„Oma" Lessing unterwegs mit Rollator. Es galt, die Wasserbecher sicher zu transportieren. An den Spielen hatten alle ihre Freude. © Kita
Kita St. Ewaldi

Abschied nach mehr als drei Jahrzehnten: Claudia Lessing sagt „Tschüss“

Sie hat Generationen von Kindern betreut: Nach 31 Jahren hat sich Claudia Lessing aus der Aplerbecker Kita St. Ewaldi verabschiedet. Wer sie nochmal treffen möchte, hat dazu aber Gelegenheit.

Es war ein Tag, den sie wohl alle so ein bisschen gefürchtet haben: Claudia Lessing, seit 31 Jahren Erzieherin in der Kita St. Ewaldi, hatte ihren letzten Arbeitstag. Sie geht in Rente. Kita-Leiterin Anja Schneider: „Dieser Abschied fällt uns allen nicht leicht. Claudia Lessing hat hier Unglaubliches geleistet. Sie hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir das sind, was wir heute sind.“ 18 Jahre lang hat Schneider mit Claudia Lessing zusammengearbeit; zuletzt war die 65-Jährige auch ihre Stellvertreterin.

Als Claudia Lessing hier anfing, da waren die Bäume auf dem Kita-Gelände noch klein. Sie sind in all den Jahren gewachsen, genauso wie Kita und Betreuungszeiten wuchsen.

„Ich wusste ja nicht, was mich erwartet“

Unglaublich nervös sei sie gewesen an diesem Freitagmorgen (23.7.), ihrem letzten Arbeitstag, sagt Claudia Lessing. „Ich wusste ja nicht, was mich erwartet“, sagt die 65-Jährige. Das was sie schließlich erwartete, hat sie gleichermaßen glücklich wie traurig gemacht.

Kolleginnen und Kollegen sowie die Mädchen und Jungen hatten sich vieles einfallen lassen, das so schön war, dass manche Träne kullerte. „Glücklicherweise hatte ich eine Sonnenbrille auf“, sagt Claudia Lessing am Freitagmittag, als sie das ganze Spektakel „überstanden“ hatte. „Jetzt geht es mir wieder gut.“ Zum Glück schien zum Abschied die Sonne, das machte es allen leichter, diesen Abschied Corona-konform zu zelebrieren.

Eltern und Kinder standen Spalier

Die 65-Jährige, die auch stellvertretende Kindergarten-Leiterin war, musste an diesem Morgen nicht den Weg von Benninghofen, wo sie zuhause ist, nach Aplerbeck fahren – sie wurde abgeholt. Als sie an der Egbertstraße ankam, „da standen alle Spalier, Fähnchen wurden geschwungen, Tücher gewedelt“.

Vor der Kita an der Egbertstraße standen Eltern und Kinder Spalier.
Vor der Kita an der Egbertstraße standen Eltern und Kinder Spalier. © Kita © Kita

Dann verabschiedete sich Claudia Lessing zunächst von „ihrer“ Schmetterlingsgruppe: An diesem besonderen Tag wählte man sie zum „Morgenkreiskind“. Ein Ritual, das sie gepflegt hat und das sie in der Kita auch nach ihrem Abschied weiterpflegen wollen.

Claudia Lessing bekam von den Kindern die obligatorische Morgenkreiskerze, die dazu gehört, wenn man ein Morgenkreiskind ist – mit dem Unterschied, dass Claudia Lessing diese auch mit nach Hause nehmen durfte. Zum Morgenkreiskind am Montag wurde Claudia Lessings Mann bestimmt. Die Familie war mit zur Kita gekommen.

Fähnchen über Fähnchen, mit Fotos oder bunt bemalt gab es von den Kindern für Claudia Lessing.
Fähnchen über Fähnchen, mit Fotos oder bunt bemalt gab es von den Kindern für Claudia Lessing. © Kita © Kita

Draußen auf dem großen Gelände ging es dann mit allen Kinder weiter, es wurde gesungen und gespielt. Claudia Lessing musste sich verkleiden als „Oma“, trug Kittel, Hut und eine Brille mit dicken Gläsern. Es galt mit dem Rollator mit Wasser gefüllte Becher zu transportieren oder mit der Brille, die das Sehen eher verhinderte, Kristalle auszuschneiden. Es war ein Riesenspaß für alle.

Claudia Lessing in ihrer Kita St. Ewaldi: Die Kinder verabschiedeten sich mit Ballons, Blumen und Fähnchen.
Claudia Lessing in ihrer Kita St. Ewaldi: Die Kinder verabschiedeten sich mit Ballons, Blumen und Fähnchen. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Auch als alles vorbei ist, kommen immer wieder Mädchen und Jungen vorbei und suchen den Kontakt mit Claudia Lessing: Die sechsjährige Sophia zum Beispiel hat für ihre Erzieherin in Herz aus Bügelperlen gemacht, und überreicht dies liebevoll dekoriert mit einem Gänseblümchen von der Kita-Wiese und einem Grashalm.

Claudia Lessing mit dem Herzen aus Bügelperlen samt Gänseblümchen, das die sechsjährige Sophia ihr überreichte.
Claudia Lessing mit dem Herzen aus Bügelperlen samt Gänseblümchen, das die sechsjährige Sophia ihr überreichte. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Niemals geht man so ganz – Besuch einmal in der Woche

Irgendwann ist doch endgültig Zeit, durchzuatmen für Claudia Lessing. Und jetzt? Langeweile, das stellt sie schnell klar, werde es bei ihr nicht geben. Getreu dem Motto „Niemals geht man so ganz“ wird Claudia Lessing wiederkommen: einmal in der Woche für viereinhalb Stunden.

Sie wird den Maxi-Club betreuen, die Mädchen und Jungen, die als nächste in die Schule kommen. Und die andere Zeit? „Ich werde mal meinen Hausstand in Ordnung bringen, mich in den Strandkorb legen, und all die Bücher lesen, die ich schon immer lesen wollte, und gucken, was der Garten so macht.“ Klingt nach einem guten Leben.

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Redaktion Dortmund
Leben erleben, mit allem was dazugehört, das ist die Arbeit in einer Lokalredaktion, und das wird auch nach mehr als 30 Jahren niemals langweilig, in der Heimatstadt Dortmund sowieso nicht. Seriöse Recherche für verlässliche Informationen ist dabei immer das oberste Gebot.
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Britta Linnhoff

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