Er gehörte auch zum Team der RN-Allstars. © Stephan Schütze
Amateurfußball

Horror-Vorbereitung: Dortmunder Allstar macht sich Gedanken über ein Karriereende

Ein Dortmunder Allstar hat sich nach einer wahren Seuchenvorbereitung auf die neuen Fußballsaison ernsthaft die Frage nach dem eigenen Karriereende gestellt. Jetzt hat er sich entschieden.

Die Verletzungen haben ihm zugesetzt. Und immer wenn er glaubte, die Kurve in der Saisonvorbereitung zu kriegen, kam der nächste Rückschlag. Für einen der besten und bekanntesten Dortmunder Amateurfußballer ist die Fortdauer der eigenen Karriere keine Selbstverständlichkeit mehr.

Wer Anil Konya als Spieler auf dem Platz erlebt hat, weiß, dass es für den 31-jährigen Spielführer von Westfalia Wickede keine halben Sachen gibt. „Halbwegs, ein bisschen, einigermaßen“ – das sind keine Kategorien, in denen der Westfalenligaspieler denkt.

Umso schmerzlicher ist es, dass gerade „halbwegs, ein bisschen und einigermaßen“ die nächsten Zielmarken für ihn sind. Denn Konya hat eine Saisonvorbereitung hinter sich, wie sie schlechter kaum hätte laufen können. „12 oder 13 Jahre bin ich jetzt im Amateurfußball unterwegs, aber so mies war es noch nie. Solch eine Pechsträhne von Verletzungen hab ich persönlich noch nie erlebt.“

„Ich habe fünf Vorbereitungsspiele absolviert und davon nur eines verletzungsfrei über die Zeit gebracht. Das ist schon dramatisch.“ Zweifellos am dramatischsten war der 31. Juli, der Tag, an dem Konya im Spiel gegen den ASC 09 beim Hecker-Cup nach 20 Minuten mit Herzrasen den Platz verlassen musste. Diagnose: Bluthochdruck.

Der Rat des Arztes war eindeutig: Nahrungsumstellung und mehr privates Ausdauertraining. „Mehr privates Training krieg ich schon hin“, sagt Konya. „Aber es gibt ja auch noch andere Möglichkeiten, um etwas für den Blutdruck zu tun, wie beispielsweise Kältekammern und Temperaturwechsel. Das ist ein breites Feld, womit ich mich vorher ja auch nie beschäftigt habe. Da hab ich immer nur Profis gesehen, die in die Kältekammer gegangen und mir gedacht: Was soll das denn? Jetzt sage, wenn mir das gut tut, warum nicht.“

Anil Konya (Mitte) gehört zu den Allstars des Dortmunder Amateurfußballs. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Das Herzkreislauf-Thema war gerade angegangen, da wagte Konya sich ins nächste Testspiel. Gegen Türkspor Dortmund stand er vor einer Woche in der Startelf. In Minute 38 war schon wieder Schluss. „Türkspors Marcel Reichwein ist mir beim Zweikampf auf den Mittelfuß gestiegen. Und danach konnte ich erstmal nicht mehr auftreten. Allerdings hat sich jetzt gezeigt, dass nichts gebrochen ist.“

Dennoch, der erneute Ausfall wirkte wie ein echter Knacks, nachdem es gerade wieder etwas bergauf zu gehen schien. „Wenn ich ehrlich bin, war ich nach dem Tritt auf den Knöchel mental wirklich am Ende. Ich hab nur gedacht: Nicht schon wieder. Das hat mich richtig fertig gemacht. Ich hab mich so oft zurückgekämpft nach früheren Verletzungen. Aber da hab ich mir wirklich die Frage gestellt, ob ich die Kraft habe, das nochmal alles durchzumachen. Wenn du einen Nackenschlag nach dem nächsten bekommst, dann ist das irgendwann einfach zermürbend.“

Aufgebaut hat in letztlich der große Bruder Emre. „Er hat mich großartig unterstützt. Das war wie Balsam für die Seele und war in dem Moment ganz wichtig.“ Und in diesen Gesprächen fiel letztlich auch Konyas Entschluss weiterzumachen. „Mein Bruder hat mir gesagt, wer sooft zurückgekommen ist, kann so nicht aufhören. Ich hab zwei, drei Nächte drüber geschlafen, und dann stand der Entschluss fest, dass ich am Ball bleibe und weitermache.“

Was auch ganz im Sinne von Westfalia Wickede ist. „Nach dem Spiel gegen Türkspor war ich mit unserem Trainer Marko Schott und unserem Sportlichen Leiter Daniel Dukic noch was essen“, erzählt Konya. Da hab noch so scherzhaft gesagt: Ich glaub, ich hör auf.“ Die Reaktion von Schott und Dukic fiel, wenn auch im lockeren Ton, so doch eindeutig aus: „Du spinnst ja wohl.“

Und was wird jetzt mit dem Saisonstart? „Ich muss mir eingestehen, dass ich noch nicht fit bin. Fußballerisch bin ich deutlich weiter. Aber das bringt mir nichts, wenn ich wegen mangelnder Fitness alle zwei Wochen wieder ausfalle. Da muss ich noch ordentlich zulegen, um auf das Niveau der anderen Spieler von uns zu kommen. Ich kann kein Spiel nur mit Wille und Ehrgeiz bestreiten. Das funktioniert nicht. Das hab ich jetzt gelernt.“

Über den Autor
Sportredaktion Dortmund
61er-Jahrgang aus Bochum, seit über 35 Jahren im Journalismus zu Hause - dem Sport und dem blau-weißen VfL schon ewig von Herzen verbunden - als Sportredakteur aber ein Spätberufener.
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Gerhard Vogelsang

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