Michael Münzberg in seinem Geschäft im Dortmunder Süden. Der Lockdown macht dem Goldschmied zu schaffen. © Jörg Bauerfeld
Ortszentren in Gefahr?

Goldschmied fühlt sich im Stich gelassen: „Die Situation ist katastrophal“

Seit 40 Jahren gibt es das Schmuckgeschäft im Dortmunder Süden. Beste Lage, zahlreiche Stammkunden. Seit zehn Jahren wird es von Goldschmied Michael Münzberg geführt – der verzweifelt langsam.

Die Tür ist abgeschlossen, nur in der kleinen Werkstatt hinter dem Verkaufsraum brennt Licht. Menschen schauen in die Schaufenster, einige versuchen den Laden zu betreten – wundern sich über die verschlossene Tür. „Es haben noch nicht alle mitbekommen, dass wir geschlossen haben“, sagt Michael Münzberg (59).

Der Goldschmiedemeister hätte theoretisch sogar die Möglichkeit zu öffnen. Zumindest seine Werkstatt. Aber das lohne sich nicht, so der 59-Jährige. Zudem befürchtet er Stress mit dem Ordnungsamt. „Die sehen dann nur Menschen im Laden und dann geht die Rechtfertigung los“, sagt Michael Münzberg. Also lässt er die Tür lieber zu.

Das Weihnachtsgeschäft fand in diesem Jahr nicht statt

Seit dem 16. Dezember ist das jetzt so. Mal wieder. Besonders tragisch aber diesmal: Der gesamte Weihnachtseinkauf fand nicht statt. „Wir machen eigentlich das ganze Jahr über ganz guten Umsatz“, sagt Michael Münzberg. „Aber das Weihnachtsgeschäft bringt den eigentlichen Gewinn. Dieses Jahr ist es komplett weggebrochen. Es ist eigentlich das Geld, das wir am Ende auf die hohe Kante legen können.“

Auch der Verkauf und die Anfertigung von Eheringen fielen im Corona-Jahr ins Wasser. „Die Menschen haben alle ihre Feiern und Trauungen verschoben. Ich hätte das doch auch gemacht“, sagt der Goldschmied.

In diesem Jahr fiel das alles weg. Schlimmer noch, es geht an die finanzielle Substanz. „Ich habe von meiner Steuerberaterin Bescheid bekommen, dass ich die Corona-Hilfen aus dem letzten Jahr vermutlich zurückzahlen muss“, so der Goldschmied.

Er habe in dem Berechnungszeitraum für die Hilfe keine Miesen gemacht. Schriftlich hat er das noch nicht. Aber wenn doch? „Die Situation beim Einzelhandel ist eine Katastrophe“, sagt Michael Münzberg. Der fühlt sich vom Staat alleingelassen.

Kaum Unterstützung vom Staat

Dass der Lockdown sein musste, das sei für ihn keine Frage gewesen. Nur, dass der Mittelstand in Deutschland nach seiner Meinung nach kaum Unterstützung vom Staat erhält, das kann er nicht begreifen. „Wir sind eben nicht die Lufthansa“, sagt Michael Münzberg.

Über 40 Berufsjahre hat er auf dem Buckel. „Eigentlich wollte ich mit 65 Jahren zur Ruhe setzen“, so der 59-Jährige. Jetzt kann es sein, dass Corona und der entsprechende Lockdown sein Erspartes fressen. Dabei ist Münzberg keiner, der den Kopf in den Sand steckt. „Das ist mein Lebenswerk, das gebe ich nicht so schnell auf.“

Die Befürchtung ist, dass es nicht alle schaffen werden

Er hofft, dass er sein Geschäft an der Köln-Berliner-Straße im Februar wieder öffnen kann. Und er befürchtet, dass einige Läden im Aplerbecker Ortskern verschwinden werden. „Ich hoffe, dass alle den zweiten Lockdown durchstehen“, sagt Michael Münzberg. So richtig dran glauben tut er aber nicht.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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