An der Abfahrt Holtbrügge staut sich der Verkehr häufig. Radfahrer müssen sich zwischen den Autos durchschlängeln. Der ADFC kritisiert, dass es hier auch keine Markierung auf dem Boden gibt. © ADFC Dortmund
Radfahren

Kritik ignoriert? Fuß- und Radweg an der B54 bleibt „lebensgefährlich“

Der Fuß- und Radweg an der B54 steht – zumindest im Süden von Dortmund – schon seit Jahren in der Kritik. Vor allem an den Ausfahrten gibt es immer wieder lebensgefährliche Unfälle.

Die Ausfahrten an der B54 überlagern sich mit dem Fuß- und Radweg an derselben Straße. Das hat schon häufiger zu brenzligen Situationen geführt, vor allem an der Ausfahrt in Richtung Rombergpark ist es schon zu Unfällen gekommen.

Der ADFC (Allgemeine Deutsche Fahrradclub) hat sich vor drei Jahren an unsere Redaktion gewandt, um auf die Situation vor Ort aufmerksam zu machen. Inzwischen wurde unter anderem das Tempo an den Ausfahrten im Bereich Hörde/Hacheney von 100 km/h auf 60 km/h reduziert. Dennoch steht die Situation vor Ort bei Fuß- und Radfahrern weiterhin in der Kritik.

Geringe Breite, aber hohe Geschwindigkeit an den Ausfahrten

Jochen Noll (57) ist schon seit Jahren mit dem Rad im Dortmunder Süden unterwegs, auch an der B54. Die Ausfahrten vor Ort sieht er kritisch. „Die Situation ist lebensgefährlich“, sagt er. Aufgrund der hohen Leitplanken, die vor rund 15 Jahren aufgestellt wurden, sei der Überweg an der Ausfahrt nicht mehr vollständig einsehbar. Die Planken würden für die Autofahrer den Radfahrer verdecken – und umgekehrt.

„Da hilft auch die Geschwindigkeitsbegrenzung an den Ausfahrten nicht“, sagt Jochen Noll. Außerdem sei ihm aufgefallen, dass die Radwege seit dem Umbau an Breite eingebüßt hätten: „Früher war der deutlich breiter“, erinnert er sich. Inzwischen würde, zumindest an den Stellen vor den Ausfahrten, die Mindestbreite nicht mehr erreicht, so Noll.

ADFC sieht weiterhin einen „riesigen Bedarf“

Der ADFC setzt sich als Verein seit Jahren unter anderem für öffentliche Belange rund um das Thema Radfahren ein. Laut dem Vorsitzenden Werner Blanke sowie Karl-Heinz Kibowski vom ADFC gibt es an der B54 einen „riesigen Bedarf, den Radverkehr entsprechend der heutigen Gegebenheiten sicher zu führen“.

Die Vereinsmitglieder bestätigen, dass der frühere Aufbau des Fuß- und Radwegs an der B54 sicherer war – und das nicht nur aufgrund seiner Breite: „Die Auf- und Abfahrten wurden vor Jahrzehnten umbeschildert. Vorher hatten Radfahrende wie Fußgänger Vorrang vor den abbiegenden motorisierten Fahrzeugen“, erklären die Vereinsmitglieder.

Diese Umbeschilderung sei dabei, so der ADFC, entgegen der Empfehlung der Polizei erfolgt: Momentan haben Fußgänger an den Ausfahrten weiterhin Vorrang, wogegen Radfahrer Vorfahrt gewähren müssen.

„Insbesondere an der westlichen Ausfahrt Rombergpark ist dies für die

Radfahrenden aber nicht sicher möglich und weiterhin lebensgefährlich“, betonen Werner Blanke und Karl-Heinz Kibowski.

Der ADFC kritisiert unter anderem die hohen Leitplanken an der B54 – wie hier an der Ausfahrt „Hacheney-West“. Sie verhindern die Sicht.
Der ADFC kritisiert unter anderem die hohen Leitplanken an der B54 – wie hier an der Ausfahrt „Hacheney-West“. Sie verhindern die Sicht. © ADFC Dortmund © ADFC Dortmund

Und auch andere Stellen der B54 sind dem ADFC negativ ins Auge gefallen. Die Ausfahrten an der B54 unterscheiden sich jedoch in ihrer Gefahrenlage, wie Blanke und Kibowski darstellen: An der Ostseite befindet sich beispielsweise ein Einrichtungsradweg. „Da die B54 mit ihren vier Fahrspuren wie eine Sperre für den Radverkehr wirkt, ist auch hier ein Zweirichtungsradweg erforderlich.“

Insbesondere an der Abfahrt Holtbrügge sei es schwierig, dem Radweg zu

folgen, denn hier staue sich oft der Verkehr und Radfahrende müssen sich

ohne vorhandene Markierung auf dem Boden „durchschlängeln“, so der ADFC. Staue es sich dagegen nicht, werde an der Stelle oft mit viel zu hoher Geschwindigkeit abgebogen – für Radfahrer höchst gefährlich.

Die Unterführung an der Zillestraße ist ebenfalls eine Engstelle.
Die Unterführung an der Zillestraße ist ebenfalls eine Engstelle. © ADFC Dortmund © ADFC Dortmund

„Es besteht weiterhin hoher Änderungsbedarf“

Auf der westlichen Seite (Anschluss Hacheney/B1) besteht dagegen ein sogenannter „Zweirichtungsrad- und Gehweg“.

„Dieser entspricht in seiner Breite an einigen Stellen nicht den früheren

Empfehlungen für solche Wege. Zudem sehen die heutigen Vorgaben

deutlich breitere Maße vor“, kritisiert der ADFC.

Vor allem die Unterführung an der Zillestraße sei durch das Brückenbauwerk und die Leitplanken stark verengt. Doch auch mangelnde Pflege der Grünstreifen sei ein Grund dafür, dass der Fuß- und Radweg an vielen Stellen seine Breite eingebüßt habe und schlicht zuwuchert.

Die Aufwellungen unter der Brücke (Hacheneyer Straße) weisen laut dem ADFC auf mangelnde Pflege beim Grünschnitt hin - und verengen zusätzlich die Fahrbahn.
Die Aufwellungen unter der Brücke (Hacheneyer Straße) weisen laut dem ADFC auf mangelnde Pflege beim Grünschnitt hin – und verengen zusätzlich die Fahrbahn. © ADFC Dortmund © ADFC Dortmund

Bisher wurden die geforderten Änderungen nicht durchgesetzt

Von den Änderungen, die der ADFC im Jahr 2018 den Behörden vorschlug, wurde bisher kein Punkt durchgesetzt, so die Informationen des Vereins. Unter den Vorschlägen waren damals unter anderem ein Zebrastreifen, Tempo 30 an den Ausfahrten, Poller oder Balken zur Eingrenzung der Fahrbahn sowie der Rückbau der hohen Leitplanken.

Auch hier verengt Grasbewuchs den Weg.
Auch hier verengt Grasbewuchs den Weg. © ADFC Dortmund © ADFC Dortmund

„Es besteht weiterhin dringender Änderungsbedarf“, betonen Werner Blanke und Karl-Heinz Kibowski. „Hierfür sollte ein Gesamtkonzept von der

Stadt in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Landesstraßenbauamt

entwickelt werden“, fordern sie. Auch Sofortmaßnahmen an den Gefahrenpunkten sollten schnell umgesetzt werden, so die Meinung des ADFC.

Der Zuständigkeitsbereich der B54 liegt bei „Straßen.NRW“. Eine Antwort auf die eingesendete Presseanfrage vom 24. Februar liegt der Redaktion bisher noch nicht vor.

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