Julian Nagelsmann wird Trainer beim FC Bayern - der zahlt rund 25 Millionen Euro Ablöse dafür. Was sagen die Dortmunder Amateurfußball-Trainer dazu? © picture alliance/dpa/RB Leipzig
Fußball

Trainer über Nagelsmann und Gehälter: „Hätte kein Problem, wenn ein Spieler mehr bekommt“

Bayern München ist bereit, mehr als 20 Million Euro für Julian Nagelsmann auszugeben. Übertrieben? Und darf ein Spieler mehr verdienen als der Trainer? Wir haben Dortmunder Trainer gefragt.

Jürgen Klopp hat mal sinngemäß gesagt, dass ein Trainer mehr verdienen muss als sein bestbezahlter Spieler. Das ist wohl nur ein Wunschgedanke. Vielleicht schaffen das Klopp, José Mourinho oder Pep Guardiola. Ansonsten dominieren Spieler wie Messi, Cristiano Ronaldo, Neymar oder Kylian Mbappé die Gehaltslisten ihrer Klubs.

Wir haben mit sechs Dortmunder Trainer über Nagelsmanns Ablösesumme und Trainergehälter gesprochen. Und wie sie es finden würden, wenn Spieler in seinem mehr verdienen würden als er selbst.

Antonios Kotziampassis (Trainer ASC 09 Dortmund): „Ich sehe es sehr kritisch, dass in der aktuellen Lage solche Ablösesummen bezahlt werden. Es gibt viele Menschen, denen es gerade finanziell nicht gut geht oder Angst um ihren Job haben. Aber es zeigt sich einfach, dass der Fußballmarkt bereit ist, solche Summen für einen Trainer zu bezahlen. Klar hat Klopp gesagt, dass der Trainer immer mehr verdienen muss als der Spieler. Insgesamt habe ich aber keine Probleme damit, dass Spieler mehr verdienen als Trainer. Denn jeder verdient das, was er für sich aushandelt. Ich kenne in Aplerbeck die Gehälter meiner Jungs nicht. Aber es wäre okay, wenn ein Spieler mehr als ich verdiene. Dann hat er gut gehandelt. Das habe ich als Spieler auch immer getan.“

Florian Gondrum (Spielertrainer FC Brünninghausen): „Julian Nagelsmann ist einer der besten Trainer, die es in Europa gibt. Ich habe mich immer gefragt, warum die Ablösesumme bei den Trainern noch im humanen Bereich lag. Bei uns im Verein kenne ich die Gehälter der Spieler. Wenn jemand dabei ist, der mehr als ich verdient, dann ist das das Normalste der Welt. In der Oberliga gibt es viele Spieler, die mehr als der Trainer verdienen. Ich persönlich habe damit kein Problem. Es gibt Topspieler, die einfach mehr verdienen. Wenn man so einen haben will, muss man den auch bezahlen.“

Arthur Matlik (Trainer BSV Schüren): „Endlich wird mal für einen Trainer richtig bezahlt. Ich habe schon lange darauf gewartet, dass es so sein wird. Das zeigt auch mal, wie wichtig ein Trainer ist. Ob ein Trainer immer mehr verdienen muss als sein teuerster Spieler, dass weiß ich nicht. Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann können so denken, sie sind die Speerspitze der deutschen Trainer. Aber insgesamt gibt es ein Überangebot an Trainern, deshalb verdienen sie nicht immer so viel wie die besten Spieler. Bei uns in Schüren weiß ich ungefähr, in welchen Bereichen sich die Aufwandentschädigungen meiner Jungs bewegen. Aber ich mache mich von Geldfragen komplett frei. Und wenn ein Spieler genauso so viel investiert wie ich als Trainer, dann ist es okay, dass er genauso viel verdient.“

Sebastian Tyrala (Trainer Türkspor Dortmund): „In der aktuellen Situation kann ich nachvollziehen, dass Bayern so viel für Julian Nagelsmann ausgibt. So viele Trainer seines Formats gibt es nicht auf dem Markt. Ich denke, dass der hohe Preis den Job des Trainers aufwertet und verdeutlicht, wie wichtig ein Trainer ist. Ich habe noch nie gesehen, dass Spieler rausgeschmissen werden, nur weil die Mannschaft viermal hintereinander verliert. Ich habe es ja als Profi gesehen, wie akribisch Trainer arbeiten. Vorbereitung, Training, Nacharbeit. Der Job des Trainers ist bestimmt zeitaufwendiger als der des Spielers. Aber letztlich handelt jeder für sich sein Geld aus. Das ist auch bei Türkspor so, deshalb wäre es mir egal, wenn Spieler mehr bekommen würden als ich.“

Alex Enke (Trainer Hombrucher SV): „Ich weiß nicht, was die Jungs bei uns bekommen. Das ist mir tatsächlich auch relativ egal. Es ist nicht meine Baustelle im Verein. Wenn es Topspieler gibt, die beispielsweise mehr als ich bekommen sollte, dann wäre mir das gleich.“

Sascha Rammel (Trainer Kirchhörder SC): „Der Nagelsmann-Wechsel ist legitim für Bayern. Es kam ja scheinbar primär nur Nagelsmann infrage. Er wird sicherlich eine langfristige Personalie für den Klub sein und eine Investition in die Zukunft. In Kirchhörde hat man als Trainer auch mit Aufgaben außerhalb der Trainertätigkeit zutun. Wenn es um Finanzielle geht, dann bin ich aber raus. Das ist Aufgabe der Sportlichen Leitung. Damit möchte ich auch nichts zutun haben. Fußball ist ein Hobby und so wird das hier in Kirchhörde auch gelebt.“

Ihre Autoren
Sportredaktion Dortmund
Lokalsport ist mehr als ein reines Ergebnis. Es ist ein Erlebnis.
Zur Autorenseite
Thomas Schulzke
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
Zur Autorenseite
Patrick Schröer
Lesen Sie jetzt