Das wohl letzte Foto von der 147 Jahre alten Kastanie: Es ist am 11. Februar 2021 entstanden. © Jörg Bauerfeld
Natur weicht Neubau

147 Jahre alte Kastanie gefällt: Sie muss den Platz für einen Neubau frei machen

Nicht nur das Gaststättensterben geht weiter im Dortmunder Süden. Vor der „Taube“ in Aplerbeck stand eine uralte Kastanie. Die ist nun weg, weil sie einem Neubau im Weg stand.

Es war ein mächtiger Baum, der an der Ostkirchstraße genau neben dem Eingang der Gaststätte „Zur Taube“ stand. Die großen Äste lieferten im Sommer Schatten für den darunterliegenden Biergarten.

So sieht es jetzt vor der Gaststätte „Zur Taube“ aus. Die Kastanie ist verschwunden.
So sieht es jetzt vor der Gaststätte „Zur Taube“ aus. Die Kastanie ist verschwunden. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Vögel und Eichhörnchen bevölkerten den Koloss, der gepflanzt wurde, als es in Deutschland noch ein Kaiserreich gab: um 1874 nämlich. Jetzt ist der stolze Baum verschwunden, abgesägt am 19. Februar 2021. Übriggeblieben ist nur ein flacher Baumstumpf.

Pächterin der Gaststätte vor vollendete Tatsachen gestellt

Renate Karbowniczek ist entsetzt. Die Pächterin der Gaststätte wurde vor vollendente Tatsachen gestellt. „Ich habe aus dem Fenster geschaut und gedacht, dass darf doch wohl nicht wahr sein. Mich hat keiner Informiert, dass der Baum gefällt wird.“ Dabei läuft der Pachtvertrag noch bis zum 31. März 2021.

Dann, das war Renate Karbowniczek, schon lange klar, muss sie raus aus der „Taube“. Das alte Gasthaus wird abgerissen. Es muss Platz machen für ein Mehrfamilienhaus mit Tiefgarage. „Das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt hat am 20. Januar 2021 eine Baugenehmigung erteilt für ein Wohnhaus mit 12 Wohneinheiten und Tiefgarage“, sagt Stadt-Pressesprecher Christian Schön.

Mächtiger Baum mit Erlaubnis der Stadt gefällt

Das dort, wo jetzt noch die „Taube“ steht, neu gebaut wird, davon wusste auch die Pächterin schon länger. Dass aber der alte Baum gefällt wurde, macht sie fassungslos. „Die Arbeiter sind einfach in den Garten, haben losgelegt und dann war der Baum weg.“

Das ist übriggeblieben von dem stolzen Baum, der um 1874 gepflanzt wurde.
Das ist übriggeblieben von dem stolzen Baum, der um 1874 gepflanzt wurde. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Aber wie kann das sein, warum kann so ein mächtiger und alter Baum einfach gefällt werden? Ganz einfach: Er stand im Weg. So lautet zumindest die Begründung vonseiten der Stadt.

„Die Kastanie stand nur zwei Meter neben dem vorhandenen Altgebäude, und somit auch direkt neben der Stelle, auf der wieder neu gebaut werden soll. Aufgrund dieses Abstandes war ein Erhalt hinsichtlich der geplanten Tiefgarage (als Komplettunterkellerung) nicht möglich“, sagt Christian Schön.

Kein Naturdenkmal und nicht geschützt

Außerdem sei die Rosskastanie weder als Naturdenkmal noch als geschützter Landschaftsbestandteil festgesetzt worden. Und sie sei für ihre Art und ihr Alter in sehr mäßigem Vitalitätszustand gewesen.

Daher hat die Stadt Dortmund für die Kastanie und eine Esche auf einem Nachbargrundstück zwei Fällgenehmigungen erteilt. Das war schon am 18. September 2020.

Doch es gibt einen Ersatz für den 147 Jahre alten Baum: „Ersatzpflanzungen nach der Baumschutzsatzung sind mit eingefordert worden“, sagt Stadt-Pressesprecher Christian Schön.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
Zur Autorenseite
Jörg Bauerfeld

Der neue Lokalsport-Newsletter für Dorsten

Immer freitags um 18:30 Uhr das Wichtigste aus dem Dorstener Lokalsport direkt in Ihr E-Mail-Postfach.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.