Auf dem Parkplatz hinter dem Rewe an der Overgünne lauerten die Betrüger. © Susanne Riese
Trickbetrüger unterwegs

Betrüger wollen Opfer mit Armani-Masche am Rewe-Parkplatz abziehen

Mit einer miesen Masche appellieren Betrüger auf einem Supermarkt-Parkplatz an die Hilfsbereitschaft von Menschen, um sie dann zu bestehlen und zu betrügen. Die Polizei rät zu Misstrauen.

Ein 62-jähriger Dortmunder steigt am Rewe in Benninghofen in sein Auto, legt Brötchentüte, Handy und Geldbörse auf den Beifahrersitz und will den Parkplatz verlassen. Da hält ein Auto neben ihm, die Schreibe geht runter und ein junger Mann fragt freundlich „Do you speak English?“ Er und sein Kollege hätten sich total verfahren, sie kämen von einer Modemesse in Dortmund und müssten nun zum Flughafen Düsseldorf.

Was denn mit dem Navi sei? Das funktioniere auf Niederländisch, vielleicht könne der Dortmunder helfen, es umzustellen, fragen die beiden und versuchen den Mann so in ihr Auto zu locken.

Der blockt das schon allein wegen Corona ab, googelt aber die Adresse des Flughafens für das Navigationssystem. Die Auswärtigen, die angeblich aus Dubai stammen, verabschieden sich, halten dann aber noch einmal an. Weil er so nett und hilfsbereit gewesen sei, wollen sie dem Dortmunder noch etwas schenken.

Sie packen Jacken und einen Mantel („für Ihre Frau“) – alles „echt Armani“ – in eine Tüte. Der Zoll sei so hoch, dass man die Designerware besser verschenken könne. Sie versuchen, den Dortmunder dazu zu bringen, sich die Textilien anzusehen, damit würde er sein eigenes Auto aus dem Blickfeld verlieren.

Eine besonders hochwertige Armani-Jacke könne der Dortmunder für den Sonderpreis von 400 Euro kaufen und bekäme die anderen gratis dazu. Praktischerweise ist gleich neben dem Rewe-Parkplatz an der Overgünne ein Geldautomat.

Die Betrüger sind mit ihrer Masche auf Supermarktparkplätzen und an anderen Orten unterwegs.
Die Betrüger sind mit ihrer Masche auf Supermarkt-Parkplätzen und an anderen Orten unterwegs. © dpa © dpa

Gleich mehrere Betrugsversuche kann Polizei-Pressesprecher Peter Bandermann in dieser Geschichte erkennen. „Was anfangs nach einem Trickdiebstahl aussieht, kann sich auch zu einem Raub entwickeln. Gesundes Misstrauen ist also der beste Schutz.“ Schon die Ansprache auf Englisch sei ein Trick. „Das Opfer muss sich konzentrieren und ist dadurch abgelenkt.“

Typisch ist laut Polizei der Versuch, den Betroffenen möglichst in oder hinter den Wagen zu lotsen. In der Zeit kann ein Komplize unbemerkt Wertsachen aus dem Auto stehlen. Dritter Betrugsversuch: Minderwertige Ware oder Diebesgut wird als vermeintliches Super-Schnäppchen verkauft.

„Fragwürdige Angebote dieser Art auf Parkplätzen oder an anderen Orten sind der Polizei bekannt“, sagt Peter Bandermann. Der Angesprochene habe richtig gehandelt: Er schöpfte Verdacht, unterbrach das Gespräch und fuhr davon. „Die Situation bot ausreichend Anlass, die Polizei zu verständigen. Sie hätte die Personen, den Inhalt des Kofferraums und das Fahrzeug überprüfen können.“

Strafrechtlich komme in solchen Fällen Diebstahl und Betrug, teilweise Raub in Betracht, oft steckten Banden dahinter. „Die Täter bilden Legenden, täuschen Notlagen vor und appellieren an die Hilfsbereitschaft. Sie erzeugen Überraschungseffekte und arbeiten mit vermeintlich starken Informationen: Dubai, Wegauskunft, Navi-Problem. Außerdem signalisierten sie besondere Großzügigkeit: Der unvorhersehbare Kontakt könnte ja angesichts hochwertiger Textilien von Vorteil sein. Die Täter wollen ihre Opfer mit Emotionen überrumpeln.“

Folgende Tipps gibt der Polizeisprecher:

  • Versuchen Sie, mit kühlem Kopf auf derartige Überraschungseffekte zu reagieren.
  • Lassen Sie sich nicht in Gespräche verwickeln und nicht ablenken. Bleiben Sie aufmerksam.
  • Unterbrechen Sie die Gesprächssituation sofort und lassen sich nicht zu unbedachten Handlungen verleiten. Von einem Textilien-Verkauf aus dem Kofferraum heraus – und auch noch ohne Rechnung – ist ohnehin abzuraten.

In diesem Fall ist das Opfer auf keine der Maschen hereingefallen. Er möchte trotzdem nicht, dass sein Name bekannt wird. „Ich habe mich viel zu lange mit denen abgegeben“, sagt er im Nachhinein. Aber auch das ist typisch: Die Betrüger appellieren an Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und gutes Benehmen. Um das dann mit viel Geschick und krimineller Energie auszunutzen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese

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