Cemal Mugla hat den Kiosk, den seine Familie schon seit 2006 betreibt, erst Anfang des Jahres vergrößert und renoviert. Wegen der Corona-Pandemie hat er zusätzlich eine Plexiglas-Scheibe angebracht und weist an der Tür seines Ladens auf die Maskenpflicht hin. © Carolin West
Corona-Pandemie

Kiosk zu, weil Inhaber keine Maske trägt: „Ordnungsamt hat nicht zugehört, ich habe ein Attest“

Das Dortmunder Ordnungsamt erwischte Cemal Mugla beim Betreten seines Kiosks ohne Maske. Die Folge: Cemal Mugla musste seinen Laden für mehrere Tage schließen. Zu Unrecht, wie er findet.

Als Cemal Mugla (31) am Montagabend (9.11.) seinen Kiosk betreten wollte, seien Ordnungsamts-Mitarbeiter und Polizei-Beamte auf ihn zu gestürzt, erzählt der 31-Jährige. „Sie haben mich angeschrien: ‚Sofort die Maske auf‘, haben sie gesagt.“

Doch der Inhaber des Kiosks an der Harkortstraße 47 in Hombruch weigerte sich, versuchte zu erklären, warum er keine Maske trug. „Aber mir hat niemand zugehört, sie sind mich nur weiter zu siebt oder acht angegangen. Das hat mir schon Angst gemacht.“

Sein Vater habe indes völlig verängstigt hinter dem Verkaufstresen des kleinen Ladenlokals gestanden – mit Maske und Plastikhandschuhen hinter einer Plexiglas-Scheibe. „In dem Moment, in dem ich meinen Laden betreten wollte, war kein Kunde da. Und ich wollte auch nicht dort arbeiten, sondern nur Unterlagen abholen“, sagt Cemal Mugla.

Attest wegen Atemnot kam zu spät

Außerdem habe er bei seinem Hausarzt ein Attest beantragt, um sich von der Maskenpflicht befreien zu lassen. „Ich stehe hier oft mehr als zehn Stunden. Mit Maske bekomme ich ab einem gewissen Punkt Beklemmungen, Atemnot, Schweißausbrüche. Und wir haben ja extra die Plexiglas-Scheibe, Kassierer im Supermarkt müssen dahinter auch keine Maske tragen, wenn sie allein im Kassenbereich sind.“

Abgesehen davon, dass ihm bei der Kontrolle des Ordnungsamtes niemand zugehört habe, sei das Attest erst am Dienstag (10.11.) und damit einen Tag zu spät ausgestellt worden. Er habe also nichts Schriftliches vorzeigen können, so Cemal Mugla.

Stammkunde Klaus Sohl (l.) hat Cemal Mugla unterstützt, um den Kiosk möglichst schnell wiedereröffnen zu können.
Stammkunde Klaus Sohl (l.) hat Cemal Mugla unterstützt, um den Kiosk möglichst schnell wiedereröffnen zu können. © Carolin West © Carolin West

Sein Stammkunde Klaus Sohl, der die Situation zufällig beobachtet hatte, eilte dem Kiosk-Inhaber zur Hilfe. „Das sah ja aus, als hätte er irgendetwas Kriminelles gemacht, Drogen verkauft oder so.“ Doch auch er habe bei der Diskussion mit den Ordnungsamts-Mitarbeitern und den Polizei-Beamten, die diese bei der Kontrolle begleiteten, kein Glück gehabt.

Stattdessen sei er nach der Ankündigung, dass der Kiosk-Inhaber einen Anhörungsbogen und einen Bescheid zu dem Vorfall zugeschickt bekomme, mit Cemal Mugla zur nahegelegenen Hombrucher Polizeiwache gegangen.

Kiosk wird überraschend geschlossen

„Wir dachten ja, die Kontrolle wäre damit beendet“, erklärt Klaus Sohl. „Und so wie die Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit Cemal umgegangen sind, wollten wir direkt eine Anzeige wegen Nötigung stellen.“ Die Polizei-Beamten vor Ort hätten sie jedoch darauf hingewiesen, dass das erst möglich sei, wenn der Vorgang mit dem Ordnungsamt hinreichend geklärt sei.

Bei der Rückkehr der Männer folgte dann eine böse Überraschung: Der Kiosk an der Harkortstraße war geschlossen und versiegelt worden, von den Ordnungsamts-Mitarbeitern und Polizei-Beamten war nichts mehr zu sehen.

Von Montagabend (9.11.) bis Freitagnachmittag (13.11.) war der Kiosk an der Harkortstraße versiegelt.
Von Montagabend (9.11.) bis Freitagnachmittag (13.11.) war der Kiosk an der Harkortstraße versiegelt. © Privat © Privat

„Von einer Laden-Schließung war aber vorher nie die Rede“, sagt Cemal Mugla, der vor diesem Vorfall nach eigenen Angaben trotz mehrerer Kontrollen noch nie Schwierigkeiten mit dem Ordnungsamt hinsichtlich der Corona-Maßnahmen hatte.

An der Versiegelung seines Kiosks konnte er jedoch zunächst nichts ändern. Gemeinsam mit Klaus Sohl konsultierte er einen Anwalt, der die Verhältnismäßigkeit der Maßnahme angezweifelt habe, so Cemal Mugla.

Gerichtsentscheidung oder nicht?

Weil bis Donnerstag keine Stellungnahme der Stadt Dortmund oder der angekündigte Anhörungsbogen eingegangen sei, habe der Anwalt über das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eine einstweilige Verfügung erwirkt. Cemal Mugla durfte seinen Kiosk am Freitagnachmittag (13.11.) wieder öffnen.

„Der Betrieb war zur Verhinderung weiterer Ordnungswidrigkeiten geschlossen worden, nachdem festgestellt wurde, dass der Betreiber keinen Mund-Nasen-Schutz trug“, erklärt indes Stadt-Pressesprecher Maximilian Löchter auf Anfrage.

Nach Kontaktaufnahme der Betreiberfamilie mit dem Ordnungsamt und der Vereinbarung eines Beratungsgesprächs sei der Kiosk entsiegelt worden. Ein Gerichtsverfahren habe es hingegen nicht gegeben.

„Wie auch immer das am Ende entschieden wurde: Ich habe vier Tage lang nichts verdient, musste Ware abbestellen, konnte nicht die Paketannahme und -abholung bieten“, sagt Cemal Mugla. Zudem habe es Gerüchte über die Schließung gegeben – von einem Corona-Fall bis hin zu kriminellen Machenschaften. „Und das hat Cemal einfach nicht verdient“, sagt Klaus Sohl.

Er hoffe nun erst einmal in Ruhe weiterarbeiten zu können, so der Kiosk-Inhaber.

Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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