Bei einem Gegner des ASC 09 Dortmund hat die Coronavirus-Pandemie harte Konsequenzen. © Nils Foltynowicz
Fußball-Oberliga

Sorge vor Corona: Die ersten Oberliga-Spieler hören freiwillig mit dem Fußballspielen auf

Einige Spieler eines Fußballklubs der Oberliga Westfalen werden in Zukunft erstmal nicht mehr auf dem Platz stehen - aufgrund der Corona-Pandemie. Sie sind aber weder infiziert noch in Quarantäne.

Eine Fußball-Oberliga-Mannschaft befindet sich aktuell noch in Quarantäne. Im direkten Umfeld eines Oberliga-Spielers hatte es einen Corona-Fall gegeben, mehrere Kicker des Teams hatten wohl Kontakt zu dieser Person. Wenn das Team am Donnerstag (29. Oktober) zum Oberliga-Spiel gegen den Holzwickeder SC antritt, sind die Spieler gerade einmal zwei Tage aus der Quarantäne. Trotzdem wird die Mannschaft gegen den HSC nicht komplett sein.

Einige Spieler des TuS Ennepetal werden erstmal nicht mehr für das Oberliga-Team auflaufen – freiwillig. Die betroffenen Kicker arbeiten in der Gastronomie, im Handwerk und in der Altenpflege, alles Berufe mit direktem, häufigem und intensivem Kontakt zu anderen Menschen. „Die Arbeitgeber haben unsere Spieler darauf angesprochen, ob das Infektionsrisiko im Fußball nicht zu groß sei“, erzählt Thomas Riedel, Sportlicher Leiter des TuS Ennepetal. „Die Jungs haben das Ganze genauso gesehen und sich dazu entschieden, Verantwortung zu übernehmen und vorerst nicht mehr Fußball zu spielen.“

Sportlicher Leiter des TuS Ennepetal: „Das macht mich fassungslos“

Eine Entscheidung, für die Riedel absolutes Verständnis hat. „Ich bin froh, dass unsere Spieler so verantwortungsvoll gehandelt haben – im Gegensatz zum Westdeutschen Fußballverband.“ Der Sportliche Leiter kritisiert die Entscheidung der Verantwortlichen, die Saison trotz steigender Infektionszahlen weiterlaufen zu lassen. „Das macht mich fassungslos. Ich weiß nicht, in welcher Welt der WDFV lebt, das ist kompletter Wahnsinn.“

Riedel geht es dabei gar nicht so sehr um das Infektionsrisiko auf dem Platz selbst. Die größte Gefahr würden die Begleitumstände mit sich bringen. „Es geht um die Situationen vor und nach einem Spiel, um die An- und Abreise, um die Zeit in der Kabine und beim Duschen“, so der Ennepetaler. Dass die Hygienekonzepte der Vereine nicht eingehalten werden, könne man jedes Wochenende auf den Fußballplätzen beobachten. „Jeder, der behauptet, dass die Regeln immer zu 100 Prozent eingehalten werden, lügt, oder war noch nie auf einem Fußballplatz.“

„Wir als Gesellschaft“, erklärt Riedel, „kommen mit der zweiten Welle überhaupt nicht klar und der Fußball gehört dazu, das fliegt uns langsam um die Ohren.“ Die meisten seien laut Riedels Ansicht langsam „Corona-müde“ geworden. „Ich hoffe, dass nicht erst ein junger Kicker an den Folgen einer Corona-Infektion sterben muss, damit die Amateurfußball-Saison gestoppt wird.“

Thomas Riedel mahnt vor Folgen für Gesundheit und Wirtschaft

Neben der Gesundheit sei das Verhalten der Amateurfußballer – und der Gesellschaft allgemein – auch eine Katastrophe für die Wirtschaft. „Machen wir so weiter, hat das Ganze nunmal entsprechende negative Konsequenzen für die Wirtschaft, das ist ein Fakt.“ Womit sich der Kreis schließt. Riedel könne verstehen, dass einige seiner Kicker erstmal auf den Fußball verzichten wollen, um das Infektionsrisiko für sich selbst und ihre Arbeitgeber zu senken. „Und das ist nicht nur bei uns so, ich habe das auch schon von anderen Teams gehört“, so der Sportliche Leiter. „Es gibt nunmal wichtigeres als den Fußball.“

Stand heute stehen Riedel und das Oberligateam der Ennepetaler am 29. Oktober gegen Holzwickede aber wieder auf dem Platz – auch wenn das dem Sportlichen Leiter eigentlich nicht passt. „Die Frage ist doch gar nicht mehr, ob wir die Saison abbrechen, sondern wann. Und meiner Meinung nach sollten wir das so früh wie möglich machen, am besten sofort.“

Über die Autorin
Redakteurin
Jahrgang 1993, geboren und aufgewachsen in Dortmund. Liebt den Sport und die Emotionen dabei privat und beruflich, vor allem den Handball. Seit 2014 bei Lensingmedia - nach Praktikum, freier Mitarbeit und Volontariat jetzt Sportredakteurin.
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Nina Bargel

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