Die Dortmunderin Laura Nolte (r.) möchte am Wochenende erfolgreich bei der Weltmeisterschaft mitwirken. © picture alliance/dpa/APA
Bobsport

Zwei Dortmunder Athleten auf der Jagd nach WM-Medaillen

Für zwei Dortmunder Bob-Sportler kann sich ab Freitag in Altenberg der Traum von einer WM-Medaille erfüllen. Doch der Eiskanal im Erzgebirge ist tückisch. Ein Fahrfehler und der Traum ist geplatzt.

Eigentlich ist Bobfahren ja ganz einfach. Sagen die Piloten. Den mindestens 170 Kilogramm schweren Schlitten so schnell wie möglich auf Speed bringen, dann im vollen Lauf reinspringen und ins Ziel bringen. Nach unten kommst du immer, heißt es flapsig in Athlenkreisen. Mag sein, gilt aber nicht unbedingt für den Eiskanal im sächsischen Altenberg. Dort beginnt am Freitag die Bob-Weltmeisterschaft. Und die Sturzgefahr ist enorm, die Bahn gilt als die anspruchsvollste in Europa.

Aus Dortmunder Sicht gilt die Aufmerksamkeit zwei völlig unterschiedlichen Athleten. Auf der einen Seite Laura Nolte, die junge, erst 22 Jahre alte ehemalige Leichtathletin der LG Olympia und frischgebackene Weltmeisterin der Juniorinnen. Sie steuert den Bob mit Anschieberin Deborah Levy. Und auf der anderen Seite Christopher Weber, ein erfahrener Athlet, 29 Jahre alt, ebenfalls Ex-Leichtathlet, Anschieber im Schlitten von Pilot Johannes Lochner und immerhin Vize-Weltmeister des Vorjahres im Vierer.

Mitten im Corona-Hotspot

Wie im Vorjahr wird die WM nach der Absage von Lake Placid (USA) erneut in Altenberg in Sachsen ausgefahren, nur wenige Kilometer entfernt von der tschechischen Grenze. Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge gilt noch immer als Corona-Hotspot mit Inzidenzwerten im 200er-Bereich und höher. Und mittendrin Laura Nolte und Christopher Weber. “Langsam wird es natürlich etwas langweilig, ich bin jetzt seit vier Wochen unterwegs. Winterberg, St. Moritz, jetzt Altenberg. Wir bewegen uns immer in der sogenannten Blase, dürfen das Hotel außer zum Training nicht verlassen, nicht durch den Ort gehen, was besonders in St. Moritz natürlich schade war, uns nur mit bestimmten Personen aus unserem Team treffen”, beschreibt die Dortmunderin ihren Tagesablauf.

Die 22-jährige Hörderin ist sogar früher ins Erzgebirge angereist als nötig und hat stattdessen den Weltcup in Innsbruck ausfallen lassen. “Ich habe noch zahlreiche Trainingsfahrten absolviert. Ich denke, das war ganz wichtig für uns. Die Bahn ist extrem, sehr schnell, die Kurven sind anspruchsvoll und der Kreisel ist extrem, da treten enorme Gegenkräfte auf”, erklärt Laura Nolte die Besonderheiten des Kunsteiskanals. Im Vorjahr stürzte sie im zweiten Lauf. Aus der Traum von der WM-Medaille.

Zweifacher Vize-Weltmeister im Bob: Christopher Weber (l.) mit Pilot Johannes Lochner. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Und dieses Jahr? “Ich mache mir im Gegensatz zum Vorjahr keinen Druck. Athletisch sind Deborah und ich topfit. Und auf der Bahn verspüre ich mehr Sicherheit als im Vorjahr”, kommentiert die Dortmunderin ziemlich nüchtern den Ist-Zustand. Kein Wort über eine eventuelle Medaille kommt der Studentin der Wirtschaftspsychologie über die Lippen. “Wichtig ist”, so Nolte, “dass man alle vier Läufe konstant fährt. Die WM hat halt ihre eigenen Gesetze. Ich will viermal ordentlich runterkommen.”

Nolte im Favoritenkreis, Webers Saison bislang durchschnittlich

Der Stresstest vor der WM verlief glänzend. Ein Sieg, dreimal Platz zwei, einmal Sechste bei den Weltcups und der Sieg bei der Junioren-WM lassen Laura Nolte in den Favoritenkreis aufsteigen. “Erfahrung ist in Altenberg gefragt, da gibt es noch andere Pilotinnen”, wiegelt Nolte ab. Aus Sicht der Dortmunderin hat die US-Pilotin Kaillie Humphries nach ihren Siegen in Königssee und St. Moritz die besten Chancen.

Mit Begeisterung bei der Sache: Bobpilotin Laura Nolte studiert nebenher Wirtschaftspsychologie. © picture alliance/dpa/APA © picture alliance/dpa/APA

Für Christopher Weber verlief die bisherige Saison dagegen eher durchschnittlich. Nach hartnäckigen Rückenproblemen stieg er erst Anfang des Jahres in Winterberg in den Viererbob von Johannes Lochner. Nur einmal schaffte es das Quartett aufs Treppchen. Rang drei am Königssee. Gegen Seriensieger Francesco Friedrich war nichts zu holen. “Der Franz”, so Weber, “ist superstark.” Er selbst könne mittlerweile wieder schmerzfrei sprinten, beurteilt der 29-Jährige seine eigene Leistungsfähigkeit. Irgendwie scheint es in diesem Jahr beim “Team Lochner” aber dennoch nicht rund zu laufen. “Der Schlitten läuft noch nicht richtig, aber nach der letzten Woche haben wir ein gutes Gefühl. Es sind viele Stellschrauben, an denen wir gedreht haben”, so Weber.

Psychisch belastende Situation

Der ebenso wie Laura Nolte langsam genug hat vom Leben in der Corona-Bubble: „Die Motivation aufrecht zu halten, ist gar nicht so einfach. Der Tagesablauf ist immer gleich. Frühstück, zwei Trainingseinheiten auf der Bahn und im Kraftraum, Mittagessen, Physio. Seit vier Wochen geht das nun so. Immer mit denselben Menschen um mich herum.“ Weber und Nolte müssen diese psychisch belastende Situation noch länger aushalten. Während an diesem Wochende die Zweier-Bobs starten, folgen erst am Karnevalswochende 13./14. Februar die Vierer-Bobs (mit Weber) sowie die Läufe im Monobob (mit Nolte).

Auch wenn die Weltcupsaison für Christopher Weber eher lauwarm verlief, für die WM gibt sich Weber durchaus zuversichtlich: „Nur um fünf Hundertstelsekunden haben wir im Vorjahr den Titel im Vierer verpasst. Wir kennen diese extreme Bahn und kommen mit ihr gut zurecht.“

Soll heißen. Alles ist möglich für die vier 100 Kilogramm schweren Athleten in ihrem 210 Kilogramm schweren Schlitten, der mit bis zu 140 km/h die 1413 m lange Bahn herunter donnert. 17 Kurven sind zu fahren, davon einen Kreisel: die 320°-Kurve. Von der Weber sagt: „Die Kräfte sind so krass, dass dein Kopf bis auf die Knie gedrückt wird.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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