Mehrere Polizeikräfte mussten zu einem Fußballspiel anrücken. © Goldstein
Fußball

Vier Monate nach Spielabbruch und Faustschlag: Was hat sich beim SC Osmanlispor getan?

Vier Monate ist der Spielabbruch beim Spiel des SC Osmanlispor gegen den VfB Lünen her, den ein Ex-Spieler des Dortmunder Klubs verursachte. Was hat sich seitdem getan? Wir haben mit Hasan Kayabasi gesprochen.

Viele reden über Türkspor. Der, um es etwas provokant auszudrücken, neureiche Verein aus dem Dortmunder Norden hat gute Argumente, natürlich auch sportliche, um Spieler zu locken. Einer, über den viele während seiner aktiven Laufbahn und seiner facettenreichen Funktionärslaufbahn redeten, schlägt nun bei einem anderen Verein mit türkischen Wurzeln, dessen Heimat der Dortmunder Westen ist, bewusst einen anderen Weg ein. Er will dem Klub aber auch ein neues Image verpassen…

Hasan Kayabasi (47), Sportlicher Leiter des A-Kreisligisten SC Osmanlispor, rödelt im Sinne seines aktuellen Klubs. Er will den Verein mit einem Begriff, der im Interview beinahe wie ein Zauberwort wirkt, langsam nach oben bringen.

Hasan Kayabasi, verraten Sie uns doch bitte Ihren Lieblingsbegriff, wenn es um Ihr Handeln, Ziele und Pläne geht…

Struktur! Ich höre woanders das Wort Familie. Dabei sieht es da doch so aus, dass die Spieler gehen, sollte mal das Geld ausbleiben. Und dass das passiert, ist bei einem großen Mäzen nicht unwahrscheinlich.

Und wie sieht die Struktur für einen Mann, der auch schon bei nicht gerade armen Klubs im Dienst war, beim SCO aus?

Zuallererst ist mir wichtig, ein Umfeld zu haben, in der ich meine Erfahrung einbringen kann. Die Leute hier nehmen das auch an. Und das gefällt mir schon mal und hat mich letzendlich auch gereizt, hier etwas zu entwickeln. Ja, und natürlich möchte ich – da sind wir wieder bei den Strukturen – Bedingungen haben, die erfolgreichen Fußball ermöglichen. Das muss aber gesund wachsen. Und ich brauche Leute, die von unserem Konzept überzeugt sind. Sonst hätte ich den Job nicht angetreten.

Was machen Sie genau?

Der Spielbetrieb ruht, der Vorstand arbeitet. Wir nutzen verschiedene Mittel, um mehrere Sponsoren zu gewinnen und um uns auch für Spieler und Fußballfreunde generell interessant zu machen.

Auf Instagram sind Sie musikalisch und bildlich sehr zeitgemäß unterwegs. Verraten Sie uns, die des Türkischen nicht mächtig sind, worum es da geht?

Ja klar, wir präsentieren unseren Verein positiv, stellen Sponsoren vor, bieten ihnen eine Bühne.

Ist das Imagepflege oder Arbeit an einem neuen Profil?

Unser Ruf war in den vergangenen Jahren nicht der beste. Ich habe mir ganz klar zum Ziel gesetzt, dass uns die Leute positiv wahrnehmen. Ich bin angetreten, um Disziplin reinzubringen. Wir hatten ja noch einen Fall, als einer unserer Spieler eine Achtjahres-Sperre wegen einer groben Tätlichkeit gegen den Schiedsrichter kassierte. Wir haben da schon das Zeichen gesetzt, dass wir soetwas nicht mehr dulden. Mit solchen Leuten arbeiten wir nicht zusammen. Das ist aber auch nicht der Verein, den ich kenne.

Wie setzen Sie sich für den guten Ruf ein?

Mein Amt in der Kreisspruchkammer verschafft mir schon Respekt. Ich bekomme es da ja schließlich mit undisziplinierten und zum Teil auch gewalttätigen Spielern zu tun. Ich kann ja da nicht Leute verknacken und meinen eigenen Jungs sagen, ihr dürft das. Ich achte darauf, dass alle Spieler – sowohl die etablierten als auch die neuen – vernünftig sind. Zudem habe ich ein Team mit jungen Vorstandskollegen, das ganz in meinem Sinne handelt.

Wie gehen Sie und wie gehen die Akteure mit dem negativen Ruf und der jüngsten Entgleisung Ihres Ex-Spielers um?

Also, diese Aktion mit Treten und Schlagen haben unsere Spieler klar missbilligt. Sie haben sich deutlich davon distanziert. Mit so etwas möchte keiner in Verbindung gebracht werden. Ich sehe es als meine Aufgabe an, mit den Spielern in Kontakt zu treten und zu bleiben. Das lege ich auch dem vielleicht noch etwas unerfahrenen Vorstand nahe. Denn nur wenn die Chemie zwischen Verein und Spielern stimmt, benehmen sich die Leute auch im Sinne des Klubs. Wir nehmen auch an Präventionsveranstaltungen teil, sollten diese wieder möglich sein. Von dem erwähnten Spieler haben wir nie mehr etwas gehört. Um ehrlich zu sein, wollen wir mit ihm auch gar nichts mehr zu tun haben. Zum Glück geht es dem Schiedsrichter, dessen Frau ich ja damals zur Klinik gebracht hatte, besser. Wir hatten uns ja schon während der Spruchkammersitzung noch einmal in aller Form entschuldigt.

Was sagen Sie Ihren Spielern dann genau?

Emotionen gehören dazu, aber keine Undiszipliniertheiten. Ich habe ja nun jahrelange Erfahrung. Auch zum Beispiel beim Lüner SV gab es Kandidaten, denen ich mal ein paar Dinge erklärt habe. Ich denke, die Spieler hören auf mich. Ich dulde es auch nicht, wenn sie diese unsere Werte missachten. Dazu zählt auch Ehrlichkeit. Wenn die Jungs mit Problemen offen umgehen, bewerte ich deren Verhalten wohl auch anders, was nicht heißen soll, dass wir schlechtes Benehmen nicht sanktionieren. Aber wir wollen ja auch dahin, dass die Leute uns positiv wahrnehmen.

Am Platz des VfB Lünen kam es am vergangenen Sonntag zu einem Spielabbruch. © Goldstein © Goldstein

Reden wir dann also über die Zukunft. Sie sagten, Sie sind ständig unterwegs. Haben Sie schon mit den etablierten und eventuell neuen Leuten geredet?

Das kommt jetzt. Ich denke, in der A-Liga reicht es, wenn wir Ende Januar oder Anfang Februar loslegen. Dann, wenn wir wirklich wissen, wohin unsere Reise geht oder ob Spieler nicht doch noch andere Pläne im Hinterkopf haben. Da wir jetzt in Rahm auf Kunstrasen und nicht mehr auf der alten Asche in Nette spielen, verbessert sich aber unsere Ausgangslage in den Gesprächen. Ich denke, wir finden schnell zueinander mit den Leuten, mit denen wir es wollen und die es mit uns wollen.

Diese Einschätzung, wer was plant, dürfte im Coronajahr allerdings schwierig sein…

Ja, das ist richtig. Und dabei kommt für Osmanlispor hinzu, dass wir aktuell keinen Trainer haben. Ich werde das nicht machen, will aber bald einen neuen Mann präsentieren. Nur gilt auch für ihn: Wir wissen gar nicht, wie es weitergehen soll. Wir stehen zwar im Mittelfeld, aber die Voraussetzungen können sich ändern.

Hasan Kayabasi (schwarzes T-Shirt) ist neuer Sportdirektor beim SC Osmanlispor. © Goldstein © Goldstein

Was meinen Sie?

Ich rechne damit, dass die Saison annulliert wird. Und bei einem etwaigen Start bei Null definieren vielleicht viele neue Ziele.

Aber um jeden Preis aufrüsten wollen Sie ja nicht. Welche sind dann Ihre Ziele?

Nein, das tun wir nicht. Ich habe kürzlich mit einem Spieler eines anderen Vereins gesprochen. Der fragte mich gleich: ‚Was kann ich bei euch verdienen?‘ Ich sagte: ‚Falsche Frage!‘ Das Gespräch war damit beendet. Das wollen wir nicht. Ich denke, der neue Trainer soll in der kommenden Saison ein Team haben, das neben unseren Routiniers aus vielen jungen hungrigen Spieler besteht. In ein, zwei Jahren möchten wir dann schon mal oben anklopfen.

Und dann rocken Sie die sozialen Netzwerke?

Das wäre schön. Wenn es klappt, machen wir das auch.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Dortmunder Jung! Seit 1995 im Dortmunder Sport als Berichterstatter im Einsatz. Wo Bälle rollen oder fliegen, fühlt er sich wohl und entwickelt ein Mitteilungsbedürfnis. Wichtig ist ihm, dass Menschen diese Sportarten betreiben. Und die sind oft spannender als der Spielverlauf.
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Alexander Nähle

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