Wenn ein Puppenkopf zerbrochen ist, können nur Fachleute helfen. Davon gibt es nicht viele. © picture alliance / dpa
Geschäftsaufgabe

Dortmunder Puppenklinik bleibt endgültig geschlossen

Noch seltener als alte Puppen sind Reparaturwerkstätten für die historischen Schätze. In Dortmund hat jetzt eine der letzten Puppenkliniken zugemacht. Nicht alle „Patienten“ sind repariert.

Mehr als drei Jahrzehnte lang war die Puppenklinik in Dortmund-Hörde die letzte Rettung für alte Puppen und geliebte Teddybären. Die Puppen-Doktorinnen Margret Bühnen und Christa Körber reparierten die Schätze in liebevoller Handarbeit und mit Ersatzteilen aus ihrer Produktionszeit. So manches schwer lädierte Plüschtier konnten sie retten und angeschlagene oder einäugige Puppen wieder ganz machen.

Doch seit vielen Monaten ist es schwierig, in der Puppenklinik in der Wellinghofer Straße 46 jemanden zu erreichen. Gründe dafür waren zunächst ein längerer Urlaub und eine Erkrankung von Inhaberin Margret Bühnen (81) und schließlich der Corona-Lockdown im Frühjahr 2020.

Seit Ende Dezember ist die Puppen-Praxis nun auch offiziell geschlossen. „Wegen Geschäftsaufgabe zum 31.12.2020 können ab sofort keine Aufträge mehr angenommen werden“, steht auf der Homepage der Puppenklinik, auch ein Zettel im Schaufenster weist darauf hin. Weiter heißt es, alle vorliegenden oder in Arbeit befindlichen Reparaturen würden noch zu Ende geführt.

„Keine Puppe geht verloren“

Christa Körber bekräftigt das: „Kunden, die noch Puppen bei uns haben, müssen sich keine Sorgen machen. Keine Puppe geht verloren, alle finden ihr Zuhause.“

Die Puppenklinik in Hörde ist nach mehr als 30 Jahren Geschichte.
Die Puppenklinik in Hörde ist nach mehr als 30 Jahren Geschichte. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Durch die Erkrankung von Margret Bühnen dauerten die Reparaturen etwas länger als geplant. Doch trotz Schließung des Ladens würden alle Aufträge nach und nach ausgeführt. Margret Bühnen sei zurzeit auf einen Rollstuhl angewiesen und könne die Arbeit in der Werkstatt nicht bewältigen.

Etwa 20 Puppen säßen noch in der Warteschleife für ihre Wiederherstellung. Kunden, die nachfragen möchten, verweist Christa Körber nun an Margret Bühnens Privatnummer: (0231) 41 00 83 (lange klingeln lassen).

Kunden machen sich Sorgen um ihre Schätze

Einige Kunden haben sich mittlerweile hilfesuchend an die Redaktion gewandt, nachdem sie keine Möglichkeit fanden, in Kontakt mit der Puppen-Werkstatt zu treten. Manche machen sich große Sorgen um ihre teilweise kostbaren oder emotional wertvollen Stücke, die sie den Dortmunderinnen zur Sanierung überlassen hatten.

Noch gibt es im Schaufenster der Puppenklinik einiges zu sehen, auch wenn der Laden bereits geschlossen ist. Darauf weist auch ein Schild hin.
Noch gibt es im Schaufenster der Puppenklinik einiges zu sehen, auch wenn der Laden bereits geschlossen ist. Darauf weist auch ein Schild hin. © Alexandra Wachelau © Alexandra Wachelau

Familie Wagner aus Thüringen beispielsweise hatte bereits im Oktober 2019 auf einer Puppenmesse eine Puppe und einen Teddy in die Obhut der Hörder Puppenklinik gegeben. „Sie sollten im Oktober 2020 fertig sein, und wir haben bis jetzt keinerlei Nachricht bekommen“, sagt Marion Wagner. Es handele sich um eine wertvolle Markenpuppe der Grußmutter. „Das sind generationsübergreifende Werte, die man Frau Bühnen anvertraut hat.“

Familie aus Thüringen wartet seit mehr als einem Jahr

Nachdem E-Mails nicht beantwortet wurden, telefonisch niemand erreichbar war und auch auf einen Brief hin keine Reaktion kam, haben die Kunden aus Thüringen sogar versucht, über die Gewerbeaufsicht etwas zu erreichen. „Es müsste doch einen Zwischenbericht geben, wenn so etwas länger dauert“, sagt Marion Wagner. „So kann man das nicht machen.“

Christa Körber, auf deren Schultern die Abwicklung derzeit vornehmlich ruht, relativiert den Vorwurf. „Bei uns sitzen Puppen seit Langem fertig herum. Die Kunden hinterlassen manchmal falsche Telefonnummern und wir können sie dann nicht benachrichtigen.“ Normalerweise würden die Besitzer sofort nach der Fertigstellung angerufen, um die Möglichkeit zur Übergabe zu besprechen. So steht es auch auf der Website.

Jedenfalls versprechen die erfahrenen Puppen-Ärztinnen: „Jeder bekommt seine Puppe wieder.“ Die kleine Werkstatt an der Ecke Piepenstock-/Wellinghofer Straße allerdings wird nicht wiederkommen. Denn trotz langer Suche haben Margret Bühnen und Christa Körber dafür keinen Nachfolger gefunden.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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