Wie reagieren Sportliche Leiter, wenn Spieler trotz Zusage den Verein wechseln? Wir haben nachgefragt, nachdem Jan Hennig (Foto) und Kevin Mattes den Hombrucher SV verlassen werden - trotz Zusage für die kommende Spielzeit. © Laryea
Fußball

Wechseln trotz Zusage für die neue Saison: Wie gehen Dortmunds Manager damit um?

Zwei Spieler verlassen den Hombrucher SV, obwohl sie ihre Zusage für die kommende Saison gegeben hatten. Das sorgt für viele Diskussionen - auch bei den Sportlichen Leitern in Dortmund.

Die Entscheidung hat für Aufruhr gesorgt. Zwei verdiente Spieler – Jan Henning und Kevin Mattes – verlassen den Hombrucher SV am Ende dieser Spielzeit und wechseln ganz offenbar zum Lüner SV. Kein Vorgang, der für viel Wirbel sorgen müsste, wäre da nicht dieses Detail: Beide, Henning als auch Mattes, hatten dem HSV dem Vernehmen nach ihre Zusage gegeben.

Hombruchs Sportlicher Leiter Will Tiemann sagte daraufhin: „Das zeugt von Charakterschwäche.“ Wir haben bei einigen Sportlichen Leitern nachgefragt, was sie davon halten – und wie sie in einem solchen Fall handeln würden.

Daniel Dukic, Sportlicher Leiter beim Westfalia Wickede:

„Ich kann den Unmut beim Hombrucher SV verstehen. An eine Zusage muss man sich halten können – eine Zusage ist eine Zusage. Punkt. Die Vereine halten sich daran – das muss man dann auch von den Spielern erwarten dürfen. Es ist sehr viel Arbeit, einen Kader zusammenzustellen – deshalb ist es ärgerlich, wenn Spieler ausscheren und ihre eigene Sache machen.

Wenn ich Spieler verpflichten will, frage ich vorher bei ihnen oder dem Verein nach, ob schon eine Zusage getroffen wurde. Wenn dem so ist, halte ich die Finger davon. Die Hombrucher Spieler hätten es eleganter lösen können. Sie hätten um Bedenkzeit bitten können, dann wäre die Sache sauber verlaufen. So ist es ärgerlich.“

Samir Habibovic, Sportlicher Leiter beim ASC 09 Dortmund:

„Am Ende entscheidet immer der Spieler. Das, was in Hombruch passiert ist, passiert dauernd. Die Spieler haben die Möglichkeit, bis zum 31. August zu wechseln – der Verein kann versuchen, sie vom Bleiben zu überzeugen. Mehr aber auch nicht.“

Dimitrios Kalpakidis, Sportlicher Leiter bei Türkspor Dortmund:

„Vorweg erst einmal das: Wenn man eine Zusage gegeben hat, sollte man zusehen, dass man sie auch einhält. Doch jetzt kommt das Aber: Ein Handschlag zählt heutzutage nicht mehr viel. Früher war das noch anders, da konnte man sich darauf verlassen – heute bekommt man eine Absage per WhatsApp-Nachricht.

Zum Hombrucher SV kann ich nur sagen: Da sind zwei Spieler, die ein Angebot bekommen haben von einem Verein, der in der Westfalenliga vielleicht sogar um den Aufstieg spielen könnte. Die wollen vielleicht noch mal etwas höher hinaus – und haben diese Chance ergriffen. Das kommt sehr häufig vor, jetzt kocht es nur mal hoch.

Sie haben zwar einiges beigetragen, dass Hombruch so spielt wie sie spielen. Dem HSV wurde jetzt aber auch kein Lionel Messi weggeholt, das sollte vielleicht auch mal gesagt werden. Der Verein hätte auch sagen können: Danke für Euren Einsatz und die gute Zeit, Jungs – viel Erfolg bei der neuen Aufgabe. So wie es jetzt gelaufen ist, finde ich es schwierig.

Ich selbst kann nicht genau sagen, wie ich in einem solchen Fall verfahren wurde. Wenn ich zu dem Verein, dessen Spieler ich interessant finde, einen guten Draht habe, wenn mir der sympathisch ist, dann frage ich vorher nach, wie die Lage dort ist. Wenn mir der Klub aber vollkommen egal ist, dann mache ich das nicht.“

Jörg Mielers, Sportlicher Leiter beim Kirchhörder SC:

„Es ist schade, wenn Leistungsträger den Verein verlassen, obwohl sie zunächst etwas anderes gesagt haben. Ich kann deshalb den Unmut in Hombruch verstehen. Man kann heutzutage nie sicher sein, ob einen Zusage wirklich gilt. Und hinter dem Rücken zu verhandeln, davon halte ich gar nichts

Das ist nun wirklich nicht der saubere Weg. Leider wird es häufig trotzdem gemacht. Entscheidend ist oft das Geld. Kleine Vereine haben da einfach schlechte Karten.“

Mehmet Aslan, Sportlicher Leiter beim BSV Schüren:

„Das, was beim Hombrucher SV passiert ist, ist für mich ein klares No-go. In einem solchen Fall lassen wir die Finger vom Spieler, generell treten wir viel in den Austausch mit dem Verein und versuchen, alles so sauber wie möglich abzuwickeln. Leider machen das aber nicht alle Klubs so, das kann man so sagen.

Es stimmt, dass ein Handschlag heutzutage nicht mehr viel wert ist. Zu meiner aktiven Zeit konnte man noch auf einem Bierdeckel unterschreiben – und das galt dann auch. Heute ist es völlig anders. Wir als Klub haben das auch schon zu spüren bekommen.“

Giovanni Schiattarella, Trainer beim SV Brackel 06:

„Es gibt nichts anderes als das gesprochene Wort – und darauf muss man sich dann verlassen können. Zusagen müssen ihren Wert behalten. Die, die das anders sehen, sind offenbar nicht im Amateursport tätig, sondern schon im Profifußball angekommen.“

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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