Der Bussard an Walter Honerts Futterstelle in Hörde wurde von dem Hobby-Fotografen auf ein Lichtbild gebannt. © Walter Honert
Winterbilder

Hobby-Fotografen gelingen mithilfe von Tricks besondere Bussard-Fotos

Seit einem Viertel Jahrhundert bekommt Walter Honert im Winter Besuch von Bussarden. Er legt ihnen Leckerbissen bereit, dafür belohnen sie ihn mit einzigartigen Fotomotiven.

Seit mehr als 20 Jahren hält Walter Honert (80) Kontakt zu Bussarden. Von Mitte November bis in den Februar hinein sorgt der Hörder für die Greifvögel. „Alle zwei bis drei Tage – je nach Wetterlage – füttere ich sie mit Hähnchenschenkeln, damit die Tiere gut über den Winter kommen“, sagt er.

Dann nutzt er die Gelegenheit, die stattlichen Tiere aus der Nähe zu fotografieren. „Das ist immer wieder ein Erlebnis.“

Die Vögel begleiten den ehemaligen Maschinenschlosser nun schon seit Jahrzehnten durch den Winter – und er sie. „Vor etwa 25 Jahren sah ich mehrere Bussarde über meinem Garten kreisen. Es waren circa zehn Grad minus. Zwei der Tiere landeten auf den Zweigen einer 20 Meter hohen Tanne auf dem Nachbargrundstück“, erinnert sich Honert.

Walter Honert fängt die Natur mit seinem 500-Millimeter-Objektiv ein.
Walter Honert fängt die Natur mit seinem 500-Millimeter-Objektiv ein. © Archiv © Archiv

Fotostand für Bussard-Fotos gebaut

Aus Holzpfosten und Decken baute er sich schnell einen Fotostand, in dem er samt seinem schweren Stativ und der F5 Nikon mit 500-Millimeter-Objektiv Platz fand. Er breitete eine große Holzwurzel mit dickem Stamm aus dem Schwarzwald mit einer Klemmvorrichtung so vor, dass er Hähnchenschenkel („und nur die“) darauf befestigen konnte.

„In einem Bundeswehrschlafsack, Kamera auf dem Stativ, wartete ich nun auf die Dinge, die da kommen sollten. Nach einer langen, unendlichen Zeit waren meine ,Freunde‘ erschienen.“ Die Befestigung für die Futtergabe sorgt dafür, dass die Vögel lange genug verweilen für eindrucksvolle Fotos. „Sonst würden sie sich das Fleisch krallen und wären sofort weg.“

Der Bussard nimmt Haltung an, als wüsste er, dass er fotografiert wird.
Der Bussard nimmt Haltung an, als wüsste er, dass er fotografiert wird. © Walter Honert © Walter Honert
Diese eindrucksvollen Tierfotos schickte der Fotograf für unsere Aktion „Winterbilder
Diese eindrucksvollen Tierfotos schickte der Fotograf für unsere Aktion „Winterbilder” ein. © Walter Honert © Walter Honert

Technisch hielt er diesen Moment wie folgt fest: „Die Kamera hatte ich auf die größte Blende 4 und somit auf die schnellste Zeit eingestellt. Die Belichtung wurde immer über eine sogenannte Graukarte ermittelt. Immer den Lichtpunkt in den Augen der Tiere im Blick, löste ich die Kamera aus. Die Scharfstellung erfolgte von Hand.“ Ohne den Lichtpunkt im Auge sei ein Tierfoto nichts wert, sagt Honert.

Vögel sind an Kamera gewöhnt

Wenn die Vögel fort waren, ersetzte der Fotograf das Objektiv stets durch eine Flasche. „So gewöhnten sich die Bussarde an den Anblick.“ Seine Hand tarnte er mit einem schwarzen Seidenhandschuh und machte sie damit für die Bussarde so gut wie unsichtbar.

Später nähte er sich ein transportables Tarnzelt, das er etwa acht Meter von der Futterstelle entfernt aufbaute. „Dort konnte ich mir die Hände an einer Kerze wärmen.“

In diesem Tarnzelt wartet der Fotograf auf seine Motive, oft stundenlang.
In diesem Tarnzelt wartet der Fotograf auf seine Motive, oft stundenlang. © Archiv © Archiv

Näher als zehn bis 15 Meter könne er den Bussarden auch nach all den Jahren nicht kommen. „Das sind unglaublich scheue Tiere“, sagt er. Für die Aufnahmen brauchte es daher Einfallsreichtum und vor allem viel Geduld. „Das große Geheimnis bei der Tier-Fotografie: Sie müssen eher da sein, als die Tiere.“

Hätten die Raubvögel gewusst, dass in dem Zelt jemand hockt, wären sie womöglich verschwunden. Um ihnen unbemerkt auflauern zu könnten, trickste Honert sie daher aus: „Die Tiere sind schlau, aber sie können nicht zählen“, sagt er.

So sei er mit seiner Frau in das Zelt hineingegangen, aber nur sie habe es wieder verlassen. Er selbst wartete geduldig auf den Auftritt der majestätischen Besucher und kroch erst dann heraus, wenn seine Frau am Küchenfenster grünes Licht gab. Waren die Bussarde noch in der Nähe, zeigte sie dort ein rotes Tuch.

Erinnerungen an kalte, aber einzigartige Momente

„Es sind unvergessliche, aber auch sehr kalte Stunden, die ich erlebt habe“, sagt Walter Honert, der heute mit Vorliebe im Nahbereich an seinem Gartenteich fotografiert: „Da erlebe ich so viel Spannendes“, sagt er und erzählt von schlüpfenden Libellen und anderen Schauspielen. Neben der Tanne der Nachbarn ist die alte Schwarzwaldwurzel längst durch einen Holunderstamm aus den Ruhrwiesen ersetzt.

Die Bussarde aber kommen noch immer. Ab November machen sie vor dem Küchenfenster der Honerts auf sich aufmerksam. Und dann gibt es wieder Hähnchen, damit sie gut gestärkt durch den Winter kommen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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