Die Architektin Susanne Schamp und Architekt Richard Schmalöer haben Spaß an der Siedlung Bergpate, die sie entworfen haben. © Susanne Riese
Energie-Plus-Siedlung

Dortmunder Vorzeige-Siedlung erzeugt mehr Energie, als sie verbraucht

Wer Siedlung hört, denkt häufig an gleichförmige Häuserreihen. Die Siedlung Bergparte in Dortmund zeigt, dass es auch anders geht. Das Quartier ist in jeder Hinsicht etwas Besonderes.

Die Siedlung Bergparte liegt wie eine muschelförmige Insel mitten im Dortmunder Südosten, umgeben von Grünflächen, älterer Wohnbebauung und gleichförmigen Reihenhäusern im Stil der 60er-Jahre.

In dem Neubaugebiet zwischen Gevelsbergstraße und Sportplatz in Schüren ist schon auf den ersten Blick vieles anders. Das Areal wirkt großzügig, durchdacht und abwechslungsreich. Autos bleiben außen vor, stattdessen gibt es im Zentrum der Siedlung einen großen Platz zum Verweilen, Spielen, Treffen. Die Gestaltung lag bei dem Dortmunder Architekturbüro Schamp und Schmalöer.

Kleine und größere freistehende Einfamilienhäuser wechseln sich mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern ab.
Kleine und größere freistehende Einfamilienhäuser wechseln sich mit Reihen- und Mehrfamilienhäusern ab. © Schamp & Schmalöer © Schamp & Schmalöer

Rund 22,5 Millionen Euro hat der Spar- und Bauverein in dieses Vorzeigeprojekt investiert, das als erste Klimaschutzsiedlung der Stadt Dortmund ausgezeichnet wurde. Denn auch technisch ist das Wohnprojekt etwas Besonderes: Die Häuser erzeugen mehr Energie, als sie verbrauchen. Das macht die Bergparte zur ersten Energie-Plus-Siedlung der Stadt. Sie gehört zum Förderprogramm „100 Energie-Plus-Häuser für Dortmund“.

So sieht es in der Siedlung aus

Zu der Siedlung mit 61 Wohneinheiten gehören 17 freistehende Einfamilienhäuser, 12 Reihenhäuser und Mehrfamilienhäuser. Ein eigenes Blockheizkraftwerk versorgt die Siedlung mit Energie für Warmwasser, Heizung und Lüftung. Jede Wohnung verfügt über eine kontrollierte Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung. Strom wird über Photovoltaikanlagen auf den Dächern der freistehenden Einfamilienhäuser erzeugt.

Die Häuserreihen sind bogenförmig angeordnet.
Die Häuserreihen sind bogenförmig angeordnet. © Schamp & Schmalöer © Schamp & Schmalöer

Das Quartier übertrifft die gesetzlichen Anforderungen an ressourcenschonenden Neubau um 30 Prozent (KfW-55-Standard). Der Strom, der nicht verbraucht wird, wird in das öffentliche Netz eingespeist. Was das für die Geldbeutel der zwischen April 2018 und November 2019 eingezogenen Mieter heißt, soll Ende des Jahres ausgewertet werden.

Die mit dem Energie-Plus-Status einhergehende Technik und Anforderungen bedeuten auch eine Herausforderung für Entwurf und Planung. Für Susanne Schamp und Richard Schmalöer steckt der Charme der Siedlung aber nicht in ihrer Energie-Bilanz, sondern in der anspruchsvollen und lebenswerten Gestaltung. Mit dem Ergebnis sind die Architekten sehr zufrieden, es gebe wenig Vergleichbares. Richard Schmalöer bezeichnet das Neubaugebiet als „schönste Siedlung Dortmunds“.

Miteinander soll gefördert werden

Die Siedlung am Daelweg will gezielt das Miteinander von Generationen und Lebenssituationen fördern. Grundlage dafür ist die Mischung von barrierefreien Wohnungen und familienfreundlichen Einfamilienhäusern in unterschiedlichen Größen. In 13 der 17 freistehende Häusern leben Familien mit Kindern.

Zentrum der Siedlung ist ein großzügiger Platz.
Zentrum der Siedlung ist ein großzügiger Platz. © Schamp & Schmalöer © Schamp & Schmalöer

Die Anlage lädt mit einem zentralen Platz zum Miteinander ein. Dort sollen die Kinder spielen und sich die Bewohner begegnen. Die zweigeschossige Bebauung rundherum wirkt locker und großzügig, kleine Treppen führen zu den Eingängen der Reihenhäuser. „Das schafft etwas Distanz zwischen privatem und öffentlichem Raum“, erklären die Architekten. Und Kinder könnten auf den Stufen sitzen und spielen. Alle Eingänge orientieren sich zum Platz hin, auf dem bereits kleine Bäume heranwachsen und über den sich ein Wasserlauf schlängelt.

Viele Details zeichnen die Siedlung aus

Auf den zweiten Blick zeigen sich viele Details, die die Bergparte von anderen Siedlungen unterscheiden: Regenrinnen sind in die Hauswand eingelassen, Laubengänge verbinden die Wohnungen in den Mehrfamilienhäusern, zusätzliche Wege führen ein Stück von den Wohneingängen entfernt entlang. „So wird der Privatbereich gewahrt“, sagt Susanne Schamp. Die verwendeten Materialien sind hochwertig und teilweise aufwendig verarbeitet.

Details wie Klinkerfassaden und Gittermauerwerk zeichnen die Gebäude aus.
Details wie Klinkerfassaden und Gittermauerwerk zeichnen die Gebäude aus. © Susanne Riese © Susanne Riese

Beispielsweise sind Fenster durch Betonrahmen gefasst, Lüftungsauslässe verschwinden hinter dekorativen Lochelementen. Das Lüften von Hand ist nicht vorgesehen in einer Energie-Plus-Siedlung. Die Verschattung funktioniert nicht über dichte Rollos, sondern durch Lamellen, die den Blick nach außen weiter ermöglichen. Auch Gittermauerwerk an anderer Stelle blockt neugierige Blicke ab, lässt aber Licht hinein.

Bemerkenswert ist auch das Parkkonzept: Autos stehen in der Tiefgarage oder auf einem Platz am Rande der Siedlung, die Weg zwischen den Häusern sind Fußgängerzonen. Dafür führt ein Fuß- und Radweg nach Schüren und Aplerbeck. Auf der südlichen Seite schafft ein Grünstreifen für die Wasserbewirtschaftung Raum, dahinter liegt der Sportplatz.

Genossenschaft reagiert auf Veränderungen der Gesellschaft

Für den Spar- und Bauverein ist die Siedlung Bergparte ein besonderes Projekt: „Bei unserem Energie-Plus-Quartier in Schüren handelt es sich um eine Art ,Genossenschaft in der Genossenschaft‘, denn hier werden alle Komponenten den Menschen und der Umwelt gerecht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Franz-Bernd Große-Wilde. „Damit reagieren wir auf den demografischen Wandel und die Individualisierung der Lebenssituationen unserer Mitglieder genauso wie auf die energetischen Herausforderungen aus dem Klimawandel.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese
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