Radsport

Im „Homeoffice“ nach Tokio: Hans-Peter Durst zwischen Hoffen und Bangen

Finden sie statt oder nicht? Hans-Peter Durst, doppelter Goldgewinner der Paralympics 2016, ist mit Blick auf die Spiele in Tokio „verhalten zuversichtlich“ und macht sich im „Homeoffice“ fit.
Hans-Peter Durst will endlich wieder Rennen fahren. Das ist erst Anfang Mai wieder erlaubt. © dpa

Tag sechs des Trainingslagers „dahoam“: Hans-Peter Durst, der sich eigentlich gerade mit der Paracycling-Nationalmannschaft unter der Sonne Lanzarotes auf die ungewisse Paralympics-Saison vorbereiten wollte, sitzt an einem regnerisch-kalten Tag auf seinem „Indoorbike“ im heimischen Dortmund und kurbelt an seinem „aktiven Ruhetag“ nach der morgendlichen Physiotherapie ein paar Kilometer. Im Fernseher läuft die nordische Ski-WM.

Reise nach Lanzarote abgesagt

„Ich habe das offizielle Trainingslager frühzeitig abgesagt. Schließlich bin ich der älteste Athlet im deutschen Paralympics-Team, gehöre als Ü60er also zur Risikogruppe. Wichtig ist mir aber auch, angesichts der Beschränkungen für alle Menschen mich einzufügen in diese Umstände“, erklärt der 62-Jährige, der im Spätsommer in Tokio seine aktive Laufbahn beenden möchte – so die Paralympics denn überhaupt stattfinden.

Zwei Paralympics-Siege in Rio 2016 und neun Weltmeister-Titel stehen in Dursts sportlicher Agenda. © dpa © dpa

„Natürlich schaue ich mit bangem Blick gen Tokio. Da ist noch Licht am Ende des Tunnels, auch wenn das Damoklesschwert der Absage über den Spielen schwebt. Es wird auf jeden Fall fleißig trainiert, auch wenn sich das Gefühl der Vorfreude noch nicht so recht einstellen mag“, sagt der zweifache Goldmedaillen-Gewinner von Rio 2016. Familie und Freunde, in Rio und zuvor in London 2012 zahlreich vor Ort, haben auf jeden Fall die Reise nach Japan schon mal abgesagt.

Sportliche Abschiedstournee

Seine Abschieds-Tournee auf den Radrennstrecken dieser Welt könnte coronabedingt eine einsame werden. Traurig musste der neunfache Weltmeister die Absage der nationalen Titelkämpfe im Rahmen der Cologne Classics in Köln zur Kenntnis nehmen, es sollte sein nationaler Ausstand im Kreise vertrauter Radsport-Freunde werden. Auch die Saisonplanung steht angesichts täglich neuer Corona-Meldungen auf tönernen Füßen.

Ein Jahr ohne Wettkämpfe liegt hinter dem ehrgeizigen Dreirad-Sportler, und der Blick nach vorn ist nicht immer leicht, denn: „Die Weltmeisterschaft im Paracycling Bahn ist schon abgesagt, die Straßen-WM im idyllischen Cascais in Portugal Anfang Juni steht noch im Kalender – aber Portugal hat aktuell andere Sorgen.“

Mit seiner Mentaltrainerin Grit Moschke hat sich Hans-Peter Durst eine Strategie zurechtgelegt, die einfach klingt, aber nicht immer einfach ist: Jeden Morgen aufs Neue schauen und annehmen, was da ist!

„Die Unsicherheit nimmt aktuell zu“

Er sehe sich als ältester aktiver Athlet des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) auch in der Verantwortungsrolle. „Ich bin dort im regelmäßigen Austausch, auch mit unseren aktiven Athleten in Deutschland, und die Unsicherheit nimmt aktuell sehr zu“, hat der Team-Senior nach vielen Gesprächen festgestellt.

Bis Ende April sind Amateurfahrern, und dazu zählen die Paracycler per Definition, Wettkämpfe untersagt.

Gleich Anfang Mai warten dann die ersten Weltcups der Saison in Belgien und Italien, die für die DBS-Athleten verpflichtend sind, um weitere Nationenpunkte für die Tokio-Startplätze einzufahren. Anfahrt und Materialtransport ins Ausland obliegen den Sportlern selbst. „Ich bin meiner Frau so dankbar, dass sie diesen Weg mit mir gemeinsam geht“, sagt Durst, dem das Autofahren seit seinem schweren Unfall 1994 ärztlicherseits untersagt ist.

Das lokale Netzwerk steht und hilft

Das lokale Netzwerk hält ebenfalls, das Autohaus Pflanz hat den Sponsor-Vertrag für den Transporter nach der Verlegung der Spiele um ein Jahr verlängert. Jetzt müssen sie nur noch stattfinden, die Weltspiele des paralympischen Sports. Hans-Peter Durst ist zwar vom Naturell her ein positiv denkender Mensch, von Optimismus möchte der Dortmunder in diesem Zusammenhang aber nicht sprechen, „ich würde es eher vorsichtig zuversichtlich nennen“.

Die wettkampffreie Zeit haben Hans-Peter Durst und seine Frau Ulrike für ein wohltätiges Projekt genutzt. Aus einer geschenkten Kiste Bio-Zitronen wurde ein großes Marmeladen-Projekt. Über 100 Gläser hat Familie Durst bereits hergestellt. Sie gibt den vitaminreichen Brotaufstrich gegen eine Spende gerne weiter, der Erlös fließt an die Dortmunder Obdachlosen-Initiative „Gasthaus statt Bank“.

Die Gläser sind u.a. erhältlich bei Christian Carasi – Stickerei & Berufsbekleidung Carasi – Körner Hellweg 61 – 44143 Dortmund.

Bestellungen werden gern entgegengenommen unter Ulrike.Durst@unitybox.de

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