Marcus Uhlig ist Vorstand von Rot-Weiss Essen. © imago images/Noah Wedel

Rot-Weiss Essen blamiert sich mit Einspruch gegen den BVB II auf ganzer Linie

Das Sportgericht des Westdeutschen Fußballverbandes hat am Mittwoch pro BVB II entschieden. RW Essen hat sich dagegen blamiert, schreibt Redakteur Thomas Schulzke in seinem Kommentar.

Rot-Weiss Essen hat eine überragende Saison abgeliefert. Sportlich. 90 Punkte hat die Mannschaft in der Fußball-Regionalliga eingespielt. Ein Top-Wert. Doch war der BVB II dieses Mal einfach drei Punkte besser. In der Außendarstellung ist Essen dagegen nicht wie ein Top-Team aufgetreten. Im Gegenteil. Eher amateurhaft. Das zeigt allein der Versuch, vor dem Sportgericht noch die Meisterschaft zu erringen. Letztlich musste Essen den Einspruch am Mittwoch noch während der Sitzung zurückziehen. Damit hat sich der Klub blamiert.

Dabei ist es noch nicht einmal klar, ob es am Ende einfach Unwissenheit war, die zum Einspruch der Essener geführt hat, oder einfach Kalkül, um den BVB II vor dem letzten Meisterschaftsspiel nervös zu machen. Es ist nämlich kaum vorstellbar, dass der Traditionsklub RW Essen es nicht wusste, dass er aufgrund der Spielordnung gar keinen Einspruch gegen Spiele einlegen darf, an denen er nicht teilgenommen hat. Wenn er es wirklich nicht wusste, muss Essen sich Gedanken über seine rechtliche Beratung machen.

Der Westdeutsche Fußballverband hat gegenüber unserer Redaktion bestätigt, dass er Essen im Vorfeld aufgeklärt hätte, wenn der Verein sich erkundigt hätte.

Dass der Präsident Marcus Uhlig jetzt noch nach dem Urteil von einem faden Beigeschmack spricht, passt einfach ins Bild. Das Sportgericht hat allen Beteiligten anhand der Paragraphen erklärt, dass der BVB II sich immer im Rahmen der Spielordnung bewegt hat. Für Uhlig ist das egal, er schießt den nächsten Giftpfeil ab.

Genauso, wie in der Essener Pressemitteilung steht, dass der Klub nicht den Einspruch vor dem letzten Spieltag öffentlich gemacht hat, sondern der Verband. Aber was blieb dem Verband denn anderes übrig? Wie sollte er denn erklären, dass es keine Meisterehrung am letzten Spieltag gibt? Und Uhlig war es letztlich, der auch gegenüber unserer Redaktion bestätigte, dass sein Klub Einspruch eingelegt hatte.

Uhlig war es auch, der im April gegenüber Reviersport sagte, „der BVB hat vor allen Dingen ein viel höheres Personal-Budget zur Verfügung. Es ist schon so, dass man da von einer gewissen Ungleichheit der Waffen sprechen kann. Wir tauschen uns diesbezüglich natürlich auch aus und wissen um die Gehälter in Dortmund.“ Immer wieder beschäftigte er sich unnötig mit dem Konkurrenten.

Der BVB dagegen hielt sich immer zurück, konzentrierte sich auf das Sportliche. Auch, als RW Essen nach dem kräftezehrenden Pokalerfolg nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen im Anschluss das Topspiel gegen den BVB II aufgrund der Unbespielbarkeit des Platzes abgesagt hatte. Auch, als Essen sich über Spielergehälter des BVB äußerte.

Gedanken über die Spielordnung machen

Womit Uhlig aber Recht hat, ist, dass sich Gedanken über die Spielordnung gemacht werden muss. Es ist schon kurios, dass es die Spielordnung zulässt, binnen kürzester Zeit die Spielerliste von 57 Akteuren auf 22 zu reduzieren, so wie es der BVB getan hat. Der BVB hat in dieser Situation aber einfach professionell gehandelt und alle Unwägbarkeiten im Aufstiegskampf aus dem Weg geräumt. Alles im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten.

Essen dagegen verstrickt sich in Mythen, wie in der aktuellen Pressemitteilung zum Ausgang der Sitzung am Mittwochabend. „Laut Informationen, die aus der Dortmunder Kabine zu uns drangen, wollte Trainer Enrico Maaßen unter keinen Umständen ohne diese drei genannten Spieler in Rödinghausen und gegen Bergisch Gladbach antreten und hatte dies auch deutlich vor der restlichen Mannschaft artikuliert“, ist hier zu lesen. Die Spieler, um die es sich hier handelt, sind Ansgar Knauff, Steffen Tigges und Felix Passlack. Passlack hat nicht einmal mehr nach der BVB-Quarantäne für die U23 gespielt.

Wie gesagt, sportlich hat RW Essen ein tolles Bild in dieser Spielzeit abgegeben. In der Außendarstellung hat der Klub dagegen verloren. Deutlich.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Lokalsport ist mehr als ein reines Ergebnis. Es ist ein Erlebnis.
Zur Autorenseite
Thomas Schulzke