Ein Lüner Fußballer versteckt sich hinter Türchen Nummer drei. © Timo Janisch
Fußball-Landesliga

Von wegen Söldner: Landesliga-Spieler ist sieben Mal die Woche für seinen Verein im Einsatz

Der Sportplatz als zweite Heimat – was für viele Fußballer eher eine Floskel ist, trifft auf den Kapitän einer überkreislich spielenden Dortmunder Mannschaft schon bald wirklich zu.

Giovanni Schiattarella, Trainer des Landesligisten SV Brackel 06, ordnet den Stellenwert des Amateur-Fußballs in der Gesellschaft realistisch ein. „Bevor wir nicht die Geschäfte und Gastronomien öffnen, brauchen wir über Fußballspiele nicht zu reden“, sagt er beispielsweise. Und seine Spieler, die ihrem Hobby nachgehen, lobpreist er dementsprechend auch nicht als Ikonen, sondern höchstens vielleicht ab und an als „Schlüsselspieler“.

Wer den Italiener kennt, kommt allerdings schnell darauf, wenn er einen seiner Jungs noch mehr schätzt als die ab und an Gelobten. Wenn ein Name immer öfter fällt, versehen mit einem dezenten Lob, verdichten sich die Hinweise auf des Trainers besonders große Wertschätzung. Im Falle von Tobias Hartmann (24) liegen die Beobachter auch ganz richtig.

Hartmann übernimmt gerne Verantwortung

Der Innenverteidiger, aus dem Ostwestfälischen nach Dortmund gezogen, schlägt in Brackeler sehr zur Freude aller Wurzeln. Von seinem Studienkollegen Patrick Sacher vom Brackeler Fußball und eingangs erwähnten Trainer überzeugt, schloss sich der Neu-Dortmunder 2018 dem SV an. Und immer öfter erwähnte Schiattarella den Namen Hartmann. Was für ihn sprach.

Der selbstbewusste redegewandte Abwehrspieler übernahm, gestärkt durch die Anerkennung, gerne Verantwortung. Das liege in seinem Naturell, erklärt er: „Wo immer ich zuvor kickte, wollte ich etwas weitergeben.“ Der aus der Gegend um Gütersloh kommende junge Führungsspieler erzählt, er habe seit seinem 16. Lebensjahr an allen seiner Stationen auch Jugendmannschaften trainiert, zuletzt beim Westfalenligisten Victoria Clarholz.

Sein Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte Hartmann beim Landessportbund, später arbeitete für den FC Schalke 04 als Coach in den Fußballercamps. Ein Leben für den Fußball! Nur wegen des Studiums fuhr er in Dortmund im Fußball zunächst eingleisig – bis jetzt.

Auch als Spieler hat Tobias Hartmann das Zeug für höhere Ligen als die Landesliga, das bewies er bereits. „Im Idealfall steige ich mit Brackel mal auf. Ich habe mich aber entschieden, auch in der Landesliga hierzubleiben. Die Mannschaft ist top. Und Giova als Trainer schätze ich sehr. Er erklärt, begründet seine Aussagen. Von ihm lerne ich viel. Wir als Mannschaft sollten uns ständig verbessern.“

Entwickeln möchte er zudem selbst die „begabten“ 06-Juniorenkicker. Für ihn als Trainer müsse in der Sonderklasse, wo die Brackeler Junioren auflaufen, nicht Endstation sein. Aber das sei gar nicht vorrangig, sagt Hartmann. „Ich möchte eine Taktik für das Team entwickeln. Brackel leistet sehr gute Nachwuchsarbeit. Ich möchte dafür sorgen, dass die Spieler und ich mich verbessern. Ich probiere mich aus, um den nächsten Schritt zu machen.“

Ein echter Gewinn für den SV Brackel 06: Tobias Hartmann. © Foltynowicz © Foltynowicz

So wie es der von ihm geschätzte Schiattarella auch tat: „Wir stehen alle hinter Giova. Jeder sieht ein, dass wir uns verbessern können, wenn wir auf ihn hören.“ Elfter ist die erste Mannschaft, Neunter sind die A-Junioren. Unabhängig der von Ergebnissen losgelösten Ziele ist da noch deutlich Luft nach oben. „Ja, wir spielen noch nicht so, wie wir es uns wünschen“, sagt Hartmann einsichtig.

Aber der Verein tut gut daran, keinen Druck aufzubauen oder aufs Tempo zu drücken. Was die Brackeler machen, soll Perspektive haben. So installierte der Vorsitzende Olaf Schäfer den im Seniorenbereich erfahrenen Volker Bolte als Sportlichen Leiter der älteren Juniorenteams. Und dieser freut sich, dass ein Junge aus dem eigenen Stall die älteste Jugend übernimmt: „Das hat sich so ergeben. Tobi war offen für den Job, wir suchten jemanden, der bereit ist, auch dreimal die Woche mit den Jungs zu trainieren und am besten den Verein schon kennt.“ Das passte also, denn: „Tobi ist als Spieler, Typ und Trainer ein absoluter Gewinn für uns. Was gibt es Besseres, als solch einen Jungen für den verantwortungsvollen Job zu gewinnen?“, fragt Bolte.

Ganz so kompliziert, wie die Doppelbelastung für den Lehramtsstudenten Hartmann scheint, ist sie laut Bolte nicht. „Wir wollen das Training der A-Junioren vor das der 1. Mannschaft legen. Das ist nicht nur für Tobi eine Erleichterung, sondern bindet auch die Nachwuchs-Spieler enger an den Seniorenbereich.“ Hartmann steht bereit: „Ich kenne das gar nicht anders, ich mache das auch gerne, selbst wenn die Einheiten nicht so nahe beieinanderliegen.“

Gleich sieben Mal die Woche ist Hartmann so für den SV Brackel 06. im Einsatz. Drei Mal die Woche trainiert er mit der ersten Mannschaft, zwei Mal die A-Junioren. Hinzukommen die Spiele am Sonntag. Eines mit der Landesliga-Truppe auf dem Platz und das andere an der Seitenlinie mit den A-Junioren.

Lernen und Lehren aber trifft für den jungen Spieler nun in unmittelbarer Abfolge aufeineinander.

Lernen und Lehren, das könnte auch die Überschrift über Hartmanns Lebensplan sein. Dass er hauptberuflich Lehrer werden möchte, ist da fast die logische Schlussfolgerung. Und auch das bekommt der junge Mann unter einen Hut: „Ich lege mir die Veranstaltungen an der Uni so, dass ich Zeit für den Fußball habe.“

B-Elite-Lizenz ist das nächste Ziel

Aber ohne Fleiß kein Preis, so denkt Hartmann auch im Studium der Fächer Mathe und Sport: Zielstrebig sammelt er von Semester zu Semester die Scheine. Stichwort Schein: Den B-Trainerschein hat er, jetzt möchte er sich auch noch Stunden freischaufeln, um die B-Elitze-Lizenz zu erlangen. „Das kriege ich auch schon hin“, sagt er. Und während andere in Anbetracht dieser Belastung stöhnen würden, sagt Hartmann bewusst und konsequent: „Ich genieße das. Ich genieße, Verantwortung zu übernehmen.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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