Der Dortmunder Hallen-König hat gesprochen. © picture alliance/dpa
Amateurfußball

Hallen-König ärgert sich über Jammer-Generation: Vielleicht ist zu viel Geld im Spiel

Er ist mit 157 Toren der absolute Hallen-König bei den Dortmunder Hallenstadtmeisterschaften. Mit der aktuellen Spielergeneration kann er sich nur teilweise anfreunden, wie er im Interview verrät.

Momentan wäre eigentlich die Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft in vollem Gange. Was liegt deshalb näher als mit dem ehemaligen Hallenkönig Torsten „Schelle“ Richter zu sprechen, der mehr als 20 Jahre lang die Zuschauermassen in den Dortmunder Hallen begeisterte?

Seine 157 Tore, die „Schelle“ erzielte, werden wohl ein Rekord für die Ewigkeit bleiben. Ihm folgen Harald Brasse mit 128 Treffern und Jörg Niedzwicki mit 119 Toren, die aber beide ebenfalls nicht mehr aktiv sind. Seine Antrittsschnelligkeit und seine überragende Schusstechnik machten ihn zu einem exzellenten Hallenspieler. 1987 schlug erstmals die große Stunde des Hallenkönigs: Sein Siegtreffer zum 1:0-Erfolg über den favorisierten damaligen Oberligisten VfR Sölde, sorgte für den sensationellen Hallentitel für den damaligen A-Ligisten VfL Kemminghausen.

1993 holte sich „Schelle“ Richter noch den Vize-Titel. Im Endspiel gegen den VfR Sölde unterlag er im Trikot von Phönix Eving mit 0:2. Außer für den VfL Kemminghausen und Phönix Eving kickte „Schelle“ auch noch für den FC Merkur. 2007 im Alter von 41 Jahren hängte er seine Schuhe dann endgültig an den Nagel. Heute ist der 54-jährige noch bei den Alten-Herren des Hombrucher SV aktiv.

Wie beurteilen Sie die Corona bedingte Absage der diesjährigen Hallenstadtmeisterschaften?

Ich bedaure die Absage der Stadtmeisterschaft. Meines Erachtens wäre die Durchführung mit einem ausgeklügelten Hygienekonzept möglich gewesen.

Sind Ihre 157 bei den Hallenstadtmeisterschaften erzielten Tore ein Rekord für die Ewigkeit?

Ich glaube fast schon. Ich habe fast 20 Jahre für diese Bestmarke gebraucht. Wenn es allerdings einer schafft, die Bestmarke zu überbieten, dann hat er es auch verdient. Ich gönne es jedem Spieler, allerdings wird es sehr schwer meinen Rekord zu knacken.

Stimmt es eigentlich, dass Ihre erste Teilnahme 1987, die mit dem Siegtor und dem Titel endete, eher zufällig war?

Eigentlich war ich damals Spieler der Zweiten. Da die Erste einige Ausfälle zu beklagen hatte, nahm mich der damalige Trainer „Awo“ Reißmann mit in die Halle. Ich war eher eine Notlösung. Der anschließende Stadtmeistertitel für den VfL Kemminghausen, durch mein Siegtor war eine Geschichte die wohl so nur der Fußball schreibt.

Verfolgen Sie heute noch die Hallenstadtmeisterschaften?

Ich bin eigentlich immer als Zuschauer dabei. Das Event ist schon toll aufgezogen. Die vollen Ränge und die gute Stimmung in der Helmut-Körnig-Halle sind überragend. Zu meiner Zeit mussten wegen fehlender Kapazitäten in der Halle Wellinghofen immer wieder Zuschauer nach Hause geschickt werden. Etliche Fans haben damals auch die Möglichkeit genutzt, sich die Spiele der Endrunde in den Bewirtungszelten am Fernseher anzusehen.

Worin besteht der Unterschied zwischen dem heutigen Hallenfußball und dem zu Ihrer Zeit?

Heutzutage ist der Hallenfußball wesentlich athletischer geworden. Auch das Tempo ist wesentlich höher geworden. Es geht wesentlich dynamischer auf dem Parkett zu. Außerdem ist mir aufgefallen, dass sich nur noch sehr wenige ältere Spieler in der Halle tummeln.

Haben Sie heute noch Kontakt zu Ihren Mitspielern, mit denen Sie 1987 den Stadtmeistertitel nach Kemminghausen geholt haben.?

Leider nicht. Ich habe allerdings vor kurzem mit Stanislaw Filipecki, einem Vorstandsmitglied des VfL Kemminghausen gesprochen. Vielleicht gelingt es ja in 2022 ein Treffen zu organisieren. Ein geselliger Abend, 35 Jahre nach der Sensation wäre schon eine feine Sache.

Sind Sie mit 54 Jahren immer noch aktiv?

Ich wohne seit einiger Zeit in Hombruch und habe mich den Alten Herren des Hombrucher SV angeschlossen. Vor der Corona-Pandemie haben wir uns einmal in der Woche zum Training getroffen. Mindestens einmal im Monat haben wir auch noch ein Freundschaftsspiel absolviert.

Wie beurteilen Sie als Außenstehender die derzeitige Entwicklung im Dortmunder Amateurfußball?

Einige Vereine rüsten zurzeit mächtig auf. Ich frage mich natürlich ob das gut geht. Hohe Investitionen sind immer mit einem großen Risiko verbunden. Ich kenne genug mahnende Beispiele aus der Vergangenheit, wo es nicht gut gegangen ist. Phönix Eving, TuS Eving, Teutonia Lanstrop, Hellweg Lütgendortmund, TV Brechten sind alles Vereine die mal höherklassig gespielt haben und sich jetzt in den Niederungen der Kreisliga befinden.

Sie haben im Seniorenbereich lediglich für den FC Merkur, den VfL Kemminghausen und Phönix Eving gespielt. Was halten Sie von den „Wandervögeln“ die teilweise nach nur wenigen Monaten erneut den Verein wechseln?

Die heutige Spielergeneration jammert ganz gerne. Dann taugt der Trainer nicht, der Platz ist nicht genehm oder die Mitspieler passen nicht. Deshalb wird dann der Verein nach kurzer Zeit gewechselt. Was sich die Spieler teilweise heute erlauben, hätten wir uns zu meiner Zeit unter Peter Walter beim FC Merkur unter „Awo“ Reißmann beim VfL Kemminghausen oder auch unter Horst Hepp bei Phönix Eving nicht rausnehmen dürfen. Es scheint als wenn einige Akteure Narrenfreiheit hätten. Vielleicht ist auch zu viel Kohle im Spiel.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Baujahr 1965, gebürtiger Dortmunder, der sich seit fast zwanzig Jahren auf den Sportplätzen tummelt und den Dortmunder Amateurfußball mit all seinen Facetten kennt.
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Frank Büth

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