Ein BVB-Akteur ernährt sich vegan. © Thomas Bielefeld
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Mentalitätsmonster der BVB-U23 ernährt sich vegan: „Habe jetzt mehr Energie“

Er gilt als Mentalitätsmonster und Lautsprecher in seiner Mannschaft, ist mit der BVB-U23 in die 3. Liga aufgestiegen - und ernährt sich vegan. Wie geht das im Profigeschäft? Wir haben mit dem BVB-Spieler darüber gesprochen.

Alles begann vor rund anderthalb Jahren. In der Corona-Zeit – eine anstrengende Phase auch für Sportler, egal ob Amateurkicker oder Profifußballer. Weil der Spielbetrieb für Wochen oder gar Monate ruhte, hatten die Kicker die Möglichkeit, zu reflektieren, Dinge aus ihrem Leben zu hinterfragen, sich mit neuen Ideen und Themen zu beschäftigen. Und genau das hat ein BVB-Aufstiegsheld getan. Der lebt seither nämlich vegan.

Profisport und Veganismus – passt das zusammen? Gewinnen Sportlerinnen und Sportler aus pflanzlicher Ernährung genügend Energie? Oder fühlen Sie sich schlapp und müde? Und haben Sie Schwierigkeiten, ihren Nährstoffbedarf zu decken? All diesen Fragen geht Lennard Maloney, Verteidiger bei der BVB-U23, seit Anfang vergangenen Jahres auf den Grund. Er ist Veganer und hat bereits erste Erkenntnisse am eigenen Leib gespürt.

„Es haben diverse Gründe eine Rolle gespielt, warum ich Veganer geworden bin. Ich habe viel darüber gelesen, habe mich mit dem Thema beschäftigt und wollte auch wissen, was andere Sportler davon halten. Nachdem ich die Doku „The Game-Changers“ gesehen habe, dachte ich mir, dass ich das einfach mal ausprobieren möchte. Ich wollte schauen, wie ich auf vegane Ernährung reagiere und bin dann dabei geblieben“, sagt Maloney.

BVB-Verteidiger Lennard Maloney ernährt sich vegan. © Thomas Bielefeld © Thomas Bielefeld

Eine Netflix-Doku war es also, die Maloneys Lebensstil in den vergangenen Wochen und Monaten gänzlich auf den Kopf gestellt hat. Kein Fleisch, keine Eier, keine Milch und kein Käse. Maloney setzt stattdessen auf pflanzliche Kost wie Gemüse, Salate und Fleischersatzprodukte. Aber worum genau geht es in der Doku überhaupt?

„Der Dokumentarfilm handelt von Top-Athleten, die sich bewusst dazu entschieden haben, sich ausschließlich vegan zu ernähren. Mit diesem Schritt handeln sie entgegen der gängigen Meinung, dass der Konsum von Fleisch ausschlaggebend für den Erfolg von Hochleistungssportlern ist. James Wilks, der schon einmal die Ultimate Fighting Championchip gewonnen hat, spricht für die Sendung mit Spitzensportlern sowie Ernährungs- und Gesundheitsexperten über das Thema“, wirbt Netflix mit seiner Doku. Maloney wollte wissen: Kann er das auch? Kann er ebenso von pflanzlicher Ernährung profitieren? Für seine Gesundheit und auch für sein Spiel?

In den Jahren zuvor habe der 21-Jährige sich bis dato ziemlich fleischhaltig ernährt. „Die Jahre davor habe ich schon ordentlich Fleisch gegessen. Nicht im Übermaß, aber ich hatte auch kein Problem damit, mal drei Steaks zu essen“, sagt er im Gespräch. Die Frage, die sich gestellt hat: Welches Argument für eine vegane Ernährung hat nun dazu abschließend dazu geführt, dass Maloney komplett umgestiegen ist? Gab es auch ethische Gründe und eine Ablehnung von Massentierhaltung?

„Ausschlaggebend war, dass ich gucken wollte, wo der Umstieg auf vegane Ernährung hinführt. Ich wollte wissen, wie sich das anfühlt. Ethische Gründe hatte der Umstieg in erster Linie nicht, wobei die Bilder, die man immer wieder sieht, schon erschreckend sind. Dennoch habe ich dabei mehr an mich gedacht“, beschreibt der 21-Jährige seine Beweggründe.

Nach und nach habe er in 2020 also daran gearbeitet, Fleisch aus seiner Ernährung zu verbannen, um stattdessen dann auf pflanzliche Kost zu setzen. Dass er nicht von jetzt auf gleich umswitchen könne, war ihm bewusst. Deswegen habe er Step-by-Step gearbeitet. „Ich habe begonnen, ein- bis zwei Mal pro Woche vegan zu essen. Irgendwann bin ich dann aber komplett geswitched. Ich fand den Umstieg nicht so schwierig, weil es gute Alternativen gibt, die genauso gut schmecken“, sagt Maloney.

Zwar gehe Maloney ab und an auswärts essen, gönne sich dann eine Bowl oder einen Salat, doch in den eigenen vier Wände bereite er seine Speisen am liebsten selbst zu. Sein absoluter Favorit seien Smoothies. „Ich habe mich an Smoothies verliebt. Da gibt es verschiedene Varianten, aber prinzipiell trinke ich gerne die mit Früchten. Nüsse kommen dann als Topping dazu“, sagt er.

Der Dokumentarfilm zeigt, dass jene Sportler, die sich vegan ernähren, insgesamt leistungsfähiger seien, sich fitter und energiegeladener fühlen. Hat Maloney diese Erfahrung seit seinem Umstieg auch gemacht? „Ich habe das Gefühl, dass ich seit dem Umstieg auf vegane Ernährung besser aus dem Bett rauskomme. Ich bin frischer unterwegs, habe mehr Energie. Nach harten Einheiten fühle ich mich auch nicht mehr so kaputt“, bestätigt der 21-Jährige Thesen aus der Doku.

Nur, was sagt eigentlich Maloneys Umfeld zu seinem veganen Lebensstil, der vielen trotz fortschreitender Entwicklung und der Zunahme von veganen Speisen immer noch befremdlich ist? „Blöde Sprüche zu meinem Umstieg habe ich überhaupt nicht wahrgenommen. Jeder respektiert das, was ich mache“, sagt Maloney und ergänzt: „Ab und zu habe ich nach einem Spiel auch mal veganes Essen für die Mitspieler mitgebracht. Denen hat das auch geschmeckt.“

Auch mit BVB-Trainer Enrico Maaßen habe sich Maloney schon mal bezüglich seiner Ernährung ausgetauscht. „Der Trainer fragt mich ab und zu mal, was ich esse, wenn ich wieder etwas mitgebracht habe. Es ist aber nicht so, dass wir uns jetzt intensiv darüber unterhalten“, schildert der Defensivmann.

Lennard Maloney hat vor rund eineinhalb Jahren also eine Entscheidung getroffen – in erster Linie für sich und seine Gesundheit. Aber von welcher Dauer ist diese? Bleibt Maloney dem Veganismus treu oder überlegt er in Zukunft, doch noch einmal ein tierisches Gericht zu verzehren? Maloney lächelt, als er die Antwort gibt.

„Als den typischen Veganer bezeichne ich mich nicht. Außerhalb der Saison gibt es bei mir auch mal ein Barbecue. Ich bin nicht komplett weg vom Fleisch. Aber wenn die Saison läuft, dann esse ich kein Fleisch mehr. Ich mache das hauptsächlich aus gesundheitlicher und sportlicher Sicht und werde auch dran bleiben“, so der Verteidiger.

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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