16 Tage lang war der Fernseher stumm, kein Empfang. Für ältere Menschen in der Corona-Pandemie ein echtes Problem. © Jörg Bauerfeld
Lieferengpass

„Ganz furchtbar“: 16 Tage ohne Fernsehempfang lassen Vonovia-Mieter verzweifeln

Während der Corona-Pandemie ist das Fernsehen für viele ältere Menschen zum Tor nach draußen geworden. Wenn das plötzlich verschlossen ist, ist die Verzweiflung groß – aber wer hat Schuld?

Das hätte sich Erika Kunzenbacher (85) auch nicht träumen lassen, dass einmal so ein Satz über ihre Lippen kommt. „Als das Fernsehen plötzlich nicht mehr funktionierte, ging es mir plötzlich sehr schlecht.“ Die 85-jährige Schürenerin ist stark eingeschränkt. Das Sehen funktioniert nicht mehr so, das Gehen auch nicht.

„Im Kopf bin ich zum Glück noch fit“, sagt die Seniorin. In den 60er-Jahren ist sie nach Schüren gezogen. Da wurde die Siedlung um den Gedingeweg gebaut. Viele der Bewohner aus den ersten Jahren leben immer noch dort. Sie sind mit den Häusern alt geworden. „Der Vonovia gehört das alles“, sagt Erika Kunzenbacher. Sie sei sehr zufrieden mit der Wohnungsgesellschaft – eigentlich. Wenn da nicht Ende August etwas passiert wäre.

Im gesamten Block war das Fernsehen stumm

Plötzlich war das Fernsehen stumm. Im gesamten Häuserblock. „Ich hatte immer einen großen Bekanntenkreis“, sagt Erika Kunzenbacher. „Seit Corona hab ich den nicht mehr.“ Die 85-Jährige geht kaum noch vor die Tür, ihre einzige „Verbindung“ zur Außenwelt ist der Fernseher. „Ich habe mich sofort bei der Vonovia gemeldet.“

Sie wurde erst vertröstet, dann gab es technische Tipps – für die Seniorin böhmische Dörfer. Nur der Fernseher blieb stumm. „Ganz furchtbar. Ich hocke den ganzen Tag in der Wohnung. Ohne Fernsehen konnte ich nicht mehr gut leben“, sagt Erika Kunzenbacher.

Lieferengpass aufgrund der Corona-Pandemie

Wie Erika Kunzenbacher geht es auch den Ehlers. Sie wohnen im selben Haus. Auch hier ist das Fernsehen zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Auch hier ging plötzlich nichts mehr. Aus gesundheitlichen Gründen kommen die beiden kaum noch aus der Wohnung. Der Fernseher ist ihr Tor zur Außenwelt – auch das war plötzlich zu. „Wir haben keine Auskunft bekommen, wie lange es dauert und was überhaupt los sei“, erzählen die Ehlers.

Man habe ja schließlich einen Vertrag mit der Vonovia und nicht mit der Telekom. „Wir hätten uns einfach mehr Information gewünscht.“ Dass es am Ende an einem Lieferengpass aufgrund der Corona-Pandemie liegt, hätte auch niemand gedacht.

Wer nicht an seine Wohnung gefesselt ist und über einen Freundeskreis verfügt, der kann die Nöte der älteren Menschen nicht nachvollziehen. Die Vonovia hatte indes keine Schuld an dem „Fernsehproblem“, denn der Grund lag ganz einfach an den Corona-bedingten Lieferengpässen. Der Telekom fehlte ein Ersatzteil.

„Wir wussten doch gar nicht, wie lange das alles dauern wird, darüber hat niemand etwas sagen können. Weder die Vonovia noch die Telekom. Die Vonovia verschickte ein Schreiben, in dem sie auf eine neue Kabelanschluss-Mieterhotline und einen Online-Mietershop bei der Telekom hinwies.

Auf eigene Kosten einen Receiver angeschafft

Doch, was sollen die älteren Bewohner damit? „Die Hotline war immer besetzt, Internet haben wir doch nicht.“ Weder die Ehlers, noch Erika Kunzenbacher. Deren Sohn installierte bei seiner Mutter nach einigen Tagen „totem Fernsehen“ einen Dvbt-Receiver. Alles auf eigene Kosten.

Jetzt funktioniert das Fernsehen in Schüren wieder. 16 Tage nachdem die Störung auftrat. Für viele Menschen sicher kein großes Problem, eine bestimmte Zeit einmal ohne das Fernsehen auszukommen. Höchstens ärgerlich, da die Kosten weiterlaufen. Für Senioren kann das Problem schon ein größeres werden. Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Hier nimmt das Fernsehen plötzlich einen ganz anderen Stellenwert ein.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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