Attila Karpati bereitet derzeit nur Gerichte für seinen Abhol-Service zu. © (A) Oliver Schaper
Gastronomie in der Corona-Krise

Gastronom glaubt nicht ans Weihnachtsgeschäft: „Aber ist in Ordnung so“

Attila Karpati glaubt nicht, dass sich die Regeln für Restaurants im Dezember ändern – der Tod für das Weihnachtsgeschäft. Dennoch zeigt der Gastronom großes Verständnis für die Regierung.

Die Gastronomie ist in der Krise. Restaurants und Cafés dürfen zwar einen Liefer- und Abholservice anbieten, doch die coronabedingten Verluste fängt das in den wenigsten Fällen auf. Teils müssen die Betriebe ihre Küchen sogar für immer schließen.

Im Hotel und Restaurant Lennhof in Menglinghausen versuchen die Betreiber Attila und Sandra Karpati indes, ihren Optimismus zu bewahren. „Wir haben das Glück, dass wir das zusammen machen und uns gegenseitig aufbauen, dass wir unsere Familie haben“, sagt Attila Karpati. „Alleine hätte ich an vielen Stellen nicht weiter gewusst.“

Aufgeben sei jedoch keine Option. Für seine Mitarbeiter, die Auszubildenden und die Gäste macht das Ehepaar weiter. „Aber natürlich auch für uns, wir würden sonst durchdrehen, wenn wir nicht beschäftigt wären und nur Zuhause sitzen würden“, sagt Attila Karpati.

Abholservice gibt es nur am Wochenende

Der „Take Away-Service“, den er derzeit anbietet, war von langer Hand geplant. Bereits vor Verkündigung des zweiten Lockdowns hatte sich der Lennhof auf den Abholservice eingestellt, eine separate Speisekarte dafür erarbeitet.

Der Grund: Die Karpatis rechneten damit, dass viele Menschen sich gerade in der kalten Jahreszeit wegen der Pandemie nicht ins Restaurant wagen. Mit ihren Angeboten hätten sie sowohl den Gästen vor Ort als auch denen, gerecht werden können, die nicht auf die Speisen verzichten, aber lieber zu Hause essen möchten.

Normalerweise erwartet das Restaurant Lennhof seine Gäste stilvoll dekoriert, derzeit dürfen sie ihr Essen nur mit nach Hause nehmen.
Normalerweise erwartet das Restaurant Lennhof seine Gäste stilvoll dekoriert, derzeit dürfen sie ihr Essen nur mit nach Hause nehmen. © (A) Oliver Schaper © (A) Oliver Schaper

„So spielte es uns natürlich in die Karten, dass wir schon auf dieses Angebot vorbereitet waren, den andere noch spontan organisieren mussten, als klar war, dass es einen zweiten Lockdown gibt“, erklärt Attila Karpati.

Anfang November sei das Restaurant-Team mit voller Kraft gestartet, habe den Abholservice sieben Tage die Woche angeboten. „Aber es hat sich schnell herauskristallisiert, dass wir unsere Kräfte auf das Wochenende fokussieren sollten.“

Der Dezember rettet das Jahr nicht

Bestellungen nimmt das Team deshalb derzeit mindestens einen halben Tag im Voraus nur für Freitag (Abholung 17-20 Uhr), Samstag (Abholung 11-14 und 17-20 Uhr) und Sonntag (Abholung 11-14 Uhr) entgegen. Der Lennhof ist unter Tel. (0231) 75 81 90 und per E-Mail an info@der-lennhof.de erreichbar.

„Das wird wirklich sehr gut angenommen, auch wenn es natürlich nicht den gesamten Betrieb auffangen kann“, sagt Attila Karpati. „Dass wir nicht überrannt werden war uns aber klar, weil wir im Vergleich zu Imbissbuden deutlich höherpreisig sind. Wir wollten uns aber auch nicht verbiegen und plötzlich etwas völlig anderes anbieten, nur um günstiger zu sein.“

2013 haben Sandra und Attila Karpati das Hotel und Restaurant Lennhof in Menglinghausen übernommen.
2013 haben Sandra und Attila Karpati das Hotel und Restaurant Lennhof in Menglinghausen übernommen. © (A) Oliver Schaper © (A) Oliver Schaper

Das wäre dann auch den Gästen nicht gerecht geworden, die sich auf das Lennhof-Essen freuen. Das müssen sie, so scheint es, aber vorerst weiterhin in den eigenen vier Wänden genießen.

„Wir schauen jeden Tag auf die Zahlen, ich kann mir nicht vorstellen, dass wir im Dezember öffnen dürfen“, sagt Attila Karpati. „Und selbst wenn: Das rettet das Geschäft nicht.“ Er rechne mit einer Schließung der Restaurants bis mindestens Mitte Dezember. „Dass über die Feiertage dann alle herkommen, glaube ich nicht – die Angst vor der Ansteckung mit dem Virus bleibt ja.“

Gastronomie nicht Schuld an Corona-Ausbreitung

Dabei sei er froh, dass nun klar sei, dass nicht die Gastronomie Schuld an den steigenden Corona-Infektionszahlen war. „Aber es war ja wichtig, das herauszufinden. Irgendwo muss man ansetzen. Und wenn es unser Beitrag ist, eine Weile die Füße stillzuhalten, ist das in Ordnung so.“

Er wolle nicht in der Haut der Politiker stecken, die derzeit viele drastische Entscheidungen treffen müssen, die nicht unbedingt auf Gegenliebe in der Bevölkerung stoßen. „Dabei geht es darum, dass so viele wie möglich gesund bleiben oder es wieder werden. Das Leben soll geschützt werden.“

Und dafür habe er vollstes Verständnis. Dennoch würde er sich im Anschluss an den zweiten Lockdown einen Fahrplan für Gastronomen und andere Selbstständige wünschen. Etwas, woran man sich orientieren könne. Zudem sollte es die Sicherheit geben, dass es weiterhin eine finanzielle Unterstützung gibt, um die Betriebe am Leben zu halten.

„Das, was viele in den letzten Monaten mürbe gemacht hat, ist das Auf und Ab“, sagt Attila Karpati. „Trotzdem: Es könnte uns deutlich schlechter gehen und sich einkesseln bringt jetzt auch nichts.“

Über die Autorin
Redakteurin für Schwerte und den Dortmunder Süden
Redakteurin, davor Studium der angewandten Sprachwissenschaften in Dortmund und Bochum. Sportbegeistert und vor allem tänzerisch unterwegs.
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Carolin West

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