie könnten austrocknen oder Krähen zum Opfer fallen.

Manchmal ist es nicht möglich einen Zaun aufzustellen

Außerdem gilt es an manchen Stellen, an dem kein Zaun aufgestellt werden kann, die Strecke abzugehen, und die Tiere so einzusammeln. Was grundsätzlich kein Problem ist, denn schnell sind die Erdkröten – und um geht es in Kruckel – nicht besonders schnell: „Die brauchen für einen Meter so 20, 30 Sekunden“, berichtet die Agard-Vorsitzende. Da kann man problemlos zugreifen.

So sieht es dann aus, wenn die Helfer mit ihren Eimern losziehen, um die Kröten sicher über die Straße zu bringen.
So sah es in den vergangenen Jahren aus, wenn die Helfer mit ihren Eimern loszogen, um die Kröten sicher über die Straße zu bringen. Auch in diesem Jahr sollen die Dortmunder mithelfen – allerdings mit Abstand und Maske oder nur im Familienkreis. © Oliver Schaper (A) © Oliver Schaper (A)

Vor fünf Jahren haben die Krötenschützer in Kruckel mit sechs Leuten angefangen. „Heute“, so berichtet Stephanie Wetzold-Schubert, „sind wir 22“. Man habe seinerzeit Infotafeln an den Zäunen befestigt. Die Resonanz sei richtig gut gewesen. Zu tun gibt es übrigens auch noch etwas an der Kobbendelle und am Silberknapp. Dringend Helfer gesucht werden auch im Westen der Stadt: im Dorneywald.

Autofahrer, die erleichtert aufatmen, weil sie die Kröten auf den Straßen nicht erwischt haben, können übrigens nicht sicher sein, dass das Tier überlebt hat. Stephanie Wetzold-Schubert: „Die Tiere sterben schon, wenn man sie nur mit Tempo 30 überfährt, ohne sie direkt mit den Reifen zu überrollen – durch den Luftdruck.“

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