In der Klöcknerstraße im Dortmunder Süden herrschte wochenlang Funkstille: Nicht nur bei den Deitings klappten Telefon und Internet nicht mehr. © Irina Höfken
Störung

Internetausfall: Dortmunder sind wochenlang „von der Welt abgeschnitten“

Das Telefon bleibt stumm, das Internet funktioniert nicht: In der Klöcknerstraße herrschte für viele Dortmunder wochenlang Funkstille. Vor allem für eine 99-Jährige waren die Wochen hart.

Das Telefon klingelt nicht, ein Freizeichen ist nicht zu hören. Und Internet? Das funktioniert auch nicht mehr. Einen Tag warten Gisbert und Gertraud Deiting, bis sie bei der Telekom-Hotline anrufen.

„Denn Störungen kann es zwischendurch ja immer mal geben.“ Dass sie allerdings über zwei Wochen warten müssen, bis sie Telefon und Internet wieder nutzen können, damit haben sie nicht gerechnet.

35 Häuser in der Klöcknerstraße ohne Internet und Telefon

Mit wie vielen Mitarbeitern, abgesehen von den Roboterstimmen in der Warteschleife, sie innerhalb der letzten zwei Wochen deswegen gesprochen haben, weiß Gertraud Deiting schon gar nicht mehr. Es waren viele. „Alle waren freundlich, das muss man sagen“, sagt die 86-Jährige. „Aber helfen konnte uns niemand“, ergänzt ihr Mann Gisbert (90).

Nicht nur die Deitings waren von dem Ausfall betroffen, sondern alle Nachbarn mit geraden Hausnummern der Klöcknerstraße in Kirchhörde, erklärt das Paar. Insgesamt 35 Häuser waren betroffen, bestätigt Telekom-Sprecherin Karina Unruh unserer Redaktion auf Anfrage.

Bei den Nachbarn mit geraden Hausnummern funktionierten über zwei Wochen der Festnetzanschluss und das Internet nicht.
Bei den Nachbarn mit geraden Hausnummern funktionierten über zwei Wochen der Festnetzanschluss und das Internet nicht. © Irina Höfken © Irina Höfken

„Vollkommen von der Welt abgeschnitten“

„Wir waren ja noch gut dran und konnten unser Handy nutzen. Aber unsere direkten Nachbarn, um die es mir in erster Linie ging, die waren vollkommen von der Welt abgeschnitten“, sagt Gertraud Deiting. Ihre Schwägerin Ursula ist nicht mehr gut zu Fuß und auf ihr Festnetz-Telefon angewiesen.

„Das war ein ganz komisches Gefühl, niemanden erreichen zu können. Gar nicht gut“, bestätigt die 99-Jährige. Zu ihren Nachbarn hält sie über ihr Telefon Kontakt, denn „alleine komme ich nicht mehr rüber“. Zum Glück sei nicht auch noch der Fernseher ausgefallen. Sie zuckt mit den Schultern.

Ursula Deiting (99) ist auf ihr Festnetz-Telefon angewiesen. Über zwei Wochen war sie
Ursula Deiting (99) ist auf ihr Festnetz-Telefon angewiesen. Über zwei Wochen war sie „von der Welt abgeschnitten“. © Irina Höfken © Irina Höfken

Zunächst sollten sie sich eine Woche gedulden, sagt Gertraud Deiting rückblickend. Es passierte nichts. Bei einem erneuten Anruf wurden sie wieder vertröstet. Eine Rufumleitung der Festnetznummer auf das Handy überbrückte die Wartezeit. Ein kleiner Router, ein mobiler Hotspot, wurde ihnen zugeschickt.

„Wir müssen aber mit zusätzlichen Kosten rechnen, haben sie gesagt. Obwohl wir uns das Geld wohl zurückholen können. Aber da müssen wir auch wieder aktiv werden.“ Ohne die Hilfe ihrer Kinder, hätten sie das alles gar nicht hinbekommen, da sind sie sich sicher. Denn „wir sind die Generation, die nicht gut mit neuer Technik klarkommt“.

Kabel ragen aus der Erde wie ein Strauß Blumen

Wieso die Deitings und ihre Nachbarn so lange ohne Telefon und Internet auskommen mussten, erklärt Telekom-Sprecherin Karina Unruh: „Die Störung ist auf einen Kabelschaden zurückzuführen, der durch Tiefbauarbeiten in einer Nachbarstraße verursacht wurde. Bei besagten Bauarbeiten ist ein Erdkabel durchtrennt worden“, sagt sie.

Zur Instandsetzung habe die Baugrube um das Kabel herum erweitert werden müssen, damit ein neues Teilstück habe eingesetzt werden können.

Bei Bauarbeiten ist ein Erdkabel durchtrennt worden: 35 Häuser in der Klöcknerstraße mussten über zwei Wochen ohne Telefon und Internet auskommen.
Bei Bauarbeiten ist ein Erdkabel durchtrennt worden: 35 Häuser in der Klöcknerstraße mussten über zwei Wochen ohne Telefon und Internet auskommen. © Irina Höfken © Irina Höfken

Für die Deitings war das keine neue Nachricht: „Die bunten Kabel guckten aus der Erde heraus wie ein Strauß Blumen“, erinnert sich Gertraud Deiting, als sie vor der Baustelle des Neubaus an der Ecke zur Klöcknerstraße steht. Sie deutet auf das dicke, schwarze Kabel, das freigelegt aus der Erde ragt. „Dafür hätte man keinen Bagger gebraucht, sondern nur einen Spaten“, meint ihr Mann.

An dieser Stelle haben viele bunte Kabel aus der Erde geragt, erinnert sich Getraud Deiting.
An dieser Stelle haben viele bunte Kabel aus der Erde geragt, erinnert sich Gertraud Deiting. © Irina Höfken © Irina Höfken

Jetzt funktionieren Internet und Telefon wieder auf beiden Seiten in der Klöcknerstraße. Abgeschlossen ist das Thema für Gertraud und Gisbert Deiting aber noch nicht. Sie wollen sich die Kosten für den Zeitraum erstatten lassen. Beim Kundenservice können die Telekom-Kunden die Erstattung der Grundgebühr für den Zeitraum der Störung geltend machen, versichert die Telekom-Sprecherin. Die Nummer vom Kundenservice kennt das Ehepaar ja bereits.

Über die Autorin
Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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Irina Höfken

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