Wie belastet sind Kinder und Jugendliche in der Pandemie? Der Bezirksjugendpfleger für Hombruch berichtet, man habe zu vielen Jugendlichen den Kontakt verloren. © picture alliance/dpa
Bezirksjugendpfleger

In der Pandemie: „Wir haben den Kontakt zu Jugendlichen verloren“

Thorsten Schwabe ist oft Gast, wenn die Bezirksvertreter tagen. Zuletzt nicht nur als Zuhörer, er hatte etwas zu sagen – über Kinder und Jugendliche in der Pandemie. Schwabe sorgt sich.

Thorsten Schwabe scheint nicht der Typ zu sein, der schnell aus der Ruhe zu bringen ist. Aber jetzt in der Corona-Pandemie beunruhigt ihn doch etwas. Der Bezirksjugendpfleger berichtete den Bezirksvertretern: „Wir haben den Kontakt zu 30 bis 50 Prozent der Jugendlichen in dieser Zeit verloren.“ Und: „Wir wissen auch nicht so recht, wo die abgeblieben sind. Bestenfalls geht es ihnen Zuhause gut.“

Der Bezirksjugendpfleger Thorsten Schwabe berichtete in der Sitzung der Bezirksvertretung vom aktuellen Stand seiner Arbeit.
Der Bezirksjugendpfleger Thorsten Schwabe berichtete in der Sitzung der Bezirksvertretung vom aktuellen Stand seiner Arbeit. © vom Büchel © vom Büchel

Auf den Straßen und Plätzen, an denen die Jugendlichen sonst für gewöhnlich im Stadtbezirk anzutreffen seien, „da sind sie nicht“, sagt Schwabe. Was sie machen, wo sie sind? „Ich weiß es nicht“, sagt Schwabe. Dabei sind die Teams der Kinder und Jugendförderung regelmäßig unterwegs auf den Straßen. „Jede Jugendfreizeitstätte hat die Aufgabe, sich umzusehen“, berichtet Thorsten Schwabe. Aber die Jugendlichen seien nicht mehr dort, wo sie sonst waren.

Thorsten Schwabe hat die Hoffnung, dass die Jugendfreizeitstätten in „zwei, drei Wochen“ ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Der Jugendpfleger fragt sich dennoch, was dann auf ihn und seine Kollegen zukommt. Jedenfalls sei er vorbereitet darauf, dass die Psyche der Kinder und Jugendlichen gelitten hat, dass ihre schulischen Leistungen nachgelassen haben. Vielleicht gelte es auch, Traumata aufzuarbeiten.

Die Jugendfreizeitstätte in Hombruch: Sie ist zu normalen Zeiten sehr gut besucht.
Die Jugendfreizeitstätte in Hombruch: Sie ist zu normalen Zeiten sehr gut besucht. © Archiv © Archiv

Jugendfreizeitstätten auch in der Pandemie Anlaufstelle

Aber nicht zu allen haben sie den Kontakt verloren: Die beiden Jugendfreizeitstätten im Stadtbezirk – in Hombruch an der Kieferstraße und in Eichlinghofen an der Persebecker Straße – haben sich durchaus etwas einfallen lassen in der Pandemie.

„Die, die wir erreicht haben, haben wir mit Care-Paketen ausgestattet. So nennen wir die kleinen Rucksäcke, die mit Dingen zum ‚Überleben‘ während des Shutdowns beitragen sollen: Bastelideen, Dinge zum Ausmalen oder andere Kleinigkeiten“, sagt Thorsten Schwabe. Abholen können die Kinder und Jugendlichen diese „Care-Pakete“ an einem Fenster der Jugendfreizeitstätten.

Hier gebe es auch die Gelegenheit, mit Mitarbeitern der Freizeitstätte zu sprechen, sich Rat zu holen an der „Ansprech-Bar“. Das Angebot werde gut angenommen, neben Gesprächen gebe es auch mal ein Bonbons oder Hilfe für den Umgang mit dem Computer beim digitalen Lernen. Außerdem im Angebot: „Action bound“ (wie Geo Caching). Man kann einen QR-Code scannen und sich dann in der Umgebung auf den Weg machen.

„Die Leute wollen jetzt einfach raus“

Die Freizeitstätten seien auch während der Corona-Monate immer besetzt gewesen. „Wir haben zum Beispiel Tanz-Videos gedreht und die in bei Instagram hochgeladen“. Anfangs, so berichtet Schwabe, sei das Angebot auch sehr gut angenommen worden. 8000 Jugendliche hatten sich das Programm angesehen.

Inzwischen aber seien es gerade einmal 400. Der Bezirksjugendpfleger zieht daraus den Schluss, dass die Kinder und Jugendlichen es einfach leid seien. „Es ist in der Hinsicht einfach alles abgegrast“, sagt er, „die Leute wollen einfach jetzt raus.“

Die Jugendfreizeitstätte in Eichlinghofen werde in normalen Zeiten, ohne Corona, durchschnittlich täglich von 40 Kindern und Jugendlichen besucht. Das ganze laufe hier sehr familiär ab. Die Hombrucher Jugendfreizeitstätte sei sehr stark frequentiert, hier seien täglich zwischen 60 und 100 Kinder und Jugendlichen im Normalfall.

Thorsten Schwabe war auf Initiative der Fraktion von Bündnis90/Die Grünen gekommen, um zu berichten. Anlass war, dass des nach der letzten Kommunalwahl viele neue Mitglieder in der Bezirksvertretung gibt. Schwabe sollte sich und seine Arbeit vorstellen. Er selbst ist eigentlich immer als Gast dabei. Dann zwar ohne Rederecht, aber mit der Möglichkeit, viel Neues aus dem Stadtbezirk zu erfahren.

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Britta Linnhoff

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