Jan Hennig und Kevin Mattes (l. im Bild) verlassen den Hombrucher SV im Sommer, obwohl sie schon für die nächste Saison zugesagt hatten. © Stephan Schuetze
Pro und Kontra

Kevin Mattes und Jan Hennig begehen Wortbruch – ist der Wechsel trotzdem legitim?

Jan Hennig und Kevin Mattes verlassen den Hombrucher SV und wechseln zum Lüner SV. Der HSV ärgert sich, weil beide Wortbruch begangen haben. Zurecht, oder nicht? Zwei Journalisten beziehen Stellung.

Zwei absolute Eckpfeiler des Hombrucher SV verlassen ihren Klub am Saisonende und wechseln zum Lüner SV. Dafür sind Jan Hennig und Kevin Mattes bei ihrem noch aktuellen Verein heftig in die Kritik geraten. Sie hätten Wortbruch begangen, sagt der Hombrucher SV. Die beiden Sportjournalisten Leon Elspaß und Patrick Schröer äußern sich in einem Pro-und-Kontra zur Wechsel-Causa.

Wir fragen: Geht der Wechsel von Jan Hennig und Kevin Mattes trotz des Wortbruches in Ordnung?

Ja, der Wechsel geht in Ordnung (von Leon Elspaß)

Welch ein Aufschrei, welch ein Knall – doch war der wirklich nötig? Dass der Hombrucher SV nicht erfreut sein kann, wenn zwei altgediente Spieler den Klub verlassen, obwohl sie offenbar ihre Zusage für die kommende Saison gegeben hatten, leuchtet ein. Öffentlich zu attestieren, das Duo sei charakterschwach, erscheint jedoch einigermaßen hanebüchen.

Kein Vertragsbruch von Hennig und Mattes

Die zwei Spieler – namentlich Jan Hennig und Kevin Mattes – haben sich schlicht und ergreifend umentschieden. Sie haben keinen Vertragsbruch begangen – es bestand schließlich nie ein solches Arbeitspapier –, sondern ihre Meinung revidiert, als eine attraktive Anfrage eintrudelte. Und allem Anschein nach versucht, die Sache vernünftig zu klären.

Dass der Lüner SV, der Hennig und Mattes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit im Kader für die kommende Spielzeit begrüßen darf, ebenso angegangen wird („Eine Sauerei“), wirft die Frage auf, welcher Klub noch nie in intensiven Gesprächen steckte mit einem Spieler, der allein mündlich zugesichert hatte, in der kommenden Saison parat zu stehen.

Der Hombrucher SV wäre besser beraten gewesen, die Wut herunterzuschlucken, den Spielern für ihren Einsatz in fünf beziehungsweise 13 Jahren zu danken. Hennig und Mattes sind schließlich keine Wandervögel, die mal hier, mal dort anbandeln. Beide hätten mehr verdient, als eine derart heftig formulierte Negativ-Bewertung.

Zumal die beiden Langzeit-Hombrucher – das darf in all der Aufregung nicht vergessen werden – nicht erst zwei Tage vor Trainings- respektive Saisonstart mit ihren Plänen um die Ecke kamen. Es bleibt genug Zeit, um vernünftigen Ersatz zu holen. Auf dieses Unterfangen sollten sich die HSV-Verantwortlichen konzentrieren. Und die Sache Hennig/Mattes vernünftig klären.

Nein, der Wechsel geht so nicht in Ordnung (von Patrick Schröer)

Zwei Spieler verlassen den Hombrucher SV am Saisonende in Richtung Lüner SV. Auf den allerersten Blick ist das eine völlig wertfreie Nachricht. Ein Duo möchte sich sportlich verändern – zudem erst im Sommer. Kein Problem. Auf den zweiten Blick kann man aber nachempfinden, warum sich der Hombrucher SV so dermaßen über die Entscheidungen der beiden Schützlinge ärgert.

Gemeint sind Torwart Jan Hennig und Kapitän sowie Mittelfeldspieler Kevin Mattes. Ein Duo, das – so schien es zumindest – so eng mit dem Hombrucher SV verbunden ist, wie der FC Bayern Jahr für Jahr mit der Meisterschale. Hennig und Mattes galten im Verein als absolute Identifikationsfiguren, als Gesichter der ersten Seniorenmannschaft – weil sie eben schon so lange im Klub aktiv sind und sich in all den Jahren stets vorbildlich und professionell verhalten haben.

Mit den geplanten Wechseln haben sie jedoch einen Fehler begangen, der im Klub nachwirken wird und den „Legendenstatus“ des Duos im Verein kaputtmachen könnte. Hennig und Mattes haben Wortbruch begangen. Zwei Spieler, von denen man dies nie erwartet hätte.

Spieler machen sich „Legendenstatus kaputt“

Denn sowohl Keeper Hennig als auch Capitano Mattes hatten für die nächste Saison bereits ihr „Ja-Wort“ gegeben. Nicht in Papierform, nein. Aber mündlich und per Handschlag. Darauf hatte der Verein gebaut – und Worte zählen im Lokalfußball. Das ist ehrlicher Amateurfußball, der in Dortmund so geliebt wird.

Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie, in der es so viele offene Fragen gibt, hatte der Vorstand sich auf das Wort seiner beiden Eckpfeiler verlassen. Ein Wort, das im Nachhinein nun nichts mehr wert ist, wonach der Ärger beim HSV komplett nachvollziehbar ist.

Weniger nachvollziehbar ist indes die Kommunikation des HSV-Vorstands. Die eigenen Spieler öffentlich so harsch zu kritisieren und ihnen Charakterschwäche zu unterstellen, sehe ich aufgrund der vergangenen gemeinsamen Zeiten beim HSV kritisch. Kritik ist grundsätzlich angebracht, keine Frage. Der Wechsel-Schachzug war kein feiner. Sie sollte dann aber besser intern zwischen Spielern und Trainern stattfinden. Unter diesen Umständen jedoch wird eine einst so enge Ehe zwischen Spielern und dem HSV in einer schmutzigen Scheidung enden.

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Schreibt seit 2015. Arbeitet seit 2018 für die Ruhr Nachrichten und ist da vor allem in der Sportredaktion und rund um den BVB unterwegs.
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Sportredaktion Dortmund
Ist bereits seit Kindesbeinen an von Ballsportarten – insbesondere Fußball – fasziniert. Stets neugierig auf der Suche nach Geschichten, auch abseits des Ballsports. Die Liebe zum Journalismus entdeckte er über sein großes Hobby: Fotografie. Gebürtig aus Selm, mittlerweile in Lünen wohnhaft.
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Patrick Schröer

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