Dieser im Bau befindliche Gebäudekomplex wird den klangvollen Namen „Port Royal“ bekommen. © Jörg Bauerfeld

Ein Stadtbezirk verkauft seine Seele: Penthouse statt Stahlwerkssiedlung

Größer, höher, schöner – und teurer: Eine Straße am Phoenix-See zeigt deutlich den Wandel im Stadtbezirk Hörde von der Arbeitersiedlung zum In-Viertel. Ist das Segen oder Fluch?

Früher, so sagt man in Hörde, früher konnte man die Wäsche draußen nicht auf der Leine lassen. Sie sei sofort wieder schwarz gewesen. Daran war das Stahlwerk schuld. Ein Arbeitgeber für zigtausend Menschen, die dort ihren Lebensunterhalt verdienten.

Stahlwerk wurde 2001 stillgelegt

2001 wurde das Werk stillgelegt. Ab dem Zeitpunkt konnte man auch bedenkenlos seine Wäsche nach draußen hängen. Dreck gab es kaum noch. Lediglich der Abriss des alten Werkes machte noch welchen – dann kam der Phoenix-See und mit ihm die „neuen“ Hörder.

Eine weitere Baustelle an der Weingartenstraße.
Eine weitere Baustelle an der Weingartenstraße. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Der Umbau der Faßstraße ist derzeit das Leuchtturmprojekt in Hörde. Hier ändert sich nicht nur die Straßenführung, sondern auch das Umfeld.

Denn neben der Bebauung rund um den See wuchs das Interesse auch an den Straßen in der zweiten Reihe. Die Weingartenstraße, nicht so beachtet wie die Faßstraße, ist so eine. Hier waren früher die Arbeiter zuhause, die auf Hoesch malochten. Hier ging es schon einmal ruppiger zu. Die Häuser waren schon alt, als das Stahlwerk noch brummte.

Dann, mit dem See, kamen die Spekulanten. Ein Großteil der Weingartenstraße hat heute schon sein Gesicht verändert. Wo früher kleine Arbeiterhäuser standen, wird heute Wert auf moderne Ästhetik gelegt.

Auch das ist noch die Weingartenstraße: Fragt sich nur, wie lange noch.
Auch das ist noch die Weingartenstraße: Fragt sich nur, wie lange noch. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Die meisten alten Häuser müssen weichen. Gut, bei einigen war es nötig. Aber einige mit hübscher Jugendstilfassade sind ebenfalls schon verschwunden. Nur eine Handvoll ist renoviert worden. Im westlichen Bereich der Weingartenstraße, an der Einmündung zur Märkischen Straße, wird gerade der Wandel besonders deutlich.

Immer mehr neue Bauprojekte in der „zweiten Reihe“

Zwei neue Bauprojekte auf gut 100 Metern zeigen den Wandel – und wohin er geht. So ist beispielsweise der „Port Royal“ im Bau, der „Königliche Hafen“. Mit Schiffen hat das neue Gebäude aber nichts zu tun.

Dieses Haus steht leer. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann hier der Abrissbagger kommt.
Dieses Haus steht leer. Es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, wann hier der Abrissbagger kommt. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Es wird aber nach der Fertigstellung 12 Wohnungen und eine Gewerbeeinheit beherbergen. Der Bauherr beschreibt die Lage so: Eine ehemalige „Arbeitersiedlung“ ist durch die Neugestaltung der gesamten Umgebung um den Phoenix-See zu einem Anziehungspunkt in Dortmund geworden.

Nur wenige Meter weiter in Richtung Weingartenschule gibt es das nächste Bauprojekt. Ein paar Schritte weiter, auf der nördlichen Straßenseite, verfällt gerade das Haus mit der Nummer 47. Es steht leer, einige Fensterscheiben sind schon zerbrochen. Die Jugendstilfassade bröckelt.

Auch ein Gesicht der Weingartenstraße: Das Alte verfällt.
Auch ein Gesicht der Weingartenstraße: Das Alte verfällt. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Auch hier wird gebaut werden. Wann der Bagger anrückt, ist sicher nur eine Frage der Zeit. Mit den Neubürgern und schönen Häusern kommen auch die „Trittbrettfahrer“. Die, die mit ihren lauten Autos in Phoenix-See-Nähe herum posen und die, die am Wasser Party machen wollen. Ärger genug gibt es schon.

Es werden immer mehr Menschen auf kleinem Raum, mehr Autos. Nicht immer ist alles gut, was neu ist. Man wird das Gefühl nicht los, dass hier die Seele der ehemaligen Arbeiterstadt verkauft wird.

Ablösen von Parkraum mit finanziellen Mitteln

„Es ist ja alles im Privatbesitz und so lange man sich an den gültigen Bebauungsplan hält, kann man dort bauen, was man will“, sagt Hördes Bezirksbürgermeister Michael Depenbrock. Also hat die Politik keine Möglichkeit der Einflussnahme? Am Baukörper eher nicht, aber am Parkraum.

„Wir haben beschlossen, dass es das Ablösen von Parkplätzen gegen eine bestimmte Summe im Bereich des Phoenix-Sees nicht mehr gibt. Wenn so etwas geschehen sollte, müssen wir als Bezirksvertretung vorher informiert werden.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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