Wer in der ersten Welle der Impftermine dabei war, der konnte sich glücklich schätzen. Viele alte Menschen sind erst ab April 2021 mit der ersten Impfung an der Reihe. © Jörg Bauerfeld
Corona-Impfung

Ärger über Impf-Chaos: 83-Jähriger überlegt Austritt aus der CDU

Der Start der Impfterminvergabe sei holprig gewesen. Das Fazit des NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) war trotzdem positiv. Ein 83-jähriges Parteimitglied sieht das ganz anders.

Für Peter Kremerskothen war die Vergabe der Impftermine eine drei Tage andauernde Katastrophe. Der 83-Jährige, der seit 30 Jahren Mitglied im CDU-Ortsverband Hörde ist, ist sauer, enttäuscht, wütend oder alles auf einmal.

Als am Montag (25.1.) die Telefone freigeschaltet wurden, um sich einen der begehrten Impftermine gegen das Coronavirus im Impfzentrum Dortmund zu sichern, saß Peter Kremerskothen am Hörer. Einmal, um für sich einen Termin abzusprechen, aber auch, um für seine Frau, die im gleichen Alter ist, einen Impfzeitpunkt festzulegen.

Für das Internet fehlten die Kenntnisse

„Immer und immer wieder habe ich die Nummer gewählt“, so Kremerskothen. „Ich habe weit über 100 Mal versucht, jemanden zu erreichen, das ist mir aber nicht gelungen“, so der Hörder. Es sei ihm klar gewesen, dass die Leitungen bestimmt überlastet seien. Der Versuch übers Internet kam bei ihm aber nicht infrage, da fehlten einfach die Kenntnisse. Also blieb eben nur das Telefon.

Aber da war am Montag und am Dienstag nur das Besetztzeichen zu hören. „Am Mittwoch um 16.58 Uhr erklang plötzlich eine Stimme“, sagt Kremerskothen. „Wir sind die nächsten und sollten warten.“

Bis einschließlich März alle Termine vergeben

Dann habe jemand abgenommen und er habe natürlich sofort um einen Impftermin gebeten. „Ich habe alle Daten durchgeben und zu meinem Entsetzen sagte die Dame: ‚Ja Dortmund, da ist bis einschließlich März alles vergeben‘.“

Eine Hiobsbotschaft für Peter Kremerskothen und seine Frau. Beide gehören mit ihren 83 Jahren zur höchsten Risikogruppe. Beide müssen sich jetzt wohl darauf einstellen, erst im April 2021 die erste wichtige Impfung zu bekommen.

Eine Wartezeit von mehr als 60 weiteren Tagen, die durchaus lebensgefährlich werden kann. Und es ist ja noch gar nicht sicher, dass es bei der Familie Kremerskothen bei der nächsten Terminvergabe besser ergeht. Denn dann geht ja die Terminhatz in die zweite Runde.

Es mache keinen Sinn jetzt noch weiter zu versuchen

„Das ist doch ein Wahnsinn. Wie viele ältere Menschen in Dortmund werden wohl jetzt noch versuchen, die Nummer 0800 11611702 anzurufen? Dabei bringt das im Moment doch gar nichts mehr“, so Kremerskothen.

„Langsam steigt in mir eine Wut auf“, so der 83-Jährige. Er komme sich veräppelt vor. „Das ist ja ein Chaos, das ist der Wahnsinn. So darf das nicht weitergehen.“ Und was sagt er zur Organisation der schwarz-gelben NRW-Regierung? „Ich überlege, aus der CDU auszutreten“, sagt Kremerskothen – und das sagt nach 30 Jahren CDU-Mitgliedschaft alles.

Die nächsten Termine können im Übrigen, so die Auskunft der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen Lippe (KVWL), in Kürze gemacht werden. Dann wird das Termin-Buchungsfenster bis Ende April geöffnet, sodass deutlich mehr Termine zur Verfügung stehen werden.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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