Sportplatz geschlossen: Der Lockdown setzt den Vereinen zu. © picture alliance/dpa
Breitensport

Zwischen Jugend und Senioren – ein ganzer Jahrgang geht verloren

Die Lockdowns treffen den Breitensport nachhaltig – doch ist es keine ungewöhnlich hohe Zahl von Vereinsaustritten, die an die Substanz der Vereine geht. Das Problem liegt an anderer Stelle.

Auch wenn die Zahlen für das Jahr 2021 naturgemäß noch nicht vorliegen, geht man beim Stadtsportbund Dortmund (SSB) davon aus, dass die Breitensportvereine der Stadt am Ende des Jahres in Folge der Corona-Einschränkungen weniger Mitglieder haben werden.

„Einerseits haben wir die gute Erfahrung gemacht, dass die Menschen in Dortmund ihren Vereinen durchweg die Treue halten“, sagte SSB-Geschäftsführer Mathias Grasediek. Die Erkenntnis, dass ein Mitgliedsbeitrag eben kein Preis sei, den man für eine Dienstleistung zahle, sondern ein Beitrag zu einer Gemeinschaft, werde von der breiten Masse der Sportler geteilt.

„Vor allem die großen Vereine beklagen allerdings, dass es im Moment kaum gelingt, neue Mitglieder zu gewinnen“, sagt Grasediek. Das heißt, die ganz normale Mitglieder-Fluktuation in vielen Vereinen wird im Moment nicht durch eine entsprechende Zahl an Neuaufnahmen ausgeglichen. Und die Befürchtung ist, dass es einen Rückgang der Mitgliederzahlen von fünf bis zehn Prozent geben könnte.

Eine Einschätzung, die Andreas Kranich, Sprecher des TSC Eintracht Dortmund, teilt. „Gerade bei Großsportvereinen wie uns ist es ja so, dass man mitunter über 200 neue Eintritte in bestimmten Monaten hat. Und die sind während der Lockdown-Phase komplett ausgeblieben.“

Ähnlich formuliert es gerade auch der Freiburger Kreis, eine Arbeitsgemeinschaft größerer deutscher Sportvereine, zu der auch der TSC gehört, in einem Positionspapier: „Während unter anderem in der Gastronomie und in der Eventbranche Insolvenzen oder drohende Insolvenzen absehbar sind, gleicht die Entwicklung im Breitensport einem langsamen Ausbluten.“

Schmerzhafte Tendenz

„Noch haben wir zwar keinen genauen Überblick. Denn die Vereine müssen ihre Mitgliederstand zum 31. Dezember beim Landessportbund immer erst bis zum 31. März des Folgejahres gemeldet haben“, erklärt Grasediek. Aber die schmerzhafte Tendenz sei absolut erkennbar. „Und wird im Jahr 2021 sicher deutlich spürbar sein.“ In einer Umfrage des Landessportbundes NRW nach dem ersten Lockdown hatte bereits ein Drittel der Vereine angegeben, mit einem Mitgliederrückgang zu rechnen.

Das, so sagt Grasediek, sei das eine Problem. „Noch schwerwiegender sind aber die absehbaren Folgen im Jugendbereich. Da fallen ja gerade ganze Mannschaften weg, weil zum Beispiel der Übergang von Junioren- zum Seniorenbereich nicht gelingt. Das war schon in der Vergangenheit nicht einfach und ist in diesem Jahr noch viel schwieriger, weil einfach kaum noch was stattgefunden hat.“

Die Folge dieses Vakuums sei, dass sich viele Jugendliche Alternativen zum Verein gesucht hätten und für ihre Klubs verloren gingen. „Die kommen nicht alle von alleine wieder zurück. Um sie wieder für den Sport zu gewinnen, wird es viele Anstrengungen brauchen. Wir hoffen zwar, dass das Pfund eines jedes Sportvereins, nämlich sich sportlich bewegen zu können, bei den jungen Leuten wieder zum Tragen kommt. Aber, wie gesagt, von alleine funktioniert das nicht.“

Und noch ein Punkt macht Grasediek mit Blick auf die Vereine Sorgen. „Die Mitgliedsbeträge sind das eine. Aber mindestens genauso gewichtig sind die wirtschaftlichen Einbußen, die durch das Fehlen so vieler Veranstaltungen drumherum. Sportfest, Tag der offenen Tür, Lauffest, ganz egal – da werden mit der Unterstützung von vielen Ehrenamtlichen sonst ganze Jahresbudgets geschaffen. Das tut den Vereinen gerade richtig weh, dass das fehlt.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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