Der neue Türkspor-Trainer: Sebastian Tyrala. © imago/Martin Hoffmann
Fußball

Türkspor-Trainer Sebastian Tyrala will es bei TSD Jürgen Klopp gleichtun

Nach lang anhaltender Suche hat Türkspor Dortmund seinen neuen Trainer gefunden: Ex-BVB-Profi Sebastian Tyrala übernimmt - und spricht über seine Karriere, Ziele und seinen Führungsstil.

Die Anfrage kam unerwartet. Auf einmal klingelte das Telefon, auf einmal musste sich Sebastian Tyrala Gedanken über seine Zukunft machen. Dabei war er doch gerade damit beschäftigt, in Diensten seines Heimatklubs SV Bad Sassendorf „etwas aufzubauen“, wie er sagt. Ex-Profi Tyrala ging also in Klausur und überlegte. Final gab die ihm aufgezeigte Perspektive den Ausschlag. Er schlug ein – vorerst für anderthalb Jahre.

Bleiben ein paar Fragen: Was ist vom neuen Trainer von Türkspor Dortmund zu erwarten? Welchen Typ verkörpert der 32-Jährige? Und was treibt ihn an? Dimitrios Kalpakidis, der als Sportlicher Leiter eng mit Tyrala zusammenarbeiten soll, sagt: „Er ist ein positiver Typ, strahlt positive Energie aus.“ Der neue Frontmann des Nordstadt-Klubs besitze „eine gewisse Erfahrung. Das sieht man an seinem Werdegang“. Fürwahr: Tyralas Vita ist üppig bestückt.

144 Drittliga-Einsätze sind für ihn gezählt, der einst im zentralen Mittelfeld kickende Tyrala kam zudem 37-fach in der Zweiten Liga zum Einsatz, lief in sieben Bundesliga-Spielen für den BVB auf – und vertrat einmal die Nationalmannschaft Polens, 2008 gegen Serbien. „Dieses eine Spiel nimmt mir keiner mehr“, sagt Tyralla gegenüber den Ruhr Nachrichten und nennt es „ein tolles Erlebnis“ seiner Karriere, doch sicherlich nicht das einzige.

Wenn er zurückblickt, kommt ihm der Erstliga-Aufstieg mit Greuther Fürth in den Sinn, er denkt daran, wie es war, „vor 80.000 Fans im Westfalenstadion zu spielen“, oder wie er mit Rot-Weiss Erfurt Jahr für Jahr erfolgreich gegen den Drittliga-Abstieg ankämpfte. All das schmückt sein fußballerisches Schaffen, auf das er stolz, nicht hadernd schaut. Obschon Tyrala immer wieder durch heftige Verletzungen lahmgelegt wurde.

Ex-BVB-Profi Sebastian Tyrala hatte viel Verletzungspech

Dies gehört zu seiner Geschichte. Gerade erst hatte er bei Borussia Dortmund einen Profi-Vertrag unterschrieben, da kollidierte der 17-Jährige mit Jan Koller, zog sich seinen ersten Kreuzbandriss zu. Zwei weitere sollten folgen, außerdem Muskelfaserrisse und ein Knorpelschaden. Gründe fürs Was-wäre-wenn-Gedankenspiel wären demnach vorhanden. Doch daran will sich Tyrala nicht beteiligen. „Ich habe großartige Erfahrungen gemacht“, sagt er.

„Darüber hinaus ist der Fußball nicht das Top-Thema Nummer eins.“ Tyrala ist Familienvater, im Anschluss an seine Karriere begann er eine Ausbildung bei einer Versicherung. Und er engagierte sich bei seinem Heimatverein Bad Sassendorf, von dem er einst als Juniorenspieler zum BVB zog. Im Kreis Soest trainierte Tyrala zuletzt die Kreisliga-Truppe, eine Herzensangelegenheit, erklärt er. Deshalb fiel ihm der Abschied so schwer.

„Bei Bad Sassendorf haben wir die Vision, irgendwann mal in die Landesliga zu kommen – auch wenn jeder weiß, wie schwer es ist, selbst in der Kreisliga Spieler zu finden. Es gibt nämlich keine Kohle bei uns, alles funktioniert nur mit Freundschaft, Gemeinschaft und viel Fleiß“, sagt Tyrala. „Wir wollen zeigen, was ohne Geld alles möglich ist. Gerade haben wir eine richtig gute Truppe beisammen, deshalb kam mir das Angebot eher ungelegen“, lacht er.

Warum Tyrala dennoch sein Ja-Wort gab? „Türkspor ist ein Verein mit Ambitionen, der Klub hat etwas vor – genauso wie ich. Ich will schon länger eine ambitionierte Mannschaft trainieren. Hier habe ich ein tolles Team mit richtig hoher Qualität.“ Tyrala persönlich will deshalb nicht mehr die Schuhe schnüren. In Bad Sassendorf griff er teilweise noch ein, wenn Bedarf bestand. „Hier werde ich nicht helfen können – die Mannschaft ist zu gut.“

Ex-BVB-Profi Sebastian Tyrala ist „keiner, der allein bestimmt“

Im Türkspor-Kader sieht er großes Potenzial. Und wie immer in seiner Laufbahn, „will ich das Maximum erreichen“. Kurzum: den Aufstieg in die Westfalenliga. „Den möchten wir schaffen, wenn es geht schon dieses Jahr, ansonsten in der kommenden Saison.“ Bei dieser Mission wird ihm Marcel Reichwein assistieren – als spielender Co-Trainer. Der Ex-Profi erhalte ein gewichtiges Mitspracherecht, erklärt Tyrala.

„Ich bin kein Trainer, der alleine bestimmt. Jeder gute Coach hat ein gutes Trainerteam, das habe ich bei Jürgen Klopp gesehen. Wir haben bei Türkspor viele gute Leute. Am Ende muss ich bestimmte Entscheidungen treffen, ja. Die anderen Trainer aus dem Team könne mir aber durchaus die Meinung geigen, wenn sie etwas anders sehen“, betont der Türkspor-Neuzugang, der froh ist, als weiteres Plus Kalpakidis an seiner Seite zu wissen.

„Dimi kennt hier Gott und die Welt – das ist sicherlich hilfreich“, so Tyrala. „Ich habe zwar ein bisschen verfolgt, wie sich Türkspor macht. Einerseits kenne ich Dimi, andererseits kenne ich Kevin Großkreutz, der hier ja als Trainer war. Im Dortmunder Fußball bin ich allerdings trotzdem eher frisch dabei. Da ist es gut, wenn mir Leute helfen, die richtig viel Wissen haben und viele Spieler kennen.“ Das Netzwerk dafür fehlt Tyrala noch.

Sein aktuelles Team will er schnellstmöglich treffen – freilich erst einmal virtuell. In ein bis zwei wöchentlichen Cyber-Einheiten soll an Kraft und Ausdauer gearbeitet werden. Außerdem kündigt Tyrala an, „dass demnächst Trainingspläne rausgehen werden. Wenn die Saison fortgesetzt werden sollte, wollen wir vorbereitet sein. Wir wollen im Flow bleiben. Und wenn ich die Jungs ab und an sehe, ist die Eingewöhnung leichter.“

Sebastian Tyrala wünscht sie Gegenpressing wie bei Jürgen Klopp

Mancher meine vielleicht, jetzt komme der Ex-Profi, der glaube, alles besser zu wissen, sagt Tyrala. „Doch man wird schnell merken, dass ich eine lustige, bodenständige Socke bin. Ich bin ein kommunikativer Typ, mag es Spaß zu haben und Späße zu machen. Darum hoffe ich auch, dass meine Spieler ein wenig einstecken können“, bemerkt er lachend, ehe der seriöse Nachsatz folgt: „Auf dem Platz müssen wir allerdings Vollgas geben, das erwarte ich.“

Damit spricht Tyrala erstens den Arbeitsethos seiner Akteure an, zweitens die von ihm gewünschte Spielweise. Denn: „Das Gegenpressing ist mir wichtig. Die anderthalb Jahre bei Jürgen Klopp haben mich geprägt. Ich will Tempo sehen gegen den Ball“, sagt der Trainer, der seine Mannschaft gleichfalls dazu bringen möchte, dass sie mit der Kugel flexibel Lösungen findet. So lautet – ganz grob umrissen – seine Idee.

Fragt sich nur, wann er sie erstmals auf dem Platz erproben kann. Und ob sich der Ex-Profi in der Lage zeigt, den Klub zu befrieden. Nicht unter den Tisch fallen darf: Tyrala war beileibe nicht die A-Lösung.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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