Zum Verkriechen: 1932 verlor der große FC Schalke 04 gegen einen kleinen Dortmunder Traditionsverein. © Imago/MIS
Fußball

Nicht der BVB: Dieser Kreisligist war der erste Dortmunder Klub, der Schalke besiegte

Wenn Dortmund gegen Schalke siegt, feiert die ganze Stadt. Doch nicht der große BVB fügte dem S04 die erste Schlappe zu, sondern ein kleiner Traditionsverein. Nur wie genau ist heute unklar.

Es ist die Mutter aller Derbys im deutschen Fußball: Wenn Borussia Dortmund auf den FC Schalke 04 trifft, dann guckt ganz Fußballdeutschland in Richtung Ruhrpott. 181 Mal ist das Revierderby bislang über die Bühne gegangen.

63 Siege stehen bis dato für den BVB zu Buche – bei 47 Remis. Damit hat der königsblaue Erzrivale mit 71 Siegen die Nase im statistischen Vergleich derzeit vorne.

BVB gewann erst im 22. Duell

Dies liegt zu großen Teilen in der Schalker Dominanz begründet, die die Knappen zwischen Mitte der 1920er- und Mitte der 1940er-Jahre innehatten. Am 3. Mai 1925 stieg das erste Duell der ewigen Rivalen. Das Spiel im Rahmen der Ruhrgaumeisterschaft der Kreisliga endete mit 4:2 für den S04 – und sollte der erste von einer langen Liste an Siegen sein. Erst am 14. November 1943 – im insgesamt 22. Duell – gewann der BVB erstmals. Siegtorschütze beim 1:0-Erfolg in der Gauliga Westfalen war damals August Lenz.

Doch was viele nicht wissen: Borussia Dortmund war damit nicht die erste Dortmunder Mannschaft, die dem FC Schalke 04 eine Niederlage in einem offiziellen Meisterschaftsspiel zugefügt hat.

Diese Ehre wurde bereits am 11. Dezember 1932 einem anderen Traditionsverein zuteil: Dem heutigen A-Ligisten VfL Hörde. Der Verein für Leibesübungen, der 1920 aus der Fusion des SV Roland 1912 und des TV Eintracht 1913 hervorgegangen war, bezwang den großen Favoriten in der erstklassigen Bezirksliga Ruhr damals mit 2:1 – und das auch noch auf der Schalker Glück-Auf-Kampfbahn.

Hörde gelingt das „Sensatiönchen“

Ein waschechtes „Sensatiönchen“ habe Schalke damit fertiggebracht, wie der Kicker damals konstatierte. Ein Blick in die Spielberichts-Meldung aus dem Archiv des Fachmagazins, die unserer Redaktion vorliegt, gibt auch ein wenig Aufschluss über den Spielverlauf. So mussten die Schalker in der Partie auf Nationalmannschaftskapitän Fritz Szepan sowie Hermann Nattkämper verzichten.

Zwar wurden die „Knappen“ ihrer Favoritenrolle anfangs gerecht, „aber diesen ging mit ihrem 1:0-Führungstor aller Mumm verloren“, berichtet der Kicker. Was darin endete, dass der VfL Hörde das Spiel zu seinen Gunsten drehte. Wie genau das allerdings geschah, darüber lässt sich heute wohl nur noch spekulieren.

Tore oder Eigentore?

Denn in der Hörder Vereinschronik heißt es, dass der VfL dank zweier Ranke-Tore (Vorname des Hörder Spielers ist dieser Redaktion nicht bekannt) gewonnen habe. Laut Kicker schossen die Hörder selber jedoch keines der Tore: „Zwei Eigentore brachten den glücklichen Hördern das völlig überraschende Ergebnis, das allerdings die Meisterschaft des Titelhalters kaum gefährden wird“, heißt es in dem Bericht aus dem Jahr 1932.

Für den ganz großen Wurf langte es für Königsblau in dem Jahr übrigens nicht mehr. In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft war für Ernst Kuzorra und Co. im Halbfinale mit 2:4 gegen Eintracht Frankfurt Schluss. Und auch für den VfL Hörde endete die Saison ernüchternd.

Nach der Machtübernahme Adolf Hitlers wurde dem Verein der Zwangsabstieg verordnet. Nur den Sieg für die Geschichtsbücher gegen den großen S04 konnte den Hördern keiner mehr nehmen.

Über den Autor
2014 als Praktikant in der Sportredaktion erstmals für Lensing Media aufgelaufen – und als Redaktionsassistent Spielpraxis gesammelt. Im Oktober 2017 ablösefrei ins Volontariat gewechselt und im Anschluss als Stammspieler in die Mantel-Redaktion transferiert. 2021 dann das Comeback im Sport, bespielt hauptsächlich den Kreis Unna.
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Marc-André Landsiedel

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