Eigentlich gibt es bei den Eisadlern nur einen Wunsch: Möglichst schnell zurück aufs Eis. © Folty

Saison ist noch nicht abgesagt, aber die Spielfläche eines Dortmunder Vereins ist weg

Das Eis schmilzt und mit ihm die letzte Hoffnung der Eisadler Dortmund auf die ersehnten Regionalliga-Spiele in der Saison 2020/21. Dabei fühlte man sich sportlich doch richtig gut aufgestellt.

Sportlich hatten sich die Dortmunder Eisadler das Abenteuer Eishockey- Regionalliga mehr als verdient. Als Landesligameister wollte man in der neustrukturierten Liga bestehen. Doch jetzt ist selbst das Eis unter den Kufen nicht mehr da.

Denn an der Strobelallee ist Tauwetter angebrochen. Im Eissportzentrum Westfalen wird abgeeist – auch um Kosten zu sparen. In ersten Linie sind es Energiekosten, die anfallen, um die 1800 Quadratmeter große Eisfläche auf Minustemperatur zu halten. Dazu kommen aber auch notwendige Ausgaben für die regelmäßige Aufbereitung und Instandhaltung des Eises. Ausgaben, die angesichts gestoppten Sportbetriebs keinen Sinn machen.

Dortmund steht mit dieser Maßnahme auch nicht allein. Bereits mehrere Regionalliga-Konkurrenten verfügen vor Ort nicht länger über frostige Wettkampfbedingungen. So wird in der Nachbarstadt Essen, wo die Moskitos zuhause sind, ebenso geschmolzen wie in Duisburg, Grefrath und Neuss. In Neuwied war erst gar nicht aufgeeist worden für eine Saison, die es gar nicht gibt.

Kettenreaktion in den Städten

„Auch wenn das vom Eishockey-Verband NRW so noch nicht offiziell gesagt worden ist, heißt das faktisch nichts anderes, als dass die Saison 2020/21 gelaufen ist“, sagt der Sportliche Leiter der Eisadler, Klaus Picker. „Ich kann aber auch nachvollziehen, dass es in den Städten zu dieser Kettenreaktion gekommen ist. Und es werden sicher noch weitere folgen, weil die wirtschaftlichen Gründe einfach auf der Hand liegen.“

Die Enttäuschung ist trotzdem da. „Wir haben ja immer gehofft, dass es nochmal aufs Eis gehen könnte. Wenn vielleicht auch nicht für die erste Mannschaft, so doch vielleicht für den Nachwuchs. Aber daraus wird nun auch nichts.“ Denn wo das Eis fehlt, nützen auch die besten Hygienepläne nichts.

Der Zug für eine wertbare Saison war aus Pickers Sicht aber schon früher abgefahren. „Das wäre nicht sinnvoll zu machen gewesen, im Januar noch einen Modus zu zimmern, der sowas wie einen ernsthaften Ligabetrieb erlaubt hätte. Für uns und vor allem für die Spieler ging es im Januar nur noch darum, überhaupt mal wieder aufs Eis zu dürfen. Über das ein oder andere Freundschaftsspiel hätte sich schon jeder gefreut.“

Tragisch für die Eisadler ist die gestrichene Saison aus Pickers Sicht noch aus einem anderen Grund. „Wir waren bei den Zuschauerzahlen zuletzt richtig im Aufwind. Ich war vor Corona bei Spielen mit bis zu 700 Zuschauern. Das war richtig gut.“ Müssen die jetzt neu gewonnen werden? „Ich hoffe nicht, dass wir nach einem Jahr den Anschluss verpasst haben“, sagt Picker. „Ich setze eher darauf, dass die Leute, wenn es irgendwann wieder losgeht, vielmehr richtig Lust auf den Sport und ordentlich Nachholbedarf haben.“

Lupenreine Amateure

Keine Sorgen macht sich Picker hingegen um den Kader. „Ganz klar, unsere Spieler sind alles lupenreine Amateure, die jetzt erstmal alle ihr Leben mit Beruf und Familien bewältigen müssen. Aber dass auch nur einer von den Jungs jetzt keinen Bock mehr auf Eishockey hat, damit rechne ich nicht und davon hab ich auch noch überhaupt nichts gehört.“

Und auch was die wirtschaftlichen Risiken betrifft, sieht Picker die Eisadler noch eher in ruhigem Fahrwasser – auch wenn es in Zeiten des Stillstands natürlich noch schwerer gewesen sei, etwa Sponsoren zu gewinnen. „Aber die Kosten der letzten Monate waren zum Glück nicht hoch. Bei uns spielen eben nur Amateure – wir zahlen also keine laufenden Gehälter, sondern höchstens die Fahrtkosten. Und das hat uns schon sehr in den letzten Monaten geholfen, die ja weitgehend ohne Einnahmen waren.“

Präsenz durch die Profis

Dass Eishockey aus dem Fokus der Sportfans gerät, die Sorge hat Picker indessen nicht. Dass das nicht passiert, dazu trage auch bei, dass wenigstens in den Profiligen wie der DEL, der DEL II und der Oberliga gespielt werde. „Klar guckt man da als Amateur auch mal neidisch hin. Aber letztlich ist es erstmal gut, dass die Profis unserem Sport Präsenz verschaffen.“

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Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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