Dr.med. Salma Lehmann (links) und eine Mitarbeiterin in der Praxis in der Rosenstraße. © Jörg Bauerfeld
Gesundheit in Dortmund

Existenzielle Sorgen: Ärztin wartet verzweifelt auf über 10.000 Euro

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat die junge Ärztin längst bereut. Die überlebenswichtige Abrechnung durch die Kassenärztliche Vereinigung kommt nicht. Wer zahlt die Angestellten?

Es ist ja schon so eine Sache mit Hausarztpraxen außerhalb der Innenstädte. Viele junge Mediziner scheuen den Schritt, sich in den etwas ländlicheren Gebieten niederzulassen. Ein gutes Beispiel sind hier Sölderholz und Lichtendorf.

Hier sucht man seit Jahren händeringend nach einem Hausarzt. Aber bisher noch ohne Erfolg. Ein Grund dafür könnten Probleme mit der Kassenärztlichen Vereinigung sein. Das vermutet zumindest Dr.med. Salma Lehmann. Sie hat im April 2020 den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt und an der Rosenstraße zusammen mit Ina Janzen eine Praxis übernommen.

Abrechnung immer mit der Kassenärztlichen Vereinigung

„Bei der Zusammenarbeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL) ist das ja so, dass man drei Monate die Patienten behandelt, dann der KV eine Abrechnung schickt und im Gegenzug das Geld überwiesen bekommt“, sagt Dr.med. Salma Lehmann.

Die erste Zahlung der Monate April, Mai, Juni hätte Ende Oktober auf dem Konto der Ärztin eintreffen sollen – doch da war nichts zu sehen. Die einzigen Einnahmen bis dahin waren eine monatliche Abschlagszahlung durch die KV, wodurch beispielsweise die Miete gedeckt ist.

Keine weiteren Einnahmen in der Praxis

„Einnahmen ansonsten gibt es ja nicht“, so die Ärztin. Ohne Vorwarnung sei dann eine Mitteilung der KV gekommen, dass die Praxis noch gut 1.800 Euro überweisen müsste.

Vom erarbeiteten Geld – es dreht sich da immerhin um über 10.000 Euro – war nichts zu sehen. „Ich habe sofort bei der KV angerufen und versucht die Sache aufzuklären“, so Salma Lehmann.

Sie hat aber nicht damit gerechnet, frontal gegen eine Wand aus Bürokratie zu rennen, wie sie sagt. Es gab den Tipp, Widerspruch einzulegen – der Haken an der Sache war aber, dass eine Antwort kam, die die Ärztin fast zur Verzweiflung trieb. Der Widerspruch sei juristisch unzulässig. Das kam per Post.

Mittlerweile existenzielle Sorgen

„Man redet nicht mit uns. Wir sind Berufsanfänger, stehen auf dem Trockenen und das mitten in der Coronazeit. Das kann man doch nicht machen“, sagt Dr.med. Salma Lehmann.

„Das ist mittlerweile existenziell. Wir haben bislang ja nur von den Krediten gelebt“, sagt die Sölder-Ärztin. Es sei schwierig gewesen, in Sölde einen Nachfolger für die Praxis zu finden. „Jetzt wissen wir auch, warum“, so Salma Lehmann.

Kassenärztliche Vereinigung will offene Fragen klären

Und was sagt die Kassenärztliche Vereinigung dazu? „Die KVWL bietet für neu niedergelassene Ärzte ein Patenschaftsprogramm an. Der Vertragsarzt oder die Vertragsärztin erhält auf Wunsch einen persönlichen „Paten“, der ihm in den ersten zwei Jahren seiner Niederlassung bei allen Fragen rund um die vertragsärztliche Tätigkeit beratend zur Seite steht“, so die Auskunft der Pressestelle.

Aus Datenschutzgründen dürfe man sich im Detail zu Einzelfällen nicht äußern. Man könne jedoch versichern, dass sich die KVWL mit Frau Dr. Lehmann in einem intensiven Austausch befände, um offene Fragen, insbesondere in Bezug auf Abrechnung und Honorar, zu klären, heißt es weiter.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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